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Technische Akademie: „Werden nicht fünf Jahre warten“

Liegen die Pläne für die Kaserne jetzt auf Eis?

Hameln. Angesichts eines internationalen Notstandes möchte niemand kleinlich sein: Eine gewaltige Zahl von Flüchtlingen hat sich auf den Weg nach Europa gemacht und Hameln hat Platz für Hunderte von ihnen gefunden – in der Linsingen-Kaserne. „Wat mutt, dat mutt“, wie der Norddeutsche sagt. Doch es gibt neben den ganz großen globalen eben auch noch die großen Hamelner Themen: „Konversion“ heißt eins, das seit Jahren auf der Liste ganz oben steht. Übersetzt: die Nachnutzung der von der britischen Armee verlassenen Immobilien und Flächen. Im Fall der Linsingen-Kaserne sind die Zukunftspläne schon relativ weit gediehen. So soll die Elisabeth-Selbert-Schule auf das Areal ziehen, die Technische Akademie als zweiter großer Nutzer ebenso. Liegen solche Pläne nun auf Eis? Oder sind sie gar gefährdet?

veröffentlicht am 09.09.2015 um 19:16 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:59 Uhr

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Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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Vor nicht mal einem Jahr hatten noch Kreis und Stadt eine Unterbringung von Flüchtlingen auf dem Kasernen-Gelände ausgeschlossen. Schließlich seien die Verhandlungen mit einigen Interessenten bereits weit fortgeschritten, hieß es damals.

Doch jetzt befinde man sich in einer ganz anderen Situation, heißt es aus dem Rathaus mit Blick auf den Treck von Hilfesuchenden aus dem Süden. Alle Planungen für das Kasernengelände würden aber nichtsdestotrotz weiter vorangetrieben, versichert das Rathaus am Mittwoch. Auch 61 000 Euro Fördergeld von Bund und Land, die gerade jetzt bewilligt wurden, stünden nicht in Frage – ob mit oder ohne Wartezeit.

Doch Rahmenbedingungen ändern sich dieser Tage schnell. Dass sich die Unterbringung von Flüchtlingen tatsächlich auf ein Jahr beschränkt, wurde in der Hamelner Politik bereits bezweifelt. „Schwer einzuschätzen“, heißt es auch aus der Stadtverwaltung. Wie sich die Lage weiterentwickelt, weiß niemand. Sandra Lummitsch, Sprecherin der Kreisverwaltung, spricht am Mittwoch von „einem Jahr, vielleicht zwei, drei Monaten mehr“, die die Flüchtlinge in der Kaserne untergebracht werden könnten.

Der Landkreis ist gleich in doppelter Hinsicht vom Thema betroffen: Zum einen bereitet er als Schulträger den Umzug der Elisabeth-Selbert-Schule auf das Kasernengelände vor, zum anderen war es Landrat Tjark Bartels (SPD), der die leere Kaserne als Notunterkunft anbot. Schulleiterin Gisela Grimme teilt mit, sie könne zum Umzug nichts sagen und verweist ans Kreishaus. Dort gibt man sich gelassen: Abriss, Altlasten beseitigen, Planungen, Vergabeverfahren – all das brauche ohnehin seine Zeit, sagt Lummitsch. „Auch ohne die Flüchtlinge wären nicht morgen die Bagger gekommen.“ Landrat Tjark Bartels erwartet ebenfalls, so äußerte er sich am Freitag, durch die Zwischennutzung keinen Zeitverlust.

Werner Thiele, Vorstandsvorsitzender der Technischen Akademie (TA), sieht das etwas anders: „Eigentlich war das deutlich kurzfristiger angedacht“, sagt er zu seinen Plänen auf dem ehemaligen Britengelände. Gleichwohl: Die leere Kaserne habe sich für die Unterbringung von Flüchtlingen angeboten, die politische Entscheidung trage er mit.

Technische Akademie setzt auf Außenstellen in

Göttingen und Hannover

Unternehmerisch allerdings ist Thieles Geduld offenbar begrenzt. „Ich werde nicht die nächsten fünf Jahre auf irgendetwas warten“, kündigt der TA-Chef an. Nehme man einmal an, die Flüchtlinge blieben für drei Jahre, rechnet er vor, und erst dann begännen die Bauarbeiten: „Ich kann mich nicht hinsetzen und warten, bis es 2020 wird.“

Eine Kombination aus Unterrichtsräumen und Appartements schwebt Thiele als Dependance auf dem Kasernengelände vor. Doch Platz braucht die TA schon vorher. Der Standort Bahnhofstraße reiche nicht mehr aus, sagt Thiele. Die Technische Akademie investiert deshalb seit längerem – also unabhängig von der Unterbringung der Flüchtlinge in der Kaserne – in ihre Außenstellen in Göttingen und Hannover. Den Studenten sei es schließlich egal, ob sie nach Hameln, Hannover oder Göttingen führen, sagt Thiele. Eigentlich seien die beiden anderen Städte sogar besser erreichbar. Die neue Situation in der Linsingen-Kaserne sei deshalb „nichts, was mich aus der Bahn wirft“, kommentiert der TA-Chef. „Es gibt genug Möglichkeiten.“

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