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Rund 50 Bürger entzünden emotionale Debatte

Trotz Protest: Grünes Licht für Windräder

Hameln. Der Protest war geballt, doch ließ sich die Politik davon nicht beeindrucken. Rund 50 Windkraft-Gegner füllten gestern den Sitzungssaal des Rathauses, um vor dem Ausschuss für Stadtentwicklung noch einmal alle Argumente anzuführen, die gegen die Ausweisung der Flächen „D/E“ Liethberg und „X“ am Babser Wege/Am Hepen für die Nutzung von Windkraftanlagen sprechen. Sie wollten einen Beschluss noch verhindern. Fast eine Dreiviertelstunde dauerte die Bürgerfragestunde, für die sonst nur 15 Minuten vorgesehen sind. Doch am Ende sprach sich der Ausschuss klar für eine entsprechende Nutzung der Gebiete aus. Lediglich Jobst-Werner Brüggemann (CDU) und Hans Wilhelm Güsgen (FDP) votierten dagegen.

veröffentlicht am 13.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 15:07 Uhr

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Die Teilflächen lägen im Hochwassergebiet und der Milan, der seit 2011 nicht mehr gesehen worden sein soll, fliege immer noch. „Und es ist ein echter, kein aufgeblasener“, begann SPD-Ratsfrau Waltraud Mehring, die als Afferder Bürgerin zur Sitzung gekommen war, eine sehr emotional geführte Diskussion. „Wir Afferder sind mit dem Biogas, der B 1 und dem Gewerbegebiet schon genug gestraft“, argumentierte sie unter lautstarkem Beifall der Protestler und hatte ein Lob für ihren christdemokratischen Ratskollegen Brüggemann parat: „Dass Du so viele Bürger auf die Beine gebracht hast, ist toll. Das ist mir leider nicht gelungen.“

Stadtbaurat Hermann Aden hatte immer wieder große Mühe, die erregten Gemüter der Bürger zu beruhigen. Er betonte ein ums andere Mal, dass in diesem Verfahren die spätere Anzahl der Windräder nicht ausschlaggebend sei, sondern es ausschließlich um die Ausweisung von Flächen ginge, um den gesetzlichen Vorschriften zu entsprechen. Zudem seien im Vorfeld alle Einwände sorgsam abgewogen werden. „Sie haben anschließend die Klagemöglichkeit. Deshalb müssen wir aufpassen, dass rechtlich alles einwandfrei ist“, sagte Aden und versicherte, dass die Verwaltung bei den späteren Einzelgenehmigungen für die Windanlagen „ganz besonders hingucken“ werde. Er räumte jedoch ein, dass das vom Gesetzgeber vorgeschriebene Planungssystem für den Bürger nicht transparent genug sei: „Das kann ich nur bedauern.“

Doch alle Argumente konnten die aufgebrachten Bürger-Gemüter nicht beruhigen. „Sie klauen mir eine Viertelmillion Euro. Wer ersetzt mir den Schaden?“, schimpfte ein Anlieger vom Hottenbergsfeld, der um den Wert seiner Immobilie fürchtet. Ein Argument, das Rainer Sagawe in Rage brachte. „Es wird bald sehr vorteilhaft sein, in der Nähe eines Windrades zu wohnen, weil es günstigen Strom garantiert“, erwiderte der Grüne unter schallendem Gelächter. Er verbat sich jede weitere Unterbrechung, um fast schon cholerisch seinen Vortrag fortzusetzen. „Jetzt spricht hier der Rat“, zürnte er in Richtung Protestler. Auch sein Fraktionskollege Jürgen Mackenthun unterstrich die Wichtigkeit der Entscheidung und kündigte an, dass sich die Grünen vorbehalten, auch die anderen bereits untersuchten Flächen für den Bau von Windrädern zuzulassen.

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Thorsten Sander (CDU) versuchte als Ausschussvorsitzender mehrfach, die Wogen zu glätten. Er bezeichnete es als „Trugschluss“, dass ein Verzicht auf die Ausweisung der Flächen den Bau von Windrädern in Hameln verhindern werde. Die Protestler überzeugten die Argumente der Politiker jedoch nicht.

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