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Stadtverwaltung rechnet mit hohen Kosten

Hochzeitshaus mit „gravierenden Schäden“

HAMELN. Diesmal ist es kein Aprilscherz. Das Hochzeitshaus weist tatsächlich massive Schäden auf. Dass dort etwas im Busch ist, hatte sich bereits abgezeichnet. Die Kranarbeiten am Dach, die urpsürnglich nur „ein, zwei Tage“ dauern sollten, wie die Stadt im April gegenüber der Dewezet erklärt hatte, halten nach wie vor an. „Gravierende Schäden“ am Dach seien festgestellt worden, war jetzt auf Anfrage im Rathaus zu erfahren. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass durch die anstehenden Reparaturen hohe Kosten auf sie zukommen.

veröffentlicht am 17.05.2017 um 13:12 Uhr
aktualisiert am 26.05.2017 um 13:08 Uhr

Seit Wochen dauern die Kranarbeiten am Dach des Hochzeitshauses an. Jetzt ist klar: Es sind „gravierende Schäden“ festgestellt worden. Foto: Wal
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Die Überprüfung des mit Platten aus Solling-Sandstein gedeckten Dachs erfolgt turnusmäßig. Laut Verwaltung wird das Dach drei- bis viermal im Jahr von einer Dachdeckerfirma auf seinen Zustand und Sicherheit geprüft. Sodann würden anfallende Reparaturen vorgenommen werden. Normalerweise ein Aufwand von wenigen Tagen, wie es aus dem Rathaus hieß. Doch aus den anberaumten „ein, zwei Tagen“ wurden inzwischen über vier Wochen. Jetzt steht fest, „dass wir es offenbar doch mit größeren Problemen zu tun haben“, so Stadtsprecher Thomas Wahmes. „Während der laufenden Inspektion wurden gravierende Schäden festgestellt.“ Betroffen seien die Dachplatten.

Die Verwaltung sei von dem erst in den vergangenen Tagen festgestellten „Ausmaß der Schäden erschreckt“. Die Schäden bestehen darin, dass die Festigkeit sehr vieler Dachplatten nicht mehr gegeben sei. Eine laut Wahmes natürliche Folge der langjährigen „Witterungseinflüsse und des Alterungsprozesses“. Die Platten würden porös, es dringt Wasser ein. Wenn das Wasser friert, dehnt es sich aus, sodass es zu sogenannten Abschieferungen kommen kann, sodass sich Schichten lösen und keine Festigkeit mehr besteht. Diese Dachplatten müssen ausgetauscht werden. Besonders schwer beschädigte Platten sind Wahmes zufolge, allein aus Sicherheitsgründen, bereits in den vergangenen vier Wochen ausgetauscht worden.

Konkret beziffert werden könne das Ausmaß der Schäden zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht. „Wir sind noch dabei, den vollen Schadensumfang festzustellen“, sagt Wahmes im Gespräch mit der Dewezet. Dies werde „noch einige Zeit in Anspruch nehmen“. Solange diese Untersuchungen nicht abgeschlossen seien, könne auch nicht gesagt werden, mit welchen Kosten die Stadt rechnen muss. Der Stadtsprecher sagt nur so viel: „Es wird teuer.“

Die Schäden seien so groß, dass „ein sofortiges Handeln“ erforderlich sei. Sicherungsmaßnahmen müssten getroffen, das Dach „zeitnah“ saniert werden. Die Dachdeckerfirma aus Nordrhein-Westfallen könne keine „Gewährleistung auf die Dachplatten“ mehr übernehmen. Die verschiedenen Möglichkeiten für Sicherheit und Sanierung würden derzeit verwaltungsintern noch abgewogen. Hinsichtlich der Sicherheit gehe die Tendenz derzeit in Richtung „Netz“. Dabei wird ein Netz über das Dach gespannt, vergleichbar mit der seit geraumer Zeit von einem Netz überspannten Fassade des Arbeitsamtes. Eine Absperrung des Hochzeitshauses werde nicht nötig sein.

Über die Art und Weise der Sanierung werde noch gefachsimpelt. Unklar auch, ob das Dach komplett neu eingedeckt werden muss. Klar sei bis dato nur, dass die beschädigten Dachplatten, wie gehabt, durch Solling-Sandstein ersetzt werden sollen. Details müssten mit dem Denkmalschutz abgesprochen werden. Weil die Dacheindeckung zum Gesamtbild des Gebäudes gehöre, sei es denkmalrechtlich entsprechend zu erhalten. Im nächsten Schritt müsste dann ein Sanierungskonzept erarbeitet und im städtischen Haushalt Geld bereitgestellt werden. Darüber hat am Ende die Politik zu entscheiden. Dann muss der Auftrag ausgeschrieben werden. Die Stadtverwaltung geht daher davon aus, dass erst im kommenden Jahr mit den Arbeiten begonnen werden könne.

Erst Anfang des Jahres waren bis auf Weiteres alle öffentlichen Veranstaltungen, die im Hochzeitshaus stattfinden sollten, abgesagt worden. Die „VGH Versicherungen“ hatten befunden, dass der Brandschutz in dem 400 Jahre alten Gebäude für nicht ausreichend sei, um dort entsprechende Veranstaltungen stattfinden zu lassen. Dies sieht die Stadtverwaltung zwar anders, aber um keine Risiken einzugehen, sah man von den geplanten Veranstaltungen ab. Hierzu gibt es bislang keinen neuen Sachstand, heißt es aus dem Rathaus.

Seit der Pleite der „Erlebniswelt Renaissance“ steht das Gebäude in großen Teilen ungenutzt leer. Im März hatte sich der Rat dafür ausgesprochen, nach Möglichkeit eine Gastronomie und einen Bürgersaal im Hochzeitshaus unterzubringen. Außerdem sollen vor dem Hintergrund der Rathaussanierung Teile der Stadtverwaltung aus dem Rathaus ins Hochzeitshaus verlagert werden.

Konkretisiert wurde davon bislang noch nichts.

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