weather-image
Zwei Fliegen mit einer Klappe? Kosten reduzieren und Leerstand beenden

Hochzeitshaus könnte zum Verwaltungsgebäude werden

HAMELN. Das Hochzeitshaus ist eines der größten Sorgenkinder der Stadt – und rückt auch bei der Diskussion um den Neubau oder die Sanierung des Rathauses ins Blickfeld. Nun liegen erstmals Zahlen vor, die zeigen, welche finanziellen Auswirkungen es hätte, wenn das Gebäude in die Planungen einbezogen würde.

veröffentlicht am 29.07.2016 um 20:44 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 08:32 Uhr

270_0900_7748_hm107_Hochzeitshaus_Dana_3007.jpg

Autor:

Andreas Timphaus
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Auf Anfrage des Grünen-Ratsmitglieds Thomas Schröder hat die Firma Sikma eine ergänzende Berechnung erstellt. Im Unterschied zur bereits vorgestellten Wirtschaftlichkeitsuntersuchung zogen die Experten diesmal aber die momentane Nutzfläche des Rathauses als Maßstab heran.

Schröder nennt die erste Berechnung „Rathaus XXL“

Das Ergebnis: Eine Sanierung des Rathauses mit Nutzung des Hochzeitshauses, aber ohne Erweiterungsbau, kostet laut Schätzung rund 22,19 Millionen Euro. Ein Neubau mit reduzierter Nutzfläche würde hingegen mit zirka 24,35 Millionen Euro zu Buche schlagen. Falls das Bauwerk nicht einbezogen wird, würden die Investitionskosten zirka 18,94 Millionen Euro bei der Sanierung und etwa 20,67 Millionen Euro bei einem Neubau betragen. Im Vergleich zur ersten Untersuchung würde sich bei der Brutto-Grundfläche ein Fehlbedarf in Höhe von 1398 beziehungsweise 2540 Quadratmetern ergeben.

Schröder hatte die Kosten noch einmal berechnen lassen, weil ihm aufgefallen war, dass der von der Verwaltung angesetzte Raumbedarf aus seiner Sicht „sehr großzügig“ bemessen worden sei. Die Stadt veranschlagt für ein Ein-Personen-Büro 16 Quadratmeter – vier mehr als öffentliche Regeln es vorschreiben. Begründet wurde dieser Schritt mit dem zu berücksichtigenden Besucherverkehr. Dem Grünen-Politiker war das zu viel, er nennt den bisherigen Ansatz „Rathaus XXL“. „Dabei konnte nur herauskommen, dass ein Neubau günstiger sein wird“, meint er.

270_0900_7747_hm113_Rathaus_Dana_2607.jpg
  • Die Verwaltung könnte einziehen – etwa mit Sitzungssälen. Foto: Dana

Bei der neuen Berechnung wäre die Variante der Sanierung sowohl bei den Bau- als auch bei den Investitionskosten zirka ein bis zwei Millionen Euro günstiger als ein Neubau, bilanziert Schröder. Dies gelte auch für die seines Erachtens anzustrebende Lösung mit einer Nutzung des Hochzeitshauses. „Da muss einfach wieder Leben rein“, meint er und zählt das Bürger- und Standesamt sowie Sitzungssäle als Optionen auf.

Der Hamelner Anwalt gibt sich überzeugt, dass durch eine geringe Reduzierung der Raumgrößen, den künftigen Wegfall von Aktenräumen aufgrund der Digitalisierung sowie weitere dezentrale Lösungen – zum Beispiel ein Umzug der Wirtschaftsförderung in ein „Haus der Wirtschaft“ – die fehlenden knapp 1400 Quadratmeter Fläche „gut zu kompensieren“ seien. Mittelfristig könnten auch frei werdende Flächen in den Gebäuden der Sparkasse an der Heiliggeiststraße genutzt werden. „Dort sind bereits die Büros der kleinen Ratsfraktionen untergebracht“, sagt Schröder.

Bei den Folgekosten würde ein möglicher Neubau aufgrund besserer Energiestandards und geringerer Instandhaltungskosten günstiger abschneiden. Schröder gibt jedoch zu bedenken, dass der städtische Haushalt bei einem Abriss des alten Rathauses mit rund 1,5 Millionen Euro – dem Restbuchwert des Gebäudes – belastet würde. Dezentralisierung? Stadt will lieber alles an einem Standort

Der Grünen-Politiker steht mit seiner Idee einer Nutzung des Hochzeitshauses nicht allein da. Kein Wunder, schließlich würde man mit dieser Lösung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Auf der einen Seite die Kosten beim Rathaus reduzieren und andererseits einen langjährigen Leerstand beenden. Bereits im November des vergangenen Jahres brachte die FDP das Bauwerk in der Innenstadt als Standort für das Bürgeramt ins Gespräch. Die SPD im Hamelner Rat könnte sich ebenfalls vorstellen, einen Teil der Stadtverwaltung am Pferdemarkt unterzubringen, und hat einen Änderungsantrag gestellt (wir berichteten).

Im Rathaus steht man einer Dezentralisierung eher ablehnend gegenüber. Es sei „grundsätzliches Ziel, die Verwaltungsbereiche sowie die Sitzungsräumlichkeiten nach Möglichkeit und sowie es inhaltlich und sachlich sinnvoll ist, an einem Standort zu zentralisieren“, heißt es als Antwort auf eine entsprechende Frage Schröders.

Am Donnerstag, 4. August, sind die Antworten auf Schröders Fragenkatalog Thema in Ausschuss für Stadtentwicklung. Bereits am Montag will die Grünen-Fraktion über die neuen Zahlen beraten.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare