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Hamelner möchte in Immobilie auf Kasernengelände investieren – und trifft auf wenig Begeisterung

Keine Chance für das Britenkino?

Hameln. Vasco Hexel würde gern das alte Britenkino auf dem Gelände der ehemaligen Linsingen-Kaserne wiederbeleben. Es sollte etwas Besonderes werden, mit roten Plüschsesseln, James-Bond-Abenden und einem Programm, das sich abhebt. Das DRK hat allerdings eigene Pläne.

veröffentlicht am 22.03.2016 um 20:02 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:04 Uhr

In das ehemalige Soldatenkino hätte das neue Programm-Kino einziehen können. Foto: Dana
Dorothee Balzereit

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Dorothee Balzereit Reporterin / ViaSaga zur Autorenseite
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Hameln. Vasco Hexel hatte einen Traum. Als der Komponist hörte, dass die Briten aus Hameln abziehen und die Linsingen-Kaserne verkauft werden soll, tauchte vor seinem inneren Auge sofort ein Bild auf: das alte Britenkino. Hexel ist in der Nordstadt aufgewachsen. Heute lebt er in London, schreibt Filmmusiken für Fernseh- und Werbefilme. Doch an dem Kino hängt sein Herz. Er würde es gerne wiederbeleben und möglichst viel vom alten Charme erhalten, etwas Besonderes daraus machen, mit roten Plüschsesseln, James-Bond-Abenden und einem Programm, das sich abhebt.

„Ich möchte die Hamelner Kulturszene bereichern“, betont Hexel. „Dieses neue Kino würde weder mit dem Maxx konkurrieren noch mit der Sumpfblume, sondern ganz neue Angebote nach Hameln bringen.“ Sein Konzept sieht die komplette Renovierung vor, neue Bestuhlung, modernste Film- und Tontechnik, außerdem Gastronomie. Fünf bis acht neue Arbeitsplätze möchte er schaffen. Die Stadt müsste keinen Cent dazu bezahlen.

DRK würde

Kino gern für Flüchtlinge nutzen

Seit 2014 kennt man im Rathaus die weit gediehenen Pläne und hat Hexel wohlwollend begleitet: Er sollte das Kino von der Technischen Akademie pachten. Doch dann kam das weltpolitische Geschehen dazwischen, die Kaserne wurde Erstaufnahmelager für Flüchtlinge. Nun sei man „außen vor“, heißt es aus dem Rathaus. „Wir wären die Letzten, die etwas dagegen hätten“, bedauert Wirtschaftsförderer Thomas Wahmes. Damit endet das Engagement allerdings schon. Auf die Frage, ob es nicht im Interesse der Stadt liege, die Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (Bima) als Eigner, den Kreis als derzeitigen Nutzer, den Investor und die Stadt an einen Tisch zu bringen, heißt es, dass es keinen Unterschied mache, „ob ein, zwei oder fünf Personen mitreden“. Schriftlich bekommt Hexel erst mal die Antwort: Die nächsten zehn Jahre sei ein Verkauf nicht möglich. Das Kino sei Teil der Erstaufnahmeeinrichtung und „die Pläne des Herrn Binder [Leiter der Einrichtung] nicht bekannt“. Man rät Hexel, sich mit Wilfried Binder in Verbindung zu setzen.

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  • Das ehemalige „Flix“ der britischen Armee auf dem Gelände der Linsingen-Kaserne. Vasco Hexel möchte hier investieren und ein Programmkino eröffnen. Foto: Dana
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  • Das ehemalige „Flix“ der britischen Armee auf dem Gelände der Linsingen-Kaserne. Vasco Hexel möchte hier investieren und ein Programmkino eröffnen. Foto: Dana

Der 36-Jährige versucht es, er kann sich ein Miteinander, dass auch die Flüchtlinge einbindet, sehr gut vorstellen. Doch von Binder erhält er über Wochen keine Rückmeldung. Schließlich kommt doch noch ein Treffen mit der Kasernenleitung und einer Mitarbeiterin des Landkreises zustande – durch gezielte Nachfrage unserer Zeitung. Der Investor erfährt, dass man beim DRK eigene Pläne für ein Kino hat. Es soll den Schwerpunkt Verständigung und Begegnung haben, Stadt und Landkreis halten das ebenfalls für wünschenswert, heißt es auf Nachfrage. Um das alte Britenkino zum Treffpunkt für Flüchtlinge und Bürger umzugestalten, habe das DRK alte Stühle aus dem Maxx-Kino und einen gebrauchten Projektor besorgt. Gemeinsame Aufbau- und Renovierungsarbeiten sind Teil des DRK-Konzepts. Neben Bürgern, Flüchtlingen und Ehrenamtlichen sollen sich auch Firmen aufgerufen fühlen mitzuhelfen. Ob das reicht, ist fraglich, denn einen dicken Haken hat die Sache: Für rund 100 000 Euro müssten eine abgehängte Decke sowie künstliche Mineralfasern im Dachgeschoss entfernt werden, um dem Brandschutz zu genügen. Das DRK will Sponsoren finden, weitere Investitionen wurden bereits beim Landkreis angemeldet.

Die Alternative wäre, sich mit Vasco Hexel zu einigen. Der würde die Sanierung auf seine Rechnung nehmen. Dass dies vorteilhaft sein könnte, haben auch Landkreis und DRK erkannt: Man könne sich auch eine kommerzielle Nutzung mit Herrn Hexel vorstellen, heißt es. Dass er mit dem DRK gemeinsame Sache machen muss, scheint aber gesetzt. In diesem Fall stehen allerdings statt langfristiger Investitionen, wie sie Hexel gerne tätigen würde, nur mittelfristige zur Debatte, da man nicht wisse, wie das Gelände künftig genutzt werde – das letzte Wort habe die Bima.

Und wie sieht man die Angelegenheit dort? „Wenn der Landkreis sagen würde, dass diese Fläche für die Unterbringung von Flüchtlingen entbehrlich ist und die Stadt ein nachhaltiges Interesse hätte, dort ein Kino anzusiedeln, müsste die Stadt diese Vorstellungen an uns herantragen und natürlich die planungsrechtlichen Voraussetzungen schaffen“, erklärt Sonja Richter, Leiterin Portfoliomanagement bei der Bima. Die Bima sei selbstverständlich offen für Gespräche. Zu beachten sei aber auch, dass die Bima vor einem Verkauf grundsätzlich verpflichtet ist, ihre Immobilien am Markt anzubieten.

Beim Gespräch mit dem Landkreis habe man ihm den Vorschlag gemacht, sich das Vorkaufsrecht sichern, und in Vorleistung für die Sanierung zu gehen, sagt Hexel – Kauftermin und Start für das Kino wären für den Investor dann jedoch unbekannte Größen.

„Wie soll ich einen Kredit bekommen, wenn ich vor Ort keinen Cent verdienen kann?“, wundert sich Hexel. Er habe lange nachgedacht, glaubt nach wie vor, dass sich sein Konzept und das des DRK gut kombinieren ließen. Doch die nun vorgeschlagenen Konditionen haben ihn nach fast zwei Jahren des Bemühens resignieren lassen. Dass man in Hameln so wenig Interesse an einer Idee hat, die die Nordstadt nachhaltig beleben würde, kann er nicht nachvollziehen. „Ich habe den Eindruck, es fehlt der Willen“, sagt er. Dass es möglich ist, einzelne Immobilien der Bima zu veräußern, zeige der Verkauf des Pipers Clubs. Auch das Kino sei mit seiner Lage am Rand des Geländes und dem separaten Eingang zur Süntelstraße gut abtrennbar, eine eigene Zufahrt kein Problem. Warum Stadt, Landkreis und DRK bisher nicht einmal den Versuch gestartet haben, mit der Bima über den Verkauf des Gebäudes zu sprechen, dass so abseits liegt und in dem keine Flüchtlinge untergebracht werden können, versteht er nicht.

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