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Gastronomie, Bürgersaal und ein bisschen Stadtverwaltung

Plan für Hochzeitshaus liegt vor

HAMELN. Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht für das Hochzeitshaus. Die gute zuerst: Der Plan für die Nachnutzung des historischen Gebäudes liegt vor. Gastronomie, Bürgersaal und ein bisschen Stadtverwaltung sollen Einzug halten. Es ist ein Konzept, das der Tradition des historischen Bauwerks zeitgemäß Rechnung tragen und endlich wieder Leben in das seit Jahren weitestgehend leerstehende Gebäude einkehren lassen soll. Die schlechte Nachricht: Zunächst stehen umfangreiche und entsprechend kostspielige Sanierungsarbeiten ins Haus.

veröffentlicht am 23.05.2017 um 15:29 Uhr
aktualisiert am 26.05.2017 um 13:08 Uhr

Der Entwurf für den Bürgersaal. Zeichnung: Nasarek/pr
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Die Dachplatten aus Sandstein sind so marode, dass das Dach neu eingedeckt werden muss – ohne die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen, sagte Stadtbaurat Hermann Aden gestern beim Pressetermin. In Zukunft müsse das Dach gut belüftet sein, sonst herrsche permanent Feuchtigkeit, die, wie jetzt geschehen, den Sandstein zerstört.

Darüber hinaus müssten die Fenster instandgehalten und teilweise erneuert werden. Zudem fallen Brandschutzmaßnahmen an. Im Frühjahr waren, wie berichtet, bis auf Weiteres alle Veranstaltungen im Hochzeitshaus abgesagt worden, weil der Brandschutz laut Gebäudeversicherer nicht mehr ausreichend gewährleistet sei. Die veranschlagten Kosten belaufen sich auf zwei Millionen Euro. „Keine billige Angelegenheit“, die aber „keinen Aufschub duldet“, so Aden. 2017 sollen deshalb zunächst die Sanierungsarbeiten vorgenommen werden.

Bereits am Montag sei der Politik die von dem Hamelner Architekten Peter Nasarek erarbeitete Machbarkeitsstudie für die Nachnutzung des Hochzeitshauses vorgestellt worden und dort auf ein „sehr positives Echo“ gestoßen, sagte Oberbürgermeister Claudio Griese. Am Hochzeitshaus sind im Laufe der Zeit viele Veränderungen vorgenommen worden, allein die Fassade sei von Eingriffen weitgehend verschont geblieben, sagte Nasarek. Geschäfte, ein Festsaal und Verwaltung hätten sich bereits im frühen 17. Jahrhundert, als das Hochzeitshaus errichtet wurde, in dem Gebäude befunden. Daran orientiere sich die inhaltliche Ausrichtung heute, die dem Hochzeitshaus seine „ursprüngliche Identität wiedergeben könne“. Das Innere würde dann wieder zum Äußeren passen. Bislang, so der Architekt, laufe man am Hochzeitshaus „einfach vorbei“.

So soll das Erdgeschossaussehen. Zeichnung: Nasarek/pr
  • So soll das Erdgeschossaussehen. Zeichnung: Nasarek/pr
Zeichnung: Nasarek/pr
  • Zeichnung: Nasarek/pr
Zeichnung: Nasarek/pr
  • Zeichnung: Nasarek/pr
Zeichnung: Nasarek/pr
  • Zeichnung: Nasarek/pr
Zeichnung: Nasarek/pr
  • Zeichnung: Nasarek/pr
1. Obergeschoss. Zeichnung: Nasarek/pr
  • 1. Obergeschoss. Zeichnung: Nasarek/pr
2. Obergeschoss. Zeichnung: Nasarek/pr
  • 2. Obergeschoss. Zeichnung: Nasarek/pr
Dachgeschoss. Zeichnung: Nasarek/pr
  • Dachgeschoss. Zeichnung: Nasarek/pr
So soll das Erdgeschossaussehen. Zeichnung: Nasarek/pr
Zeichnung: Nasarek/pr
Zeichnung: Nasarek/pr
Zeichnung: Nasarek/pr
Zeichnung: Nasarek/pr
1. Obergeschoss. Zeichnung: Nasarek/pr
2. Obergeschoss. Zeichnung: Nasarek/pr
Dachgeschoss. Zeichnung: Nasarek/pr

Für den sich über das erste und zweite Stockwerk erstreckenden Bürgersaal würde eine Decke entfernt, der Ausblick auf die Marktkirche freiwerden. Im ersten Stock entstünden 200 Quadratmeter Nutzfläche, die bei Vorträgen und Konzerten Platz für 190 Sitzplätze böte, im zweiten Stock entstünde eine Galerie mit Logen (57 Sitzplätze). Bei Empfängen, (auch privaten) Feiern, Hochzeiten und Bällen stünden 94 Bankettplätze zur Verfügung, bei Ratssitzungen 54 Sitzplätze für Ratsmitglieder und 30 für Besucher, für letztere weitere 57 auf der Galerie. Die Decke würde in Form einer „Lichtkassettendecke“ gestaltet und mit „moderner Lichttechnik“ ausgestattet. Mit der Kasssettendecke, sagte Nasarek, würden „Bezüge zu Renaissancestrukturen“ hergestellt. „Der Saal erwidert die Maßstäblichkeit der Renaissance mit zeitgemäßen Gestaltungselementen ohne historischen Anbiederungsversuch“, so der Architekt.

Der Zugang zum Bürgersaal erfolgte über das östliche Eingangsportal in der Osterstraße, der zu Stadtverwaltung, Standesamt und Gastronomie über die westliche Tür. Ein weiterer Zugang könnte von der Hochzeitshausterrasse erfolgen. Die Gastronomie verfügte über einen Außenbereich zwischen zwei kleinen, dreistufigen 45 Zentimeter hohen Treppenaufgängen mit Rampen in der Osterstraße.

Erste Gespräche der Verwaltung mit interessierten, heimischen Gastronomen hätten bereits stattgefunden. „Die Gastronomie muss auch nicht bieder und gediegen sein, sondern kann auch modern ausfallen und eine gewisse Jugendlichkeit haben“, sagte Aden. Für den Baubeginn ist das Jahr 2020 avisiert - – wenn der Rat der Stadt denn zustimmt. Die voraussichtlichen Kosten beliefen sich auf gut 5,8 Millionen Euro.

Aber braucht die Stadt einen Bürgersaal? „Ja“, findet der OB. „Die Stadt täte gut daran, im Hochzeitshaus einen Bürgersaal einzurichten.“ Ausschuss- und Ratssitzungen müssten nicht mehr auf das Weserberglandszentrum oder Schulaulen ausweichen. Das Gebäude stünde wieder den Bürgern zur Verfügung. Der Entwurf, so Griese, „ist ein schönes Geburtstagsgeschenk für das Hochzeitshaus, das in diesem Jahr seinen 400. Geburtstag feiert“.

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