weather-image
Politik beschließt Auslegung neuer Pläne

Wind um Windräder

Hameln. Es war ein langer Weg, ehe sich die Politik dazu entschlossen hat, den geänderten Entwurf und die erneute Auslegung der Flächennutzungsplanänderung mit der Darstellung von zwei Vorranggebieten für die Nutzung von Windenergie in Afferde/Hilligsfeld zu verabschieden. Konkret handelt es sich dabei um die Fläche „D/E“ Liethberg, nordwestlich von Hilligsfeld gelegen, und die Fläche „X“, Am Babser Wege/Am Hespen zwischen der Eisenbahnstrecke Löhne – Elze und der Kreisstraße 60.

veröffentlicht am 27.04.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:14 Uhr

270_008_6321990_hm204_Dana_2704.jpg
Hans-Joachim-Weiß-Redakteur-Lokales-Hameln-Dewezet

Autor

Hans-Joachim Weiß Reporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Schon zu Beginn der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung hatten zahlreiche Anwohner der betroffenen Gebiete die Bürgerfragestunde dazu genutzt, noch einmal ordentlich Dampf abzulassen. „Wir sind mit der Bundesstraße 217 und der Schweinemast schon genug gestraft – irgendwann reicht es“, schimpfte eine Einwohnerin aus Rohrsen. Die aufgebrachten Bürger fürchten Lärmbelästigung und auch den Schlagschatten der Rotoren, wenn sich die Räder erst einmal drehen.

Unterstützung erhielten die Anlieger auch aus den Reihen der Politik. „Da wohnen 6000 Bürger. Und ausgerechnet da stellen wir die Dinger hin. Ich halte das für sehr bedenklich“, sagte Jobst-Werner Brüggemann. Der Christdemokrat monierte zudem, dass die Flächen immer größer geworden seien. „Und wenn die ganze Stadt dann kein Windrad hat, weil sie alle in Rohrsen und Hilligsfeld stehen, ist das auch nicht das Gelbe vom Ei“, schob Rohrsens Ortsvorsteher noch hinterher. Waltraud Mehring (SPD) wollte wissen, wieso Windräder in einem Überschwemmungsgebiet, „wo sonst nichts stehen darf“, gebaut werden dürften und fragte aufgebracht in Richtung Grüne: „Ist Euch das eigentlich egal, wenn dann der Rote Milan geschreddert wird?“ Auch Hans Wilhelm Güsgen plädierte noch einmal dafür, auf ein Vorranggebiet zu verzichten und sprach sich dafür aus, Windkraftanlagen im gesamten Stadtgebiet einzeln zuzulassen. „Kein Mensch kümmert sich um die Menschen“, kritisierte der FDP-Fraktionschef. Stadtbaurat Hermann Aden versuchte schließlich, die Gemüter zu beruhigen. Er erinnerte daran, dass Hameln jetzt seit etlichen Jahren an diesem Thema arbeite. „Mit gerichtlicher Begleitung“, wie der Dezernent an ein Urteil erinnerte, dass die Rattenfängerstadt verpflichtet, Flächen zur Nutzung von Windenergie auszuweisen. Zudem habe auch der Landkreis Hameln-Pyrmont Vorrangflächen ausgewiesen. „Das hält uns an, ebenfalls tätig zu werden“, sagte Aden und versicherte, dass bezüglich des Emmissions- und Artenschutzes noch Gutachten von der Zulassungsbehörde erstellt werden. „Da dürfen wir ruhig ein gewisses Vertrauen in den Staat haben“, forderte der Stadtbaurat. Jürgen Mackenthun hält die Ausweisung von Vorrangflächen für notwendig, „weil wir das Atomkraftwerk Grohnde vor der Nase haben“. Auch erinnerte der Grünen-Politiker an die von der Bundesregierung beschlossene Energiewende: „Wir können nicht andere für uns die Kohlen aus dem Feuer holen lassen – nämlich Energie zu produzieren, die wir dann verbrauchen.“ Und auch Daniel Schimanski vom Gruppenpartner CDU sprach sich dafür aus, das Heft des Handelns in der Hand zu behalten, als „Wildwuchs“ einzelner Windkraftanlagen im gesamten Stadtgebiet zuzulassen. „Allein deshalb ist es unsere Pflicht, Vorranggebiete zuzulassen“, sagte der Christdemokrat. Am Ende votierten die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung mehrheitlich für die Ausweisung der beiden Gebiete. Brüggemann, Mehring und Güsgen allerdings stimmten mit Nein.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare