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Was wird aus den Plänen für die Linsingen-Kaserne

Bildungscampus: Wer ist noch dabei?

HAMELN. Der Blick auf die aktuellen Pläne der Linsingen Kaserne wirkt fast wie eine Zeitreise, zurück in den Sommer vor einem Jahr. Denn damals war für das Quartier ein Bildungscampus angedacht, bevor der Druck entstand, Flüchtlinge dort unterzubringen. Nun hat der Druck nachgelassen und die alten Pläne kommen wieder ans Tageslicht. Doch sind noch alle Interessenten bei der Stange?

veröffentlicht am 16.05.2016 um 19:55 Uhr
aktualisiert am 17.05.2016 um 17:39 Uhr

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Autor:

von andrea tiedemann
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Den größten Teil der Kaserne – sie ist rund 120 000 Quadratmeter groß – wollte ursprünglich die Elisabeth-Selbert-Schule (ESS) übernehmen. Im Januar 2015 hatte der Landkreis angekündigt, 55 000 Quadratmeter ankaufen zu wollen, um neben der ESS möglicherweise auch die Handelslehranstalt (HLA) unterzubringen. Die jetzigen Planungen sehen allerdings ganz anders aus: Da die Kaserne mit der Erstaufnahmeeinrichtung belegt war, wurde für die ESS ein neuer Standort gesucht: Die drei bisherigen Standorte am Münsterkirchhof, an der Thibautstraße sowie am Langen Wall sollen auf dem Gundolph-Park am Reimerdeskamp untergebracht werden, ein späterer Zuzug der HLA nicht ausgeschlossen.

Doch auch diese Pläne sind mittlerweile überholt: Laut Landkreis gebe es eine „eindeutige Beschlusslage“, wonach die ESS am Gundolph-Park gebaut wird – „sofern sich nicht bis Mitte Juni abzeichnet, dass wir doch noch auf dem Linsingen-Kasernengelände bauen können“, sagt eine Landkreis-Sprecherin. Dies zeichne sich nun tatsächlich ab – „also bauen wir dort“. Vonseiten der Stadt wiederum wünscht man sich etwas anders: Und zwar, dass es für die ESS beim Gundolph-Park bliebe, sagt Isabella Gifhorn, Fachbereichsleiterin Planen und Bauen. Man habe nun eine neue Ausgangslage und es gebe noch „andere Interessenten“, so Gifhorn. Wer genau dies ist, sagt sie nicht – verweist aber darauf, dass ursprünglich ein „Bildungs- und Gesundheitscampus“ geplant gewesen sei. Man wolle „in diesen Themen“ bleiben. Als der Campus vor gut einem Jahr in der Planung war, sprach Stadtbaurat Herrmann Aden von fünf ernsthaften Interessenten, darunter ein ortsansässiges Unternehmen für Rehabilitation.

Einen weiteren größten Teil der Kaserne wollte ursprünglich die Technische Akademie übernehmen. Wohn- und Seminarräume sollten dort entstehen. Für die Wohnraumnot zumindest gibt es nun eine andere Lösung: Die TA hat 21 alte Britenwohnungen an der Jahnstraße gekauft (wir berichteten). Dennoch bestehe weiterhin Interesse am Standort Linsingen-Kaserne, beteuert Geschäftsführer Frédéric Philipp Thiele. Ob an den ursprünglichen Plänen festgehalten werde, sei aber noch unklar.

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  • Die Linsingen-Kaserne: noch Erstaufnahmeeinrichtung – künftig Campus? Foto: Dana

In den aktuellen Plänen noch vorhanden sind zumindest die Pläne für neue Wohnungen im südlichen Teil der Kaserne. Wie genau sie gestaltet werden, hänge vom konkreten Bedarf ab, so Gifhorn. Es könnten sowohl Seniorenwohnungen als auch sozialer Wohnraum werden. Und sollten die Flüchtlingszahlen wieder drastisch ansteigen, könne man dort notfalls auch diese Menschen unterbringen. Laut Aden würde eine Erstaufnahmeeinrichtung im kleineren Stil den Plänen des Bildungscampus nicht entgegenstehen. Neu hinzugekommen ist ein möglicher Standort für einen Rathaus-Neubau. Laut Gifhorn sei diese Frage aber flexibel zu handhaben – denn über die Frage, wo ein neues Rathaus stehen könnte, sei noch längst nicht entschieden.

Theoretisch könnte am Ende alles zusammen auf das Kasernen-Areal kommen – doch nach dem klaren Statement des Landes sieht es derzeit nicht so aus, als würden künftig Flüchtlinge dort untergebracht. Allerdings wurde auch im Herbst 2014 beteuert, dass eine Flüchtlingsunterbringung auf der Kaserne nicht in Betracht komme – die Situation änderte sich aber schnell (siehe unten).

Nun kommt noch hinzu, dass zwischen Stadt und Kreis bei diesem Thema ziemliche Eiszeit herrscht. Beim Landkreis heißt es zwar, man sei mit der Stadt im Gespräch, und auch die Stadt berichtet, dass es „demnächst ein Gespräch zur Zukunft der Kaserne“ geben werde, doch es ist kein Geheimnis, dass Oberbürgermeister Claudio Griese (CDU) alles andere als begeistert darüber war, dass Landrat Tjark Bartels (SPD) den Bildungscampus zuletzt als Projekt des Landkreises verkauft hat. „Wir sind Träger der Bauleitplanung“, sagt dazu der Stadtsprecher. Die Kompetenzen seien klar verteilt, die Stadt habe eine „gewichtige Rolle“ – und zudem den Fördermittelbescheid des Landes. Die CDU-Fraktion im Stadtrat wird noch deutlicher: „Die Selbstinszenierung von Landrat Tjark Bartels ist auch hier wieder einmal unerträglich“, teilt sie mit. Der Landrat verhalte sich „anmaßend“. Die Planungshoheit für die Kaserne liege bei der Stadt.

 

Was bisher geschah

 

Oktober 2014

Flüchtlinge in der Kaserne? Wird es nicht geben. Laut Stadtbaurat Hermann Aden seien die Verhandlungen mit Interessenten schon zu weit fortgeschritten. Auch das Land signalisiert gegenüber Landrat Tjark Bartels: Die Kaserne kommt nicht infrage. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) hatte das Gelände dem Land angeboten.

 

November 2014

Die Briten verlassen die Kaserne endgültig und geben den Schlüssel ab.

 

Januar 2015

Der Kreis will nun eine doppelt so große Fläche wie bisher geplant kaufen. Neben der Selbert-Schule soll eventuell die Handelslehranstalt einziehen.

 

April 2015

Die Verhandlungen mit der Bima ziehen sich hin, ein Gutachten zu möglichen Altlasten fehlt noch. Die Stadt schickt den neuen „Aufstellungsbeschluss“ durch die politischen Gremien. Durch Landkreis und Technische Akademie sind rund 80 Prozent der Kasernen-Fläche belegt.

 

Juni 2015

Der Verdacht bestätigt sich: Es gibt tatsächlich Altlasten auf dem Kasernengelände. Nun muss der Landkreis auf ein weiteres Gutachten warten. Derweil wird mit der Bima über den Kaufpreis verhandelt.

 

September 2015

Der Landkreis entscheidet gemeinsam mit dem Land, eine Erstaufnahmeeinrichtung für bis zu 1000 Flüchtlinge auf dem Gelände zu betreiben. Die ersten 97 Menschen ziehen in die Kaserne ein.

 

November 2015

Der ursprünglich auf dem Kasernen-Areal geplante Bildungscampus soll nun in die Nordstadt ausweichen – auf den Gundolph-Park am Reimerdeskamp. Die Linsingen-Kaserne soll weiterhin den Flüchtlingen vorbehalten bleiben.

 

Mai 2016

Es sind keine Flüchtlinge mehr in der Kaserne. Die Pläne zum Bildungscampus im Linsingen-Quartier werden von Stadt und Landkreis wieder aufgegriffen, in etwas veränderter Form.

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