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Deutliche Worte bei Bürgerversammlung in Rohrsen / Zwei Anlagen kommen sowieso

„Sie müssen mit Windrädern wohl leben“

Rohrsen. So deutlich wie der neue Stadtbaurat Hermann Aden hat es wohl bisher niemand gesagt: „Zurückdrehen geht nicht mehr“, stellte er in der Rohrsener Bürgerversammlung zum Thema Windkraft klar. „Sie müssen mit den Anlagen wohl leben.“ Die Rohrsener reagierten heftig – zumal Aden zuvor festgestellt hatte, dass die Kommune das Thema „nach objektiven Kriterien, sauber abgewogen und überprüfbar“ behandeln müsse. Die Einheitlichkeit auf allen Flächen nicht einzuhalten, das sei gefährlich, so Aden.

veröffentlicht am 17.04.2013 um 20:00 Uhr
aktualisiert am 23.04.2015 um 11:51 Uhr

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Autor:

Heiko Gropp
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Jedoch: „Da, wo viele Belastungen sind, können auch mehr hin. So sehen das die Juristen“, sagte Aden – und heizte damit die Stimmung an. Hier würden nicht nur die Bürger vorgeführt, sondern auch Ortsvorsteher Jobst Brüggemann (CDU) und die ehemalige Afferder Ortsbürgermeisterin Waltraud Mehring (SPD), war aus dem gut gefüllten Raum im Dorfgemeinschaftshaus zu hören. Adens Hinweis, dass alle Bürger vor dem Gesetz gleich seien, sei Hohn. Schließlich hätten in Halvestorf Bürger und Politiker Nein zur Windenergie gesagt – und das habe ausgereicht. Vielleicht, wurde gemutmaßt, weil dort Politiker, Stadtratsmitglieder und andere wichtige Bürger wohnten. „Sind wir etwa eine Lachnummer?“, so ein Bürger.

Ortsvorsteher Brüggemann wies darauf hin, dass die Stadt verpflichtet ist, ein Prozent der Stadtfläche für Windenergie auszuweisen. Das hat sie nach seiner Einschätzung mit der Fläche bei Hilligsfeld aber bereits getan. Ihm komme es darauf an, dass zu den zwei Windrädern im Gebiet zwischen Rohrsen und Afferde, für die ein Investor nicht wieder zurücknehmbare Vorbescheide erstritten hat, nicht weitere drei oder sogar vier Anlagen hinzu kämen.

Aden betonte, dass der Rat gehalten sei, gerichtsfeste Grundlagen zu den Bauanträgen von Windrädern zu erstellen. Für die zwei Windräder gelte nun: „Die Standortbestimmung steht.“ Jetzt geht es nur noch darum, ob es die einzigen Anlagen bleiben. Der Stadtbaurat gab zu bedenken: „60 000 Euro für ein Jahr und pro Windrad für den Bodenbesitzer, da kommt schon manch einer ins Grübeln.“

Dem Vorwurf, die Stadtverwaltung lege beim Thema Windkraft „Aktionismus“ an den Tag, widersprach Aden. Die Stadt müsse den Gutachtern vertrauen und dem, was in der Fachwelt zurzeit allgemein anerkannt sei. Windenergieanlagen seien eben privilegierte Bauvorhaben. Jetzt gehe es nur noch um die Frage, wie man in Hameln damit umgehe – entweder auf Konzentrationsflächen oder mit Einzelgenehmigungen, verstreut auf das Stadtgebiet. Die Verwaltung habe lediglich die Aufgabe, rechtssichere Unterlagen zu erarbeiten.

Das Fazit der Bürgerversammlung zur Windenergiefläche zwischen Rohrsen und Afferde: Zwei Windmühlen kommen – eventuell schon bis 2015. Die Möglichkeit einer Verkleinerung der Vorrangfläche von den heute 33 auf die ursprünglichen zehn Hektar besteht nicht.

„Dagegen können wir wohl nur den Rechtsweg beschreiten – und das in Form einer Sammelklage“, so Brüggemann. Er wolle zumindest weitere Anlagen verhindern, kündigte der Ortsvorsteher unter Applaus der Anwesenden an. Gegen die zweite geplante Vorrangfläche bei Hilligsfeld indes habe man nichts. Und wenn die Bürger dort damit einverstanden seien, dann sei es doch gut so.

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