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Energie-Genossenschaft bietet Beteiligung an Windrad in Klein Hilligsfeld an

Kräftige Rendite oder laues Lüftchen?

HAMELN. In diesem Jahr bekommt Hameln nach langem Hin und Her seine ersten Windräder. Neben der Firma Landwind wird auch die Energie-Genossenschaft Weserbergland (EnGeWe) mit einer Anlage in Klein Hilligsfeld vertreten sein.

veröffentlicht am 17.07.2017 um 16:06 Uhr

„Kein Super-Standort“, aber doch rentabel? Die Bauarbeiten für ein Windrad der Firma Landwind haben zwischen Hilligsfeld und Afferde bereits begonnen. Unweit davon soll die Anlage der Energie-Genossenschaft Weserbergland errichtet werden. Foto: wal
Michael Zimmermann

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5,3 Millionen Euro will die Genossenschaft dort investieren; vier Millionen Euro davon werden von einer Bank finanziert. Am Rest können sich die Mitglieder über ein Darlehen beteiligen. Schon ab 2000 Euro (Genossenschaftsanteil plus Darlehen) ist es dann möglich, sich am Projekt zu beteiligen. Auf ihrer Website spricht die EnGeWe von einer „sehr attraktiven langfristigen Geldanlage“, die „enkeltauglich“ sei.

Horst Arlt aus Emmerthal ist sich sicher, dass die Risiken, die Invesitionen im Onshore-Bereich mit sich brächten, viel zu hoch sind. Er verweist dabei auf die Windverhältnisse und die Störungszeiten vergleichbarer Anlagen. Tatsächlich gab es in der Vergangenheit immer wieder Anlagemodelle im Bereich Windkraft, die negativ von sich Reden machten. Beispielhaft für die Krise einer ganzen Branche stand 2014 die Insolvenz der Firma Prokon und vor allem in so genannten geschlossenen Fonds machten Anleger damals hohe Verluste.

Laut Wolfram Axthelm vom Bundesverband Windenergie (BWE) hat die Branche aber aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt: „Die Unternehmen bauen heute auf ein breites Wissen auf. Windenergieanlagen können in allen Regionen wirtschaftlich erfolgreich Energie produzieren.“ Der Anlegerbeirat des BWE habe sich mit den Ursachen nicht oder wenig ertragreicher Projekte der Vergangenheit befasst und daraus Hinweise für künftige Projekte abgeleitet, so Axthelm. „So sollten beispielsweise immer zwei Windgutachten vorliegen.“ Nach der Finanzkrise 2009 seien die Vorschriften für eine ganze Reihe von Anlagen deutlich erweitert worden. Risikofaktoren müssten in den Prospekten genau bekannt werden. „Deshalb sollte man das Kapitalanlageprospekt immer genau lesen.“ Investitionen in Windenergieprojekte seien angesichts des aktuellen Zinsniveaus „sicher interessant“, so Axthelm. „Allerdings ist eine solche Beteiligung nicht vergleichbar mit einem Sparbuch.“ Wer Geschäftsanteile erwirbt oder für eine unternehmerische Investition ein Darlehen zur Verfügung stellt, müsse wissen, dass dies immer mit einem Risiko behaftet ist. „Mit einer Beteiligung sollte man sich intensiv beschäftigen.“ Er rät davon ab, sich allein vom Renditeversprechen leiten zu lassen und seine ganzen Ersparnisse in eine einzige Anlageform zu stecken. „Das zu investierende Geld sollte man auch wirklich übrig haben.“

Das sieht Stefan Adam ähnlich. Der unabhängige Finanzberater ist auch für die Verbraucherzentrale Niedersachsen tätig. Als Beimischung und Bestandteil eines breit aufgestellten Portfolios könne eine Beteiligung an einem Windkraftprojekt durchaus eine gute Möglichkeit sein, sagt er. Während die Bewegungen auf dem Aktienmarkt sehr transparent seien, wisse ein Investor bei Anlagen in ein konkretes Projekt allerdings nie so genau, welchen Wert seine Einlagen gerade hätten. Seine Ersparnisse in ein einzelnes Projekt zu stecken, bringe außerdem immer ein Risiko mit sich, alles zu verlieren. Darum rät auch er, nur einen kleinen Teil seines Kapitals dort einzusetzen. Vor allem Darlehensmodellen kann Adam wenig abgewinnen. Selbst wenn die Kalkulation solide sei, könne es einmal eng werden. „Und dann werden zuerst die Ansprüche der Bank bedient“, so Adam. „Für den Anleger bleibt dann meist nichts mehr übrig“, der stehe im Insolvenzfall nämlich in der Schlange ganz hinten.

Standort soll auch in windschwachen Jahren Geld für Anteilseigner abwerfen

Für die EnGeWe ist die Anlage in Klein Hilligsfeld nach vielen Anläufen die erste Investition in die Windkraft. Kurzfristig hatte sich im vergangenen Herbst die Gelegenheit ergeben, das Projekt zu übernehmen, wie Vorstandsmitglied Reinhard Pigors erklärt. Er ist sich sicher: „Eine Genossenschaft ist eine der sichersten Rechtsformen für Firmen.“ Wenn sie selbst als Unternehmer tätig ist, unterstehe sie zwar im Gegensatz zu Fonds nicht der strengen Finanzaufsicht – wohl aber dem mindestens ebenso aufmerksamen Auge des Genossenschaftsverbands. Die EnGeWe versuche, möglichst viele Menschen zu beteiligen, auch mit „kleineren“ Beträgen. Die Darlehensform habe für Investoren auch Vorteile: Zinszahlungen seien steuerlich günstiger als Gewinnausschüttungen, und über die Tilgung bekämen die Anleger ihr Geld zurück. Das gehe nur mit Geschäftsanteilen nicht. Die Strukturen der Genossenschaft seien außerdem sehr schlank, so Pigors. Es gebe zum Beispiel auch keine riesigen Geschäftsführergehälter. Die Idee der Umweltbewegung, „Energie in Bürgerhand“, sei eines der Hauptanliegen der Genossenschaft.

Zweifel an der Wirtschaftlichkeit von Windenergieanlagen kennt Pigors bereits, die Ertragsprognosen für die geplante Anlage fußten aber auf einer breiten Basis: Zwei unabhängige Gutachten von zertifizierten Spezialfirmen bildeten „eine solide Grundlage“ der Kalkulation. Das Projekt in Klein Hilligsfeld sei zwar kein „Super-Standort, aber auch nicht so, dass wir etwas beisteuern müssten“, sagt er.

Die Gutachter hätten mehrere Szenarien durchgerechnet. Das Ergebnis: Selbst bei pessimistischen Annahmen bliebe auch in windschwachen Jahren noch etwas für die Anteilseigner übrig. Deswegen sei die finanzierende Bank auch bereit, nicht nur den gewünschten Darlehensbetrag von 75 Prozent der Investitionssumme zur Verfügung zu stellen, sondern auch das noch einzuwerbende Eigenkapital der Mitglieder vorzufinanzieren. Die EnGeWe habe auch die Möglichkeit gehabt, eine Anlage bei Coppenbrügge zu realisieren. Darauf habe sie aber verzichtet, weil ein Ertragsgutachten ein Verlustgeschäft für den genehmigten Standort befürchten ließ.

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