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Zukunft des Hochzeitshauses: Politik hofft auf Investorenwettbewerb

Neue Ausschreibung, neue Chance?

Hameln. Gibt es ein Leben nach der Erlebniswelt Renaissance? Politik und Verwaltung zumindest glauben daran: Nachdem eine bundesweite Ausschreibung und ein Ideenwettbewerb nicht die gewünschten Ergebnisse für die Nachnutzung des Hochzeitshauses gebracht haben, wird nun ein Investorenwettbewerb gestartet. Das wurde auf Antrag der Mehrheitsgruppe aus CDU, Bündnis 90/Die Grünen und der Unabhängigen im Hamelner Rat beschlossen. Neu ist, dass die Wettbewerber bei der gewünschten gastronomischen Nutzung das Erscheinungsbild des historischen Kleinods einbeziehen müssen. Die Ergebnisse sollen in einer Bürgerversammlung mit Bewertungsmöglichkeit vorgestellt werden.

veröffentlicht am 02.10.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2015 um 11:05 Uhr

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Zunächst war der Wettbewerb im Antrag der Mehrheitsgruppe als Architektenwettbewerb bezeichnet worden, doch: „Wenn es einen Investor gibt, bringt der in der Regel seine eigenen Architekten mit“, gab Karin Echtermann (SPD) zu bedenken. Politik und Verwaltung und auch der Bürgerverein Hochzeitshaus sprechen deshalb nun von einem „Investoren-Wettbewerb“. Der Verein, der parteiübergreifend für sein Engagement gelobt wurde, wertet den Beschluss als Teilerfolg, sagt der zweite Vorsitzende Klaus-Dieter Thöm. Vor allem freue man sich über die zugesagte Einbeziehung in die Planung. Ziel des Vereins ist es, den einstigen Festsaal über zwei Etagen in das neue Konzept zu integrieren.

Und wo liegt nun der Unterschied zur ersten Ausschreibung? Bei der seien viele Sachverhalte ungeklärt gewesen, sagt Claudio Griese (CDU), für die zweite sei ein gezielteres Konzept erforderlich. „Das ist einerseits schwieriger, bietet aber auch mehr Möglichkeiten“, sagt Griese. Noch nicht geklärt sei indes, ob es sich um eine beschränkte oder unbeschränkte Ausschreibung handeln wird. „Die Verwaltung arbeitet am Entwurf“, so Griese.

Inwieweit die Wünsche des Vereins berücksichtigt werden, falls ein Investor Interesse zeigt, ließ der Rat letztlich offen: Eine Wiederbelebung des Hochzeitshauses kann im Erdgeschoss, eventuell aber auch im ersten Obergeschoss durch eine gastronomische Nutzung erfolgen, heißt es in der Vorlage. Für den Bürgerverein sei das keine Lösung, so Thöm, weil der Bürgersaal dann nicht dem historischen Vorbild entspräche.

„Wir wollen beides“, erklärte Ursula Wehrmann, Fraktionsvorsitzende der Grünen, „aber es muss auch gewährleistet sein, dass der Investor den Rückbau wuppt.“

Der Bürgerverein indes ist überzeugt, rund zwei Millionen Euro mittel- bis langfristig von Sponsoren einwerben zu können. Damit soll der Saal nach historischem Vorbild wieder aufgebaut werden – soweit es Vorbilder gibt. Ob alte Bauakten existieren, soll im Rahmen einer vom Rat ebenfalls befürworteten Expertise, die der Verein an der Uni Paderborn in Auftrag geben will, recherchiert werden. Falls nichts mehr vorhanden ist, sollen vergleichbare Säle für den Nachbau herangezogen werden. Wann die Expertise fertig ist, sei derzeit nicht absehbar.

Verwaltungsseitig will man zunächst „den Investorenwettbewerb und seine Ergebnisse abwarten“, sagt Stadtsprecher Thomas Wahmes. „Mitmachen kann jeder, der sagt, ich kann Gastronomie“, stimmen müsse darüber hinaus aber auch das architektonische Konzept.

Mit der Celona Gastro GmbH, deren Geschäftsführer Irmin Burdekat vor einem Jahr Entwürfe für eine gastronomische Nutzung des Hochzeitshauses eingereicht hatte, sei man derzeit nicht im Gespräch. Er wollte in dem städtischen Gebäude eine „Bar Celona“ eröffnen und war bereit, zwei Millionen Euro in das Projekt zu investieren. Seine Plan, vor die historische Fassade einen Glasanbau zu setzen, stieß jedoch auf breite Kritik.

Ganz erloschen sei das Interesse jedoch nicht: „Abwarten“ heißt es auch vonseiten Burdekats auf Anfrage der Dewezet. „Wir hatten die finanzielle Lösung für den komplizierten Rückbau der inneren Verschandelung des Hauses, einen Plan, der der Stadt eine Etage für was auch immer geboten hätte“, sagt Burdekat. Von der Idee eines Glasanbaus ist er trotz aller Kritik weiter überzeugt. Doch wird er einen erneuten Anlauf nehmen? „Das Interesse an langwierigen, ewig sich um das Gleiche drehenden Verhandlungen mit immer neuen Gesprächspartnern ist ziemlich gering“, sagt Burdekat.

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