weather-image
Anlagen in Tiefflugzone bei Hilligsfeld geplant

Bundeswehr geht gegen Windräder vor

HAMELN. Die Bundeswehr geht gegen die Entscheidung der Stadt Hameln an. Drei der sechs Windräder, die sich künftig an der Bundesstraße 217 bei Groß Hilligsfeld drehen sollen, dürften nach Ansicht des Militärs gar nicht erst gebaut werden: Sie stören den Flugverkehr der Heeresflieger. Das war bereits der große Kritikpunkt während der gesamten Planungsphase. Neu daran ist: Die Bundeswehr hat offenbar weitere Schritte vor dem Verwaltungsgericht Hannover eingeleitet.

veröffentlicht am 03.02.2017 um 19:41 Uhr
aktualisiert am 03.02.2017 um 20:18 Uhr

Windkraftanlangen der Firma Nordex sollen sich unweit der B 217 drehen. Foto: Nordex
Lars Lindhorst

Autor

Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Das zuständige Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (IUD) äußerte sich gestern auf Anfrage zwar nicht näher und verwies laut einer Sprecherin auf das „schwebende Verfahren“. Die Stadt Hameln jedoch bestätigt, dass das IUD beim Verwaltungsgericht in Hannover „das Ruhen des Verfahrens“ beantragt hat. Dies kann das Gericht in aller Regel anordnen, solange sich Stadt und Bundeswehr nicht einigen können – und beide Parteien dem Ruhen auch zustimmen.

Hintergrund: Kurz vor Weihnachten hatte die Stadt den Bau von sechs Windrädern im sogenannten Windpark Liethberg bei Groß Hilligsfeld genehmigt. Drei davon liegen zwar am Rande, aber immer noch innerhalb des von der Bundeswehr genutzten Nachttiefflugkorridors „Stadtoldendorf“. Daraufhin legte das IUD Widerspruch gegen diese drei Anlagen an. Laut Stadt fordert die Bundeswehr darin die Aufhebung des Genehmigungsbescheids für die drei betreffenden Windräder.

Die Bundeswehr widerspricht allerdings nicht allein der Genehmigung für den Bau. Auch der Windrad-Investor, die Landwind-Gruppe aus Gevensleben, lehnt Teile der Genehmigung durch die Stadt ab und hat formal Widerspruch eingelegt. Wie die Sprecherin des Unternehmens, Stefanie Mertz, auf Anfrage mitteilt, handelt es sich dabei allerdings nicht um einen Einwand, weil die Stadt etwa nur sechs der ursprünglich acht von Landwind geplanten Anlagen genehmigt, sondern es dreht sich schlicht ums Geld: Wegen des Landverbrauchs durch den Bau von Windrädern sind Investoren dazu verpflichtet, Ausgleichszahlungen zu leisten. Diese sind der Landwind-Gruppe allerdings zu hoch, wie Mertz sagt. Derzeit ist von Zahlungen in Höhe von insgesamt 560 000 Euro die Rede.

Weitere Landwind-Einwände hat die Stadtverwaltung als „unstattlich“ zurückgewiesen. Hierbei ging es laut einer Stadtsprecherin um Betriebszeitenbeschränkungen zum Schutz von Fledermäusen, Kranichen und des Rotmilans.

Investor Landwind will nichtsdestotrotz den Terminplan einhalten. Im Frühjahr soll schon der Bau der Windräder beginnen. Die ersten Wege für Zufahrten sind laut Unternehmen dieser Tage bereits angelegt worden.

Die Einigung mit der Bundeswehr steht gewiss noch aus.

Information

Mehr Einwände

Widersprüche sind auch bei den zwei geplanten Anlagen zwischen Klein Hilligsfeld und Afferde eingegangen. Je ein Windrad wollen dort die Landwind-Gruppe und die Energie-Genossenschaft Weserbergland errichten. Dabei geht es wiederum um Abschaltzeiten und die Zahlung von Ersatzgeld.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare