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Historiker Gelderblom sieht Saal als „Fernziel“

Eine Stiftung für das Hochzeitshaus?

Hameln. Darin sind sich offenbar viele in Hameln einig: Das Hochzeitshaus soll einen Saal bekommen. Etwas Repräsentatives. Für Feiern, städtische Empfänge, politische Sitzungen, Konzerte. Allein: Der Weg dorthin ist weit und wohl vor allem auch: teuer. Der heimische Historiker Bernhard Gel-derblom macht nun einen Vorschlag, wie sich Hameln auf diesen langen Weg machen könnte. Er regt an, eine Stiftung für das Hochzeitshaus zu gründen. „Die Stadt darf nicht mehr länger den Kopf in den Sand stecken“, fordert er.

veröffentlicht am 13.01.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:58 Uhr

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Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite
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In einer Stiftung, erläutert Gelderblom, könnten Stadtverwaltung und Bürger zusammenarbeiten. Sie könnte Fördermittel von Land, Bund oder EU wie auch Spenden einwerben. Und vor allem könnte die Stiftung dem weiteren Vorgehen Struktur geben.

Denn der Saal im Haus könne zwar ein „Fernziel“ sein, sagt Gelderblom, zunächst einmal seien jedoch grundlegende Fragen zu klären: Eine Bestandsaufnahme, wie es aktuell um das Haus bestellt ist, sei notwendig. Welche Umbauten sind möglich? Schließlich ist für die gescheiterte Erlebniswelt Renaissance in den alten Mauern ein neues „Haus im Haus“ errichtet worden. Muss diese Stahlkonstruktion komplett abgerissen werden? Gelderblom befürchtet dies. Was würde dieser Rückbau kosten? Dann wäre zu überlegen, wie denn nun das Innere des Hochzeitshauses künftig aussehen soll. Wie teuer käme ein neuer Innenausbau? Geht es am Ende insgesamt um vier Millionen oder doch eher um zehn Millionen Euro. Externe Sachverständige müssten herangezogen werden, sagt Gelderblom.

Eine klare Antwort gibt seit Längerem der Bürgerverein Hochzeitshaus: Diesem schwebt eine historische Rekonstruktion des Renaissance-Saals vor, der sich einst im ersten und zweiten Stock des Gebäudes befand. Doch die Quellenlage ist mehr als dürftig: Zeichnungen, Pläne, Beschreibungen des Saals existieren nicht. Schon im 18. Jahrhundert war der Festsaal, der dem Hochzeitshaus seinen Namen gab, verschwunden.

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  • Außen Glockenspiel, innen (größtenteils) Leere. Dana

Gelderblom glaubt nicht so recht an eine historische Nachbildung. Ein Entwurf für den Saal müsse noch gefunden werden, sagt er. Vor fünf Jahren hatte der Historiker mit dem Verein Regionale Kultur- und Zeitgeschichte einen Vorschlag zur damaligen städtischen Ideenbörse eingereicht. „Sein Erscheinungsbild sollte von moderner Klarheit sein“, hieß es damals über den neuen zweistöckigen Saal angesichts der fehlenden Anhaltspunkte für eine Rekonstruktion.

Allzu viel Beachtung hätte der Beitrag damals nicht gefunden, sagt Gelderblom. Doch die Saal-Idee ist – in Varianten – seit Jahren eine Konstante in der Diskussion über das große Renaissance-Gebäude.

Aber der Saal wäre nicht alles. Ein Drittel des Hauses wird derzeit von der Stadtverwaltung genutzt: Das Standesamt ist hier untergebracht, wer sich ins goldene Buch der Stadt einträgt, tut dies im Dachgeschoss. Ein Saal könnte eines Tages den ersten und zweiten Stock des Hochzeitshauses füllen, im Erdgeschoss wäre noch Platz. „Für Ausstellungen“, ist (nicht nur) Gelderbloms Idee, dem letztlich ein Art „Kulturzentrum“ in den historischen Mauern vorschwebt. Vielleicht wäre auch Platz für ein kleines Café, im Grunde ist Gelderblom jedoch beim Thema Gastronomie ähnlich skeptisch wie die Sprecher des Bürgervereins: „Haben wir dafür in Hameln Bedarf?“, gibt er zu bedenken.

Selbst gründen will Gelderblom die Stiftung jedoch nicht, stellt er klar und verweist auf seine anderen Projekte. Der Historiker macht für die gewaltige Aufgabe Hochzeitshaus jedoch Mut mit einem – wie sollte es anders sein – Blick in die Historie. Der letzte große Umbau des Hauses vor der Entkernung für die Erlebniswelt fand Anfang der 1930er Jahre statt. „Während und nach der Weltwirtschaftskrise“, unterstreicht Gelderblom. „Warum sollten wir das dann heute nicht hinbekommen?“

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