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Gegenwind für Projekt in Groß Hilligsfeld

Bundeswehr gegen Teile des Windparks Liethberg

veröffentlicht am 07.09.2016 um 12:08 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:53 Uhr

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Michael Zimmermann

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Stoppen Hubschrauber Hamelns erste Windräder? Eigentlich möchte die Firma Landwind ab kommendem Frühjahr im Bereich Groß Hilligsfeld den Windpark Liethberg bauen. Acht 3,3-Megawatt-Anlagen der Firma Nordex sollen auf dem Gebiet entstehen, jedes knapp 200 Meter hoch. Auf Münderaner Gebiet sind noch einmal zwei Anlagen geplant.

Viele Anwohner befürchten mehr Lärm, Schatten und eine verschandelte Landschaft. Er sei nicht prinzipiell gegen die Energiewende, sagt zum Beispiel Andreas Franke, der auch im Sünteltaler Ortsrat sitzt. Ein Windrad in der Nachbarschaft sei ihm grundsätzlich auch lieber als ein Kernkraftwerk. Die geplanten Anlagen seien aber viel zu nah dran, teilweise nur 750 Meter von den ersten Wohnhäusern entfernt. Die drei Gemeinden Hameln, Bad Münder und Coppenbrügge würden die Vorranggebiete für Windparks zwar an ihren Rändern planen. Dort, wo sie zusammentreffen, sei dann die Belastung aber besonders hoch, klagen die Anwohner.

Dazu komme, dass in dem Gebiet viele Vogel- und Fledermausarten zu Hause seien, die durch die Windräder gestört würden.

Gegenwind für das Projekt kommt aber auch noch von einer anderen Seite: Das Gebiet befindet sich mitten in den Flugrouten des Internationalen Hubschrauberausbildungszentrums der Bundeswehr. Diese sei darum gebeten worden, die Folgen für Flugsicherung und Flugbetrieb einzuschätzen. Oberstleutnant Steen Pfähler, Leiter der Flugeinsatzzentrale im Fliegerhorst Bückeburg, sprach sich darin gegen fünf der geplanten Windräder aus.

Die Anlagen lägen alle innerhalb des 1,5-Kilometer-Korridors der Nachttiefflugstrecke Stadtoldendorf. Durch den Taleinschnitt zwischen dem Süntel, Schweineberg und Uhlenberg entlang der Landesstraße 423 und der in Ost-West verlaufenden Hochspannungsleitung werde der Streckenverlauf kanalisiert, sagt Pfähler. Eine Verlegung der Strecke sei aber nicht möglich.

Die anderen drei Anlagen lägen zwar auch innerhalb des Korridors, aber südlich der Hochspannungsleitung. Gegen diese gebe es keine Einwände. Mit nur drei Windräder, die noch dazu nahe der Bundesstraße stehen sollen, könnte auch Andreas Franke leben: „Das wäre eine Kröte, die wir schlucken würden.“ Die Frage sei dann aber, ob sich das Projekt dann noch für den Betreiber lohne.

Die endgültige Entscheidung werde jedoch durch das Luftfahrtamt der Bundeswehr getroffen. Wie verbindlich diese letztendlich ist, konnte ein Sprecher der Stadt Hameln noch nicht sagen. Flegessens Ortsbürgermeister Detlef Olejniczak vermutet aber, dass die Einwände der Bundeswehr „mehr Gewicht haben als 50 000 Unterschriften von Bürgern“. Schließlich seien auch Arbeitsplätze im Fliegerhorst in Gefahr, wenn die Übungsflüge wegfielen.

Im März hatte die Firma den Antrag für den Windpark eingereicht. Von Ende Juni bis Mitte August lagen die Unterlagen dann öffentlich bei der Stadt aus, bis zum 26. August konnten Bürger schriftlich gegen die Pläne Einwände erheben. In einem Erörterungstermin, dessen Datum nach Auskunft aus dem Hamelner Rathaus noch nicht feststeht, soll auf die Bedenken und Einwände eingegangen werden. Bereits 2014 hatte Hameln zwei Vorranggebiete für Windkraftanlagen ausgewiesen – neben Groß Hilligsfeld auch in Afferde. Die Bereiche entsprechen etwa 1,2 Prozent der Stadtfläche. Das entspricht den Vorgaben des Landes.

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