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Elisabeth-Selbert-Schule zieht an Reimerdeskamp – Technische Akademie lehnt ab

Traum vom Bildungscampus geplatzt

Hameln. Die Idee eines „Bildungscampus“ in Hameln – aus dieser Vision nach dem Briten-Abzug wird wohl nichts. Die Realität hat das Wunschdenken eingeholt. Die Technische Akademie kann sich nicht mit der Alternative in der Nordstadt anfreunden. Nur die Elisabeth-Selbert-Schule wird wohl an den Reimerdeskamp ziehen.

veröffentlicht am 23.02.2016 um 19:59 Uhr
aktualisiert am 17.05.2016 um 17:37 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus
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Die Idee eines „Bildungscampus“ in Hameln – lange war sie für die Verantwortlichen von Stadt und Landkreis die große Vision, die nach dem Briten-Abzug auf dem Gelände der ehemaligen Linsingen-Kaserne verwirklicht werden sollte. Doch dann wurde die Kaserne zur Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge und die Idee war von der Realität eingeholt. Das Areal bleibt bis auf Weiteres der Unterbringung von Flüchtlingen vorbehalten. Als alternativer Standort für die – dann zentralisierte – Elisabeth-Selbert Schule (ESS) und den Neubau der Technischen Akademie (TA), die sich vergrößern möchte, wurden anschließend der Gundolph- und der Bailey-Park am Reimerdeskamp ins Auge gefasst. Doch nun ist der Traum vom Bildungscampus endgültig geplatzt. Die Technische Akademie (TA) kann sich nicht mit der Alternative in der Nordstadt anfreunden. „Wir werden uns nicht daran beteiligen“, sagt TA-Geschäftsführer Frédéric Philipp Thiele.

Landkreis hat eine

Standortanalyse in Auftrag gegeben

Die Akademie begründet ihre Absage mit der fehlenden Nähe zur Innenstadt. „Der Reimerdeskamp ist nicht zentral genug gelegen. Man kann von dort nicht fußläufig in die Stadt gehen. Damit ist der Standort für uns unattraktiver und interessiert uns nur wenig“, sagt Thiele. Derzeit gebe es in Hameln keine feste Alternative für die Expansionspläne des Bildungsträgers. „Wir haben das große Glück, dass wir in den vergangenen Jahren deutliche Zuwächse hatten. Unsere 53 Schulungsräume in Hameln und auch die Wohnoptionen sind mehr als ausgebucht“, beschreibt er den dringenden Bedarf, den die TA hat.

Das Bildungszentrum unterhält weitere Schulen in Hannover, Hildesheim und Göttingen und habe die dortigen Räumlichkeiten vor einiger Zeit bereits „mehr als verdreifacht“, sagt Thiele. „Unsere Teilnehmer kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. Denen ist es relativ egal, wo sie beschult werden.“ Die Technische Akademie wolle ihren Studenten ein adäquates Umfeld bieten. Eine zentrale Lage sei deshalb wichtig, weil sie auch ein Stück weit Lebensqualität ausmache.

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Auch die Überlegung, nur einen Teil des Linsingen-Areals für die TA zur Verfügung zu stellen, kommt nicht infrage. Denn die Tür, das ehemalige Kasernen-Gelände für einen anderen Zweck als jenen zu nutzen, dort Flüchtlinge unterzubringen, ist zumindest mittelfristig zu. Die Bundesregierung hat den Ländern zugesagt, dass auf Bundesliegenschaften Platz für die Unterbringung von 40 000 weiteren Flüchtlingen und Asylbewerbern geschaffen wird. Die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) erklärt: „Sollte also der Landkreis Hameln-Pyrmont eine Entscheidung gegen den Weiterbetrieb als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge fällen oder den Betrieb nur auf den nördlichen Teil beschränken, so wird die BImA die Liegenschaft beziehungsweise den freigegebenen südlichen Teil allen weiteren in Betracht kommenden Bedarfsträgern, also der Stadt Hameln sowie dem Land Niedersachsen aktiv anbieten.“ Eine Freigabe der Linsingen-Kaserne für schulische Zwecke – ob als Gesamtkomplex oder nur in Teilen – könne demnach „zum jetzigen Zeitpunkt nicht in Aussicht gestellt werden“, heißt es.

Landrat Tjark Bartels (SPD), der die Erstaufnahmeeinrichtung weiterführen will und mit dem Land über eine Verlängerung des bis Ende 2016 laufenden Vertrages verhandelt, treibt unterdessen die Zukünftspläne der Elisabeth-Selbert-Schule voran. Die Kreisverwaltung will die Berufsschule, die bislang Standorte am Münsterkirchhof, an der Thibautstraße sowie am Langen Wall unterhält und dort dringenden Sanierungsbedarf hat, im Gundolph-Park zentralisieren. Dafür müsste zunächst eine bis zu 55 000 Quadratmeter große Fläche auf dem Areal in der Nordstadt erworben werden. Der Bedarf könnte sogar noch größer ausfallen – zum Beispiel, um eine mögliche spätere Erweiterung um die Handelslehranstalten zuzulassen.

Die Kreisverwaltung hat das Planungsbüro Sikma mit einer kurzfristigen Standortanalyse beauftragt. Die Experten sollen neben einer ersten Skizze zur möglichen Lage des Gebäudes herausfinden, ob die Zentralisierung der Schule im Gundolph-Park zu vergleichbaren Konditionen wie bisher gedacht verwirklicht werden kann. 36,7 Millionen Euro sind für das Projekt eingeplant. Die Ergebnisse der Analyse werden am morgigen Donnerstag, 25. Februar, in einer gemeinsamen Sitzung des Schul- und Bauausschusses des Landkreises vorgestellt.

Falls der Gundolph-Park ungeeignet ist oder sich das Vorhaben als nicht finanziell darstellbar herausstellt, will die Kreisverwaltung weitere Standorte prüfen.

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