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Langwierig: Verhandlungen über Linsingen-Kaserne

HAMELN. Weil Stadt und Landkreis ihre Planungsentwürfe für das Areal „Linsingen-Kaserne“ etwas geändert haben, will die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erneut ein Gutachten zur Wertermittlung erstellen. Denn: Bei der Bima spielt die künftige Nutzung für den Preis eine wesentliche Rolle.

veröffentlicht am 14.12.2016 um 12:47 Uhr
aktualisiert am 14.02.2017 um 18:55 Uhr

Was mit den Gebäuden der Linsingen-Kaserne geschieht, ist noch ungewiss – auch der Preis für das gesamte Areal steht noch in den Sternen.Foto: Dana
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Das hatten sich die Verhandlungsführer aufseiten der Stadt und des Landkreises anders vorgestellt: Unter den Kaufvertrag über das Gelände Linsingen-Kaserne hätten sie noch in diesem Jahr ihre Unterschriften setzen wollen. Doch sie und die Vertreter der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) sind vom Zücken der Füller inzwischen wieder ein gutes Stück weiter entfernt als zuvor.

12,5 Hektar, etwa 50 Gebäude in mehr oder weniger gutem Zustand, sowie die Lage bilden zunächst die Basis, um den Wert des Areals zu ermitteln. Dieser Verkehrswert (= Ankaufswert) wird gutachterlich festgelegt, wie die Stadt Hameln im Juli mitteilte. Damals lag er noch nicht vor. In der Zwischenzeit war ein Preis genannt worden, über die Höhe aber gibt keiner der Beteiligten Auskunft – nicht zuletzt, weil die genannte Summe schon wieder überholt ist. Die Bima rechnet neu.

Ins Gutachten der Bima dürfen wir nicht reingucken.

Hermann Aden, Stadtbaurat

Grund ist eine Überarbeitung der Pläne von Stadt und Landkreis für das Gelände. Nach Auskunft des stellvertretenden Landrats Carsten Vetter – er führt die Verhandlungen zusammen mit Hamelns Stadtbaurat Hermann Aden – solle die Elisabeth-Selbert-Schule nun „woanders hin“, was zur Folge habe, dass sich die überplanten Flächen „ein bisschen verschieben“. Am Freitag habe das von Stadt und Landkreis beauftragte Planungsbüro Sigma den überarbeiteten Vorschlag vorgelegt. Abgesehen von einigen Detailfragen, herrsche über die Pläne großes Einvernehmen zwischen den Kommunen. Die Bima aber möchte den Wert des Areals auf Basis des neuen Plans jetzt erneut gutachterlich ermitteln lassen. Warum ein neues Gutachten nötig ist, erschließt sich Vetter nach eigener Aussage nicht.

Die Bima bemisst den Wert eines Objektes nicht nur nach dessen Lage und Zustand und berechnet den Gesamtpreis per Quadratmeterpreis mal Fläche, sondern bezieht die geplante Nutzung mit ein. Im Fachjargon heißt das laut Aden „den Planungswertgewinn abschöpfen“. „Das darf man dreist nennen“, sagt er über diese Methode zur Wertermittlung. Was jedoch laut Aden nicht in den handelnden Personen der Bima als Organisation begründet liegt, sondern in den Vorgaben, die von der Bundesregierung gemacht wurden. Kritisiert werde das immer mal wieder, aber geändert wurde es nicht. Aus Perspektive des Bundes sei das nachvollziehbar, so Aden – deren Auftrag: für die Liegenschaften des Bundes einen Höchstpreis zu erzielen. Das im Immobiliengeschäft sonst unübliche Vorgehen wird in Zusammenarbeit mit der Bundesbehörde möglich, denn: „Die Bima hat die Marktmacht.“

Bei allem Verständnis für das Vorgehen der Bundesbehörde, die ihre „Güter nicht verschleudern will“ und darf und der Zuversicht, dass es am Ende – wie beim Scharnhorstgelände – alles gut klappen werde, kritisiert Hermann Aden einen Aspekt: „Ins Gutachten, das die Bima erstellt, dürfen wir nicht reingucken.“ Die Wertermittlung sei somit eine „black box“, was das ungute Gefühl hinterlassen kann: „Wir kaufen zu teuer“.

Immerhin: „Die Parameter kennen wir“, sagt Aden über die Faktoren, die bei der Berechnung des Kaufpreises relevant sind. Laut Bima-Mitarbeiter Guido Déus sind beispielsweise „Wohnbau-, Gewerbebau- oder aber Gemeinbedarfsflächen (zu denen auch Schulbauflächen gehören) entsprechend den tatsächlichen Marktverhältnissen unterschiedlich zu bewerten“. Im Juni hatten Stadt und Landkreis einen „Pakt für den Bildungsstandort Hameln“ geschlossen. Der damit eingereichte städtebauliche Entwurf unterscheide sich von dem Konzept, das „das Grundlage der Wertermittlung der Bima war.“ Diese Änderungen machten eine Neubewertung der Flächen erforderlich.

Über die genauen Unterschiede zum bisherigen Konzept wollen weder Aden noch Vetter derzeit Auskunft geben. Vetter erklärt lediglich, dass der Landkreis nur eines der bestehenden Gebäude, die auf dem gewünschten Areal des Kreises stehen, erhalten würde: das Mensagebäude. Mit welcher Nutzung ist jedoch noch offen. Ob am Ende tatsächlich ein höherer Kaufpreis als der bislang veranschlagte herauskommt, vermag keiner von beiden zu sagen.

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