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Gastronomie im Hochzeitshaus soll nicht über das Erdgeschoss hinausgehen / Heute Gespräch mit Aden

Bürgerverein pocht auf Bürgersaal

Hameln. Der Bürgerverein Hochzeitshaus Hameln hat sich gegen eine gastronomische Nutzung innerhalb des historischen Gebäudes über das Erdgeschoss hinaus ausgesprochen. „Die von uns geforderte Wiederherstellung eines Bürgersaals im Renaissancestil in der ersten und zweiten Etage, wie ein entsprechender Saal bereits im 17. Jahrhundert bestanden hat, schließt das aus“, sagt Vereinsvorsitzender Helmut Griep, der mit seinem Stellvertreter Klaus-Dieter Thöm einen offenen Brief verfasst hat. Dieses Papier wollen die beiden Interessenvertreter heute in einem persönlichen Gespräch mit Stadtbaurat Hermann Aden erörtern, „um die Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung vorzubereiten“, wie Griep begründet. Bei der Zusammenkunft dieses Gremiums am 22. August wird das Thema Hochzeitshaus erneut auf der Tagesordnung stehen.

veröffentlicht am 30.07.2013 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 15:21 Uhr

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Hans-Joachim-Weiß-Redakteur-Lokales-Hameln-Dewezet

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„Wir sind mitten in einem Diskussionsprozess“, sagt Aden unter Verweis auf den zwischenzeitlich gegründeten Arbeitskreis „Hochzeitshaus“, in dem die Fäden zusammenlaufen und in dem auch die Entscheidungen getroffen werden sollen. „Dort werden auch Anregungen aus der Politik, aus der Einwohnerschaft und natürlich auch aus dem Bürgerverein verfolgt. Das heißt aber nicht, dass sie auch befolgt werden“, ergänzt der Baudezernent. Inwieweit die erste Etage künftig auch gastronomisch genutzt werde, habe letztlich mit etwaigen Interessenten und deren Vorstellungen zu tun. „Wir sind uns alle einig, das Hochzeitshaus nachhaltig zu beleben. Das Kerninteresse des Bürgervereins ist auf einen Saal gerichtet, aber alle bisherigen Überlegungen negieren das nicht. Es werden nur bestimmte Optionen offen gehalten“, betont Aden unter Verweis darauf, dass bislang auch noch keine politische Entscheidung über den Antrag der Mehrheitsgruppe nach erneuter Ausschreibung für eine gastronomische Nutzung in der ersten und zweiten Etage des historischen Gebäudes (wir berichteten) gefallen sei.

Der Stadtbaurat wertet den offenen Brief des Bürgervereins deshalb als „Input für die Arbeitsgruppe“ und erklärt, dass das Erdgeschoss den Schwerpunkt für eine gastronomische Nutzung habe. Aden: „Wenn bald Weihnachten wäre und ich mir etwas wünschen dürfte, hätten wir im Erdgeschoss Gastronomie und im ersten Stock einen Saal, der sich auch für Familienfeiern und größere Veranstaltungen nutzen ließe.“

Für den Bürgerverein indes ist das die falsche Reihenfolge, wie Griep betont. „Von der Stadt Hameln wird immer wieder die gastronomische Nutzung in den Vordergrund der Bemühungen gestellt, während wir versuchen, durch die wissenschaftliche Ergründung des früheren Zustandes wieder einen Bürger- und Festsaal herzustellen, um den herum dann die Verwendung der weiteren Räume diskutiert und entschieden werden kann“, heißt es wörtlich in dem offenen Brief des Vereins, der bereits Kontakt mit dem Weserrenaissance-Museum Schloss Brake und der Universität Paderborn aufgenommen hat, um eine fundierte Untersuchung einzuleiten, wie der einstige Saal einmal ausgesehen hat. „Eine Zusage liegt uns schriftlich vor“, erklärt Griep, der es begrüßte, wenn der Rat einen Grundsatzbeschluss fasste, um nach historischem Vorbild einen Bürger- und Festsaal im ersten und zweiten Obergeschoss zu errichten. „Danach könnten wir dann mit dem Einwerben der Mittel beginnen“, so der Vorsitzende des Bürgervereins, der gestern gegenüber der Dewezet darauf verwies, dass die Mehrheitsgruppe mündlich signalisiert habe, „dass das möglich ist“.

Doch daran kann sich Ursula Wehrmann (Grüne) nicht erinnern. „Es ist lobenswert, wenn der Verein für den Ausbau eines Saales Spendengelder akquirieren will. Vorrang aber haben die Interessen des Investors, was aber nicht ausschließt, dass die Pläne des Bürgervereins nicht doch realisiert werden können“, sagt die stellvertretende Sprecherin der aus CDU, Grünen und Unabhängigen bestehenden Mehrheitsgruppe unter Verweis auf die Fixkosten in Höhe von 18 000 Euro jährlich. „Ohne Unterhalt des Gebäudes“, wie Wehrmann betont. Auch innerhalb der SPD-Fraktion hat die Wirtschaftlichkeit Vorrang. „Wir müssen mit dem Hochzeitshaus Einnahmen generieren. Deshalb stehen wir den Plänen des Bürgervereins skeptisch gegenüber“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Werner Sattler.

Damit aber geben sich Griep und Thöm nicht zufrieden: „Eine extensive gastronomische Nutzung ist aufgrund der Historie des Gebäudes und der kulturellen Würde des Hauses, nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Langfrist-Erwägungen, nicht zu empfehlen. Insoweit sollte sich die Gastronomie auf notwendige Gerätschaften für einen Cateringbetrieb für den Bürgersaal und gegebenenfalls auf eine kleinere Bistro-Einheit im Erdgeschoss beschränken“, schreiben sie in ihrem offenen Brief.

 

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