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Projekt soll anschaulich gemacht werden / Hätte Gastronomie Chancen?

Verein lässt Saal für das Hochzeitshaus entwerfen

Hameln. Wunsch von Helmut Griep und seinen Mitstreitern ist er schon seit Jahren, nun wird er zwar noch lange nicht zur Wirklichkeit, aber immerhin wohl zum Entwurf: der rekonstruierte Renaissance-Saal im Hochzeitshaus. Der Bürgerverein, dessen Vorsitzender Griep ist, will einen Architekten den Saal in Hamelns Renaissance-Prunkstück (vor-) entwerfen und visualisieren lassen. Denn: „Es ist immer besser, wenn man nicht in der Theorie spricht“, sagt der Vereinsvorsitzende.

veröffentlicht am 04.06.2015 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 07.01.2016 um 17:05 Uhr

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Autor:

von Frank Henke
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Anhaltspunkte für den Entwurf soll eine wissenschaftliche Arbeit liefern, die dem Bürgerverein seit gestern vorliegt. An der Universität Paderborn hatten Griep und Co. eine Voruntersuchung in Auftrag gegeben. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Historischen Instituts machte sich Lars Wolfram daran, zu recherchieren und zu vergleichen. Die Überlieferungslage sei gut, resümiert er. „Sehr viele Akten sind erhalten und im Stadtarchiv sehr gut zugänglich.“ Allerdings: Abbildungen oder Pläne des ursprünglichen Saales im ersten und zweiten Stock des Hauses fand er dort nicht.

Deckenbalken und Stützpfosten

Hinweise, wie der Festsaal nach der Fertigstellung des Hauses im Jahr 1617 aussah, liefert wohl eher der Blick in andere Städte. Etwa auf die Hochzeitshäuser oder -säle in Braunschweig, Lüneburg, Wolfenbüttel und Bamberg. Von einer „Blütezeit der Hochzeitshäuser“ spricht Wolfram. Balkendecken mit hölzernen Stützpfeilern finden sich andernorts etwa. Aus alten Rechnungen und einer Inventarliste lassen sich zudem „gewisse Rückschlüsse“ ziehen, so Griep, was einst im Hamelner Festsaal passierte. Doch den fertigen Bauplan für eine Rekonstruktion liefert das nicht.

Also soll nun ein Architekt einen Saal entwerfen, der „den Geist der Renaissance atmet“, wie der Vereinsvorsitzende sagt, und zugleich modernem Baustandard entspricht. Einen Architekten habe man zumindest schon im Auge. 10 000 Euro, glaubt Griep, wird der Verein für Vorentwurf und Visualisierung noch einmal in die Hand nehmen müssen. Die Forschung der Uni Paderborn hatte bereits eine ähnliche Summe gekostet, größtenteils aufgebracht von Sponsoren.

Von neuem Anschauungsmaterial zum repräsentativen Saal erhofft sich der Verein weiteren Rückenwind. Denn zur Massenbewegung wuchs der 2013 gegründete Bürgerverein bisher nicht: Trotz eines geringen Jahresbeitrages von 12 Euro bringt er es bis dato lediglich auf „ungefähr 50 Mitglieder“, wie der Vorsitzende sagt.

Gestern Nachmittag berichtete Griep im Rathaus dem Ausschuss für Stadtentwicklung über den aktuellen Stand der Vereinsarbeit. Politiker aus SPD, CDU und FDP bekundeten ihr Wohlwollen. Stadtbaurat Hermann Aden betonte jedoch, dass das Rathaus die Bemühungen des Vereins zwar begleite, damit jedoch „in keiner Weise finanzielle Zusagen der Stadt verbunden“ seien. Der Bürgersaal im Renaissance-Stil sei „eine Option, die ihre Berechtigung hat, aber es gibt noch keine Investitionsentscheidung“.

Gastronomie? „Nicht ganz von der Hand zu weisen“

Was die übrige künftige Belebung des Hauses – also neben dem repräsentativen Saal über zwei Stockwerke – betrifft, räumte Griep gestern ein, dass eine gastronomische Nutzung „nicht ganz von der Hand zu weisen“ sei. Früher hatte der Bürgerverein ein Restaurant oder ein Café im Hochzeithaus noch strikt abgelehnt.

Die Zweifel, dass sich moderne Gastronomie mit der historischen Fassade in Einklang bringen lässt, meldeten gestern dafür andere an, so CDU-Ratsherr Daniel Schimanski. FDP-Fraktionschef Hans Wilhelm Güsgen wertete die Aussichten für Gastronomie hinter der Renaissance-Fassade gar als „100 Prozent unmöglich“.

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