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Versicherung hält Brandschutz für unzulänglich

Wieder Totentanz im Hochzeitshaus: Konzert und Ausstellung abgesagt

HAMELN. Und das ausgerechnet im Jahr des 400. Jubiläums: Bis auf Weiteres werden im Hochzeitshaus keine Veranstaltungen mehr stattfinden. Dabei hatten die jüngst dort veranstalteten kleinen Konzerte und Ausstellungen sowie die gut besuchten Weihnachtspartys dem seit Jahren leer stehenden Hochzeitshaus gerade erst wieder ein bisschen Leben eingehaucht. Doch bis – aller Voraussicht nach – mindestens Ende Mai herrscht jetzt wieder Totentanz im Hochzeitshaus.

veröffentlicht am 06.03.2017 um 19:36 Uhr
aktualisiert am 26.05.2017 um 13:11 Uhr

Eine große Lösung für die Zukunft des Hochzeitshauses ist noch immer nicht in Sicht. Nun wird auch die provisorische Nutzung des Erdgeschosses vorerst gestoppt. Foto: Wal
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Möglicherweise auf den Plan gerufen durch die besonders öffentlichkeitswirksamen Christmas-Partys haben sich die „VGH Versicherungen“, bei der die Stadt Hameln mit dem Hochzeitshaus versichert ist, das Gebäude „vor etlichen Wochen“ mal wieder ansehen wollen, teilt Stadtbaurat Hermann Aden auf Anfrage mit. Das sei nicht unüblich. Allerdings sei die VGH dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass der bestehende Brandschutz nicht ausreiche, um wie bisher Veranstaltungen unter Einhaltung des bestehenden Versicherungsschutzes durchzuführen.

Die Stadtverwaltung sieht das anders. „Nach unserer Auffassung besteht ausreichend Brandschutz“, sagt Aden. „Wir haben eine rechtskräftige Baugenehmigung, einschließlich Brandschutzgutachten.“ Erteilt worden sei die Genehmigung bereits unmittelbar nach dem Scheitern der Erlebniswelt Weserrenaissance (EWR) im Jahr 2007 – „für ein leeres Gebäude mit untergeordneter Nutzung“. Über größere Veranstaltungen wie die Christmas-Partys werde einzeln befunden.

Woran genau hapert es jetzt also? Wo wird der Brandschutz erfüllt? Wo nicht? Diese „Grundsatzfragen“ sollen laut Aden nun geklärt werden, „hoffentlich in den kommenden Wochen“. Damit die bereits geplanten Veranstaltungen trotzdem stattfinden könnten, habe die Stadt der VGH angeboten, für die entsprechenden Zeiten eine Brandwache einzusetzen, bestehend aus zwei Feuerwehrleuten. Der VGH sei dies jedoch nicht genug. Diese habe empfohlen, die bestehende „Wasserdampfanlage“, die einst als Brandschutzmaßnahme für die EWR installiert wurde, wieder in Betrieb zu nehmen.

Dies sei laut Stadtverwaltung allerdings nicht ohne Weiteres möglich. Die Anlage sei gleich nach dem Ende der EWR „außer Betrieb genommen“ worden. Einerseits, weil sie „nicht unerheblich hohe laufende Kosten“ verursacht hätte, und andererseits, weil man sie einfach „nicht mehr brauchte“. Inzwischen habe die Anlage keinen Zugang mehr zum Wassernetz und sei auch sonst nicht mehr mit den übrigen Anlagen wie etwa Notstromversorgung und Brandmeldeanlage kompatibel. Ganz davon abgesehen, dass man die Anlage bei der Stadt eben so oder so nicht für nötig erachtet.

Das bedeutet: Wenn die VGH am Ende dabei bleiben sollte, dass die Anlage für den Brandschutz auch bei kleineren Veranstaltungen unerlässlich sei, „dann suchen wir uns eine andere Versicherung“, die das nicht für nötig erachtet, so Aden.

Doch bis dahin werde die Stadt dort keine Veranstaltungen mehr genehmigen. „Wir bedauern das selbst sehr“, sagt der Stadtbaurat, „doch der Teufel ist ein Eichhörnchen.“ Man wolle nicht riskieren, dass am Ende doch etwas passiert. Vonseiten der VGH war am Montag bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu bekommen.

Nach dem Scheitern der EWR hatte die Stadt Hameln das Hochzeitshaus der „Hameln Marketing und Tourismus GmbH“ (HMT) für die Vermittlung von kleineren Veranstaltungen zur Verfügung gestellt. Seitdem fanden dort etwa Ausstellungen statt oder die Konzertreihe „Schlägermusik“ vom Landschaftsverband Hameln-Pyrmont. Das nächste Konzert, von der Gruppe Uusikuu, sollte schon am 17. März stattfinden. Dies hat nun abgesagt werden müssen. Zumindest mit dem Hochzeitshaus als Veranstaltungsort.

Ute Fehn, Geschäftsführerin des Landschaftsverbands, sei darüber „sehr traurig“, wie sie mitteilt, und versuche bereits händeringend, einen geeigneten Ersatzort zu finden. Möglicherweise wird der Konzerttermin aber auch verschoben werden müssen.

Eine Ausstellung der regionalen Künstlergruppe „Artes Wesera“, die für die Mai-Wochenenden vorgesehen war, habe ebenfalls abgesagt werden müssen, bestätigt HMT-Geschäftsführer Harald Wanger.

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