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Vorschlag von ehemaliger Hamelnerin

Eine Markthalle im Hochzeitshaus?

HAMELN. Marktschreier, die ihre Waren feilbieten, Kunsthandwerker, die an ihren Werkstücken arbeiten, sowie ein und aus gehende Kunden. Ein wuseliges Treiben im Herzen der Hamelner Altstadt – eine Markthalle im Hochzeitshaus. Dies kann sich Inken Mende für die Zukunft des Weserrenaissance-Gebäudes gut vorstellen.

veröffentlicht am 21.02.2017 um 19:56 Uhr
aktualisiert am 23.02.2017 um 15:46 Uhr

Die ehemalige Hamelnerin Inken Mende sieht in einer Markthalle im Hochzeitshaus eine Möglichkeit zur Steigerung der Attraktivität der Stadt. Foto: Dana
Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite
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Inken Mende (43) ist nicht ortsfremd. Sie ist gebürtige Hamelnerin, die ihre Heimatstadt zwar vor 20 Jahren verlassen hat, ihr aber nach wie vor verbunden ist. In regelmäßigen Abständen besucht sie ihre Familie. Das Hochzeitshaus kennt sie noch als Stadtbibliothek, in der sie ein und aus ging.

Im Rahmen eines Zweitstudiums („Klima- und Kulturgerechtes Bauen“) an der Universität Stuttgart hat sich die studierte Architektin jetzt wissenschaftlich mit dem Hochzeitshaus auseinandergesetzt. Am Ende ihrer Hausarbeit über die Entstehung und Entwicklung des Hochzeitshauses (EWR-Pleite inklusive) als repräsentatives Beispiel der Weserrenaissance stehen eine Bestandsaufnahme des historischen Gebäudes und eine Vision. „Eine glückliche Lösung wäre, wenn das Hochzeitshaus auch im Inneren die Stadt und ihre Region repräsentieren und den Hamelnern für ihre Belange nutzen könnte“, schreibt Mende. Seiner ursprünglichen Nutzung entsprechend sollte das Gebäude „einem bürgernahen Zweck dienen und öffentlich zugänglich sein“.

„Der ursprüngliche Marktplatz Hamelns, an dem das Hochzeitshaus liegt, erfüllt den Zweck des Handelsplatzes nur noch zu besonderen Anlässen: Weihnachtsmarkt o. ä.“, führt Mende aus. „Einen Ort, an dem dauerhaft, regionale, nachhaltige und besondere Produkte der Region Bürgern und Touristen angeboten werden, gibt es in Hameln nicht.“ Mit seiner zentralen Lage und seinen Räumlichkeiten, die sich kleinteilig aufteilen ließen, wäre das Hochzeitshaus ideal für eine Markthalle geeignet, findet die 43-Jährige.

Eine Markthalle, vergleichbar mit der in Hannover, „nur kleiner und nicht so exklusiv“, wie Mende im Gespräch mit der Dewezet anmerkt. „Vielmehr als Möglichkeit vor allem für regionale Erzeuger, sich zu präsentieren.“ Vor vier Jahren war die Idee für eine Markthalle im Hochzeitshaus schon einmal im Gespräch. Damals stieß die Vorstellung bei den Beschickern auf Ablehnung.

In Mendes Augen sei eine Markthalle jedoch nicht etwa als Konkurrenz zum Wochenmarkt zu sehen. Im Gegenteil. Vielmehr könnte die Markthalle ein Ort sein, an dem Wochenmarkt-Beschicker ihre Waren ständig anbieten können. Dafür müssten sie unter Umständen noch nicht einmal selbst präsent sein, sondern könnten ihre Waren womöglich über Dritte verkaufen.

Aus Gesprächen mit lokalen Erzeugern, etwa einem Biobauern, habe Mende erfahren, dass diese ihre Kartoffeln oder Rote Bete mitunter für Cent-Beträge an Großmärkte verkaufen. In Stuttgart zahle sie für die gleichen Produkte ungleich mehr. Dort verfügten die Menschen zwar auch über mehr Geld – aber: Wenn mehr regionale Produkte im Umlauf wären, wirke sich das auch auf die Einkommen aus. Natürlich brauche es auch die Bereitschaft, mehr Geld als im Supermarkt auszugeben.

Überdies könne eine Markthalle im zentral gelegenen Hochzeitshaus auch für Kunsthandwerker attraktiv sein, denen es an anderer Stelle womöglich an Laufkundschaft mangelt. „Dazu könnten Gastronomen mit kleinen unterschiedlichen Angeboten das Hochzeitshaus zu einem Ort machen, wo Bürger und Touristen hereinschauen, einen Kaffee trinken oder ein Mittagessen einnehmen und nach kurzer Verweildauer gestärkt, erfrischt, mit neuen Gedanken oder mit vollen Taschen weitergehen“, führt Mende in ihrer Hausarbeit aus. „Angebote mit individuellen, handwerklichen und regionalen Produkten, kommen dem Wunsch nach Originalität und zunehmendem Qualitätsbewusstsein nach und können so die Attraktivität der Stadt steigern.“

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