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Landrat vollzieht Kehrtwende – Oberbürgermeister „erleichtert“

Hamelner Ex-Kaserne wird nun doch Bildungscampus

HAMELN. Die Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in der Hamelner Linsingen-Kaserne ist Geschichte. Auf dem weiträumigen Gelände könnte in naher Zukunft – wie schon zuvor geplant – ein Bildungscampus entstehen. Technische Akademie (TA) und Elisabeth-Selbert-Schule und andere Bildungsträger sollen sich dort ansiedeln.

veröffentlicht am 03.05.2016 um 20:05 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:16 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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Das sagte Landrat Tjark Bartels gestern auf einer Pressekonferenz in der Mensa der Kaserne. Dieses Ziel, so TA-Chef Werner Thiele, sei bereits „seit „gefühlt 100 Jahren verfolgt worden“. Mit der Stadt Hameln, so Bartels, werde man sich in Kürze zusammensetzen, um Eckpunkte zu besprechen.

Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese, der nicht zugegen war, erinnerte im Gespräch mit der Dewezet, dass die Planungshoheit bei der Stadt Hameln liege. Die Fördergelder seien der Stadt zugewiesen worden. Griese sagte, er nehme zur Kenntnis, dass Kreisverwaltung und Technische Akademie bereit seien, am Standort Linsingen-Kaserne einen Campus zu realisieren. „Ich bin erleichtert, dass Landkreis und Land nicht mehr an einer Flüchtlingsunterkunft festhalten. Wir werden in erste Linie den Landkreis, aber auch die TA, zu Gesprächen bei der Stadt Hameln einladen, um abzuklären, welche veränderten Vorstellungen seit Sommer vergangenen Jahres bestehen.“ Die Bauleitplanung obliege nun einmal der Stadt Hameln, betonte Griese.

Bartels ließ keinen Zweifel daran, dass der Landkreis die Erstaufnahmeeinrichtung gerne über den 31. Dezember 2016 hinaus betrieben hätte. Es sei aber nun einmal so, dass in Niedersachsen kaum noch Flüchtlinge ankommen. Das liege an den geschlossenen Grenzen im Süden Europas und an dem Pakt mit der Türkei. Die Kaserne stehe seit Wochen nahezu leer. Man benötige 500 bis 600 Plätze, um die Hamelner Einrichtung wirtschaftlich betreiben zu können. „Doch der Bedarf besteht nicht mehr.“ Das Land Niedersachsen sei nur bereit gewesen, 200 ruhende Plätze zu finanzieren. Weil sich das nicht rechne, müsse die Erstaufnahmeeinrichtung in den kommenden Wochen „vom Netz gehen“.

Die Angestellten behalten nach Worten von Bartels ihre Jobs. Es sei geplant, auf dem Gelände einen Integrationsschwerpunkt zu betreiben. Das trage zu einer Minimierung der Kosten bei, worüber sich das Land freuen dürfte. Zu Zeiten der Vollbelegung wurden 45 Euro pro Tag und Flüchtling kalkuliert. Der Landkreis wird weiterhin mit dem DRK-Kreisverband Weserbergland zusammenarbeiten. Dem DRK und dessen Mitarbeitern bescheinigt der Landrat eine hervorragende Arbeit. 130 Frauen und Männer, so Einrichtungsleiter Wilfried Binder, seien beim DRK angestellt. Das übrige Personal entfalle auf Dienstleister wie Reinigungs- und Wachunternehmen.

Der vom DRK betriebene Integrationspunkt werde unter anderem Workshops in Schulen anbieten, sagte Einrichtungsleiterin Liselotte Sievert. Dort gehe es dann auch um die Frage: Warum kommen Menschen zu uns? Mitarbeiter sollten aber auch als Flüchtlings-Streetworker in den verschiedenen Kommunen eingesetzt werden.

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