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Besuch auf „Landwind“-Baustelle

Hilligsfeld: Ein grauer Riese ist schon ausgewachsen

HILLIGSFELD. „Sieht zwar doof aus. Ist aber immer noch besser als so‘n Atomkraftwerk“, sagt ein älterer Mann. Dabei guckt er auf einen Acker westlich von Hilligsfeld. Hier entstehen seit Februar drei Windenergieanlagen. Inklusive Rotor wird jede knapp 200 Meter hoch. Sie sollen noch in diesem Jahr ans Netz gehen.

veröffentlicht am 07.11.2017 um 20:57 Uhr
aktualisiert am 09.11.2017 um 10:40 Uhr

Während der Baustellenbesichtigung können die Besucher live erleben, wie der Kran nach der Montage des dritten Rotorblatts an der Windrad-Nabe demontiert wird. Bis Jahresende sollen alle drei „Landwind“-Anlagen westlich von Hilligsfeld in Betrieb geh
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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HILLIGSFELD. „Sieht zwar doof aus. Ist aber immer noch besser als so‘n Atomkraftwerk“, sagt ein älterer Mann. Dabei guckt er auf einen Acker westlich von Hilligsfeld. Hier ragt die am weitesten im Bau fortgeschrittene von drei Windenergieanlagen der „Landwind“-Gruppe fast 200 Meter in die Höhe. Das letzte ihrer drei jeweils knapp 66 Meter langen und 67 Tonnen schweren Rotorblätter ist seit Dienstagvormittag angebaut. Jetzt hat der Rotor seinen Durchmesser von 131 Meter erreicht. Der Kran wird demontiert. Er wechselt dieser Tage den Platz, zur Komplettierung der mittigen Anlage. Mit der Anlieferung der Rotorblätter wird ab Samstag gerechnet.

Bis Jahresende will „Landwind“ dann alle drei Hilligsfelder Windräder in Betrieb nehmen – vorausgesetzt, es bläst beim Bau nicht zu sehr. Denn da sei Wind eher von Nachteil, denn er bremse den Bau, erklärt Projektleiter Sinjo Neitsch.

Wie schon in Coppenbrügge und aktuell auch in Afferde sind Unternehmen der „Landwind“-Gruppe mit Sitz in Gevensleben auch in Hilligsfeld als Planer, Investoren und Betreiber aktiv. Mit den jüngsten Rädern im Raum Hameln wächst das Portfolio der Gruppe auf insgesamt 53 Anlagen.

Projektleiter Sinjo Neitsch steht den Besuchern auf der Baustelle Rede und Antwort. Foto: Dana
  • Projektleiter Sinjo Neitsch steht den Besuchern auf der Baustelle Rede und Antwort. Foto: Dana

Der Einladung des Unternehmens auf die Baustelle in der Nähe des östlichen Hamelner Ortsteils folgen am Dienstagnachmittag fast 40 Menschen. Unter ihnen sind mehrere Grundeigentümer, auf deren Äckern die Anlagen stehen. Ortsbürgermeister Friedrich Baltruschat (CDU) ist einer von ihnen. Ihm, den anderen Landeignern und erst Recht dem Investor wäre es zweifellos lieber, wenn die Bundeswehr-Flugschneise hier nicht drei weitere weitere Anlagen verhinderte, wie es derzeit den Anschein hat. Die Klage läuft noch.

„Das Stromkabel nach Afferde ist ja für sechs Anlagen ausgelegt“, sagt Baltruschat. Dass „Landwind“ für die mit halber Leistung schwieriger wieder einzuspielenden höheren Ausgaben Schadenersatz von der Stadt Hameln fordern könnte, schließt er nicht aus.

Aber um solche unschönen Themen geht es beim Ortstermin nicht. Hier steht der Baufortschritt im Fokus. Projektleiter Neitsch und „Landwind“-Sprecherin Stefanie Mertz beantworten bereitwillig die vielen technischen Fragen ihrer Gäste. So erfahren die Neugierigen, dass auf 100 unterirdischen Ständern basierende 1500 Tonnen Betonstahl das Fundament jeder Anlage bilden. Greifen schließlich alle Segmente eines Turms ineinander, so verfestigen Metallseile im Innern ihn zusätzlich. Werden diese Litzen angespannt, schrumpft der gesamte Turm um drei Zentimeter.

Die Rotoren werden sich später bei Windgeschwindigkeiten zwischen 3 und 20 Meter pro Sekunde drehen. Bei Sturm stehen sie still. Laut Stefanie Mertz liegen die Prognosen für die drei Anlagen bei einer Stromleistung von 22 Millionen Kilowattstunden im Jahr. „Damit kann man rund 15 000 Menschen versorgen.“

Bier und Bratwurst wollen die Betreiber dann bei der Einweihungsparty im Juni 2018 ausgeben. Bis dahin dürfte auch die Stiftung gegründet sein, zu der „Landwind“ die Grundeigentümer vereint hat. „Da gibt‘s dann mal einen neuen Rasenmäher für den Sportverein“, stellt der Projektleiter als „kleine Entschädigung“ für die Anrainer in Aussicht.

„Das ist zur Beruhigung der Gemüter“, sagt Heinrich Pütger, der gleich jenseits der B217 wohnt. Als der Projektleiter erklärt: „Hier gibt es keine Probleme mit Schall“, hakt er nach: „Können Sie das garantieren?“ Falls es anders kommt als erhofft, droht er im Scherz: „Dann bringe ich zur Einweihung einen Knüppel mit und stecke ihn zwischen die Flügel.“

Erst einmal bekommen die Gäste aber etwas zum Mitnehmen: Prospekte, Wimpel und Gummibärchen für die Enkel.

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