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Geschäftsidee liegt auf Eis

Rattengold im Hochzeitshaus?

HAMELN. Der Hamelner Geschäftsmann Fabian Simon hat Anfang des Jahres einen kleinen Souvenirladen im Hochzeitshaus einrichten wollen. Bei der Hameln Marketing und Tourismus (HMT) GmbH kam die Idee auch gut an. Trotzdem ist bis heute nichts draus geworden.

veröffentlicht am 10.11.2016 um 16:17 Uhr
aktualisiert am 01.06.2017 um 14:35 Uhr

Der Hamelner Geschäftsmann Fabian Simon wollte Anfang des Jahres einen kleinen Kaufladen im Hochzeitshaus einrichten. Foto/Archiv: Dana
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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„Zu dem ursprünglich milden, obergärig eingebrauten Hamelner Bier durfte ein guter Korn aus den alten Brennereien der Stadt nicht fehlen.“ Das schreibt jedenfalls der Hamelner Stadtarchivar Dr. Rudolf Feige (†1968) in Spanuths Stadtgeschichte. Heute hat Hameln weder eigenes Bier noch Brennereien. Aber das „Rattengold“, einen Likör der einstigen Brennerei Hapke, den gibt es wieder. Produziert wird die Spirituose seit Kurzem von dem Hamelner Geschäftsmann Fabian Simon. Im Hochzeitshaus wollte er Anfang des Jahres einen kleinen Kaufladen einrichten. Draus geworden ist bis heute: nichts.

„Ich hatte gemeinsam mit dem Gastronom Oliver Welp die Idee für einen kleinen Laden im Erdgeschoss“, sagt Fabian Simon auf Anfrage der Dewezet, eine Art Souvenirladen für Touristen. Auf gut der Hälfte des Erdgeschosses sollte eine schwarzgolden gestaltete Verkaufsfläche mit schummriger Atmosphäre entstehen. Das Angebot sollte lediglich aus dem Likör Rattengold und Accessoires wie beispielsweise Schlüsselanhänger oder ähnlichem bestehen.

„Es sollte ein idyllischer Laden sein, etwas, das zu Hameln passt“, führt Simon aus. Dieser Gedanke habe dabei im Vordergrund gestanden – nicht der Umsatz. Der sei durch den ausschließlichen Verkauf in einem derartigen Laden auch gar nicht zu erwarten. Ihm ginge es darum, den jahrelangen Leerstand in dem städtischen Gebäude zu beenden. Ein kleines Geschäft halte er dabei für allemal mehr geeignet als „irgendwelche Ausstellungen“.

Anfang des Jahres stellten Fabian Simon und Oliver Welp ihre Idee dem Untermieter des Hochzeitshauses, der Hameln Marketing und Tourismus (HMT) GmbH, vor. „Dort fand man die Idee gut“, sagt Simon. Man habe wieder „voneinander hören“ wollen. „Da kam dann aber nichts mehr zurück“, sagt Simon.

Ob er dennoch an der Idee noch festhalte? „Das weiß ich gar nicht“, antwortet der Geschäftsführer der Monopol-Gastronomie. Angewiesen sei er auf den Laden jedenfalls nicht. „Der Likör verkauft sich online und im Monopol auch so gut.“

Harald Wanger, der HMT-Geschäftsführer, bestätigt auf Anfrage, dass die Gespräche nicht fortgeführt wurden. Ein Problem bei der Idee von Simon und Welp sei die zeitliche Ausrichtung gewesen. „Es gab den Wunsch, das Erdgeschoss nicht nur temporär für ein paar Wochen zu mieten, sondern für ein Jahr“, sagt Wanger. „Das bedeutet, dass in dieser Zeit nichts anderes in den Räumen möglich ist.“ Zudem habe es Anfang des Jahres bereits Pläne für die Nutzung des Erdgeschosses gegeben, die „Religramme“-Ausstellung etwa. Hinzu kamen später ein Konzert von Wingenfelder, die Lila Bühne und unlängst die Christmas-Party von Melounge und Bierstube Kitzinger (wir berichteten) – „so was geht aber nur, wenn die Räume nicht dauerhaft genutzt werden“, so Wanger. „Aber ich kann das verstehen: Wer investierend tätig wird, braucht eine gewisse verlässliche Zeit, bis sich die Investition rechnet.“

Nicht unproblematisch sei auch Simons angestrebte Raumtrennung des Erdgeschosses. Was werde dann aus der anderen Hälfte? Deshalb sei eine „Konkretisierung“ der Idee von Simon und Welp nötig.

Für Wanger ist die Idee jedenfalls noch nicht gestorben. „Aus meiner Sicht sind wir nicht aus dem Gespräch“, sagt er. „Ich bin offen dafür, den Faden noch mal aufzunehmen.“

Im Übrigen kann sich Fabian Simon noch ganz andere, wenn auch vertraute Pläne für das Erdgeschoss vorstellen. „Ich würde es auch gerne als Gastronomie mieten“, sagt der Geschäftsmann, „aber das kriegt man ja nicht durch.“ Tatsächlich sind solche Pläne schon einmal gescheitert. Doch vom Tisch ist diese Option noch nicht. Bislang hält der Rat der Stadt an der Idee fest.

Apropos Idee: Auf den Gedanken, das „Rattengold“ wieder aufleben zu lassen, kam Fabian Simon im letzten Jahr anlässlich des 60. Geburtstags seines Schwiegervaters Thomas Hapke. Thomas Hapke ist der Sohn von Friedrich Hapke, der in der Osterstraße 20 die seit 1893 bestehende Kornbrennerei Hapke betrieb.

Als Fabian Simon auf das alte Rezept für den Rattengold-Likör stieß, kam er auf die Idee, die Spirituose mit dem Blattgold zum 60. seines Schwiegervaters brennen zu lassen. Das Rattengold sei dann bei Familie, Freunden und Bekannten so gut angekommen, dass Simon den Hapkeschen Likör wieder ins Leben rief. Gebrannt wird er von der Weserbergland Brennerei in Reileifzen.

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