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FDP schlägt Umzug des Bürgeramtes vor – der OB denkt in eine andere Richtung …

Wird das Hochzeitshaus zum kleinen Rathaus?

Hameln. Es klingt nach den berühmten zwei Fliegen mit einer Klappe: Das Hochzeitshaus wäre wieder in einer langfristigen Nutzung, das Rathaus hätte mehr Platz für Umgestaltung und Modernisierung. So sieht es zumindest die Ratsfraktion der FDP. Diese schlägt vor, das Bürgeramt und vielleicht auch weitere Abteilungen der Verwaltung vom Rathausplatz in die Osterstraße zu verlegen – ins Erdgeschoss des momentan nur provisorisch genutzten Hochzeitshauses. Das wäre ein Schritt hin zum „bürgernahen Rathaus“, findet der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans Wilhelm Güsgen. Vertreter von SPD und Ratsmehrheit reagieren interessiert – aber skeptisch. Der Oberbürgermeister könnte sich jedoch noch eine andere Nutzung durch die Verwaltung vorstellen.

veröffentlicht am 11.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2015 um 11:05 Uhr

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Bisher ging es in den Vorschlägen für den Weserrenaissance-Bau zumeist um das erste und zweite Stockwerk. Ein repräsentativer Saal – etwa für Ratssitzungen – soll hier entstehen, wünschen sich die FDP wie auch der eigens gegründete Bürgerverein Hochzeitshaus. Für dieses Projekt allerdings wäre eine Menge Geld erforderlich – vier bis fünf Millionen Euro, schätzt der Verein, der Spenden sammeln will. Doch umsonst gäbe es auch den Umzug des Bürgeramtes nicht. „Aber ins Rathaus muss ohnehin investiert werden“, relativiert Güsgen.

Das sanierungsbedürftige Rathaus ist für SPD-Fraktionschef Wilfried Binder Knackpunkt der weiteren Überlegungen. Die dafür ins Leben gerufene Arbeitsgruppe solle sich „mit allen Möglichkeiten beschäftigen“, sagt er. Das Hochzeitshaus kommt für Binder eher als Provisorium während einer Rathaussanierung in Betracht: „Es ist die Frage, ob das Hochzeitshaus günstiger wäre als Container auf dem Rathausplatz.“

Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende und Sprecher der schwarz-grünen Ratsmehrheit, Thomas Meyer-Hermann, spricht davon, dass „alle Vorschläge genau geprüft werden müssten“. Er bringt jedoch die Lage des Hochzeithauses als Gegenargument ins Gespräch: „Auch Ältere und Behinderte müssten dann auf dem Weg zum Bürgeramt erst durch die Fußgängerzone.“ Güsgen und Binder indes verweisen auf den nahen Busbahnhof und das Parkhaus Kopmanshof.

Meyer-Hermann sähe persönlich lieber eine „ganzheitliche Nutzung“ des Hochzeitshauses. Etwa durch gehobene Gastronomie. „Die Millionen für einen Saal werden wir nicht aufbringen können.“ Einem historisierenden – wie er sagt – „Mickey-Maus-Saal“ ohne historische Vorlage kann der CDU-Politiker zudem wenig abgewinnen.

Der neue Chef der Verwaltung, Oberbürgermeister Claudio Griese, weist darauf hin, dass ein Bürgeramt in der Osterstraße „keine Belebung in den Abendstunden“ bedeute. „Ich gebe zu bedenken, ob man das will.“ Auch findet er „schwierig“ sich vorzustellen, dass das Bürgeramt losgelöst vom Rest des Rathauses arbeiten soll.

Gleichwohl könne er dem FDP-Vorschlag etwas abgewinnen, sagt Griese. Nämlich den Aspekt, das historische Gebäude für die Verwaltung zu nutzen. Dabei hat Griese allerdings nicht das Erdgeschoss, sondern das architektonisch wohl einfacher nutzbare Dachgeschoss im Blick. Denn auch dort, neben dem Empfangsraum der Stadt, liegen ehemalige Ausstellungsflächen der „Erlebniswelt Renaissance“ brach. Aber natürlich, schränkt Griese ein, sei das kein Platz für ein Bürgeramt.

Nur eins zeichnet sich rund um das Hochzeitshaus derzeit deutlich ab: Bewegen wird sich so bald nichts. Schon im September 2013 hat der Rat für einen Investorenwettbewerb zum Thema gestimmt. Doch eine Ausschreibung ist noch nicht in Sicht. Angesichts drängender Themen wie Britenabzug, Schulzentrum Nord, Sporthalle Nord und Feuerwehrhäusern verweist Griese auf „personelle Engpässe“ in der Verwaltung.

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