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Genehmigungsverfahren kurz vor Abschluss

70 Einwände gegen Windpark Groß Hilligsfeld

HAMELN. Insgesamt 70 Einwände gegen den Windpark Groß Hilligsfeld sind bei der Stadt Hameln eingegangen. Das Genehmigungsverfahren für die geplanten Windkraftanlagen zwischen Hilligsfeld, Unsen und Hasperde steht kurz vor dem Abschluss.

veröffentlicht am 23.11.2016 um 13:14 Uhr
aktualisiert am 07.11.2017 um 10:02 Uhr

Gerda Haverkamp aus Unsen fürchtet, das Windräder in Sichtweite den Wert ihrer Immobilie verringern würden. Foto: ll
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite
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„Es ist vorgesehen, die Genehmigung noch in diesem Jahr auszusprechen“, sagt Stadtsprecher Thomas Wahmes. Offen bleibt vorerst aber, wie viele Windräder sich entlang der Bundesstraße 217 tatsächlich drehen werden.

Bei einem Erörterungstermin am Mittwoch in Hilligsfeld sind noch einmal alle Kritikpunkte an dem Vorhaben auf den Tisch gekommen. Sie dienen nun der Verwaltung als Entscheidungsgrundlage.

Geplant war einst, dort acht Windräder mit einer Höhe von je etwa 200 Metern aufzustellen. Inzwischen sind nur noch sechs Windanlagen Stand der Planungen des Investors, der Landwind-Gruppe aus Gevensleben bei Helmstedt.

Am Mittwoch fand in Hilligsfeld ein Erörterungstermin zum Windpark statt. Sechs Windräder sollen sich dort drehen.
  • Am Mittwoch fand in Hilligsfeld ein Erörterungstermin zum Windpark statt. Sechs Windräder sollen sich dort drehen.
So ist der aktuelle Stand zum Windpark. Grafik: mib
  • So ist der aktuelle Stand zum Windpark. Grafik: mib

Grund dafür ist, wie berichtet, ein gewichtiger Einspruch der Bundeswehr. Teile des geplanten Windparks liegen in einer Tiefflugschneise der Heeresflieger aus Bückeburg. Die beiden nördlichsten Windräder an der Stadtgrenze zu Bad Münder sind deshalb bereits gestrichen worden. Fraglich ist weiterhin, ob drei weitere Anlagen gebaut werden können oder nicht – denn eigentlich hatte auch hier die Bundeswehr in einer Stellungnahme den Windrad-Bau abgelehnt. Die Anlagen würden ebenfalls in dem anderthalb Kilometer breiten Flugkorridor der Tiefflugzone liegen.

Einwände beim Erörterungstermin gestern kamen häufig aus Unsen. Von Gerda Haverkamp zum Beispiel, die befürchtet, dass ihr Haus und Grundstück am Ortsrand mit potenziellem Blick auf die neuen Windrädern nun kräftig an Wert verlieren würde. Von anderen Anwohnern wurden mögliche gesundheitliche Auswirkungen angesprochen; und vor allem wurde Kritik laut an Immissionsschutzrichtlinien, die noch aus dem Jahr 1998 stammen. Da seien ja Windanlagen noch nicht annähernd in den Ausmaßen geplant worden, wie es heute der Fall sei, hieß es. Eine grundlegende Kritik eher, kein explizit städtisches Problem. Diese Richtlinien sind nun einmal aktuell geltendes Recht, lautete das Gegenargument.

Die Stadtverwaltung entgegnete gestern auch den Vorwürfen, das artenschutzrechtliche Gutachten sei nicht haltbar, weil der zuständige Gutachter „ein Lobbyist der Windenergie“ sei. Nach Angaben der Stadt sind inzwischen weitere Gutachten Dritter hinzugezogen worden. Ergebnis: Vom Windpark gehe demnach keine Gefahr für Schwarzstorch und Rotmilan aus.

Während die Stadt Hameln das Gebiet am Liethberg bereits 2013 zum Vorranggebiet für Windkraft ausgewiesen hat, ist man in der Stadtverwaltung Bad Münders gerade dabei, Vorranggebiete für die Windenergie zu planen. Das Areal „Flegessen-Süd“, nördlich direkt an den Windpark am Liethberg auf Hamelner Stadtgebiet angrenzend, war bislang auch Teil dieser Überlegungen.

An dieser Stelle geht um „zwei bis drei Anlagen“, sagt Anika John, Fachdienstleiterin für Stadtentwicklung im Rathaus Bad Münder auf Anfrage. Möglicherweise ist diese Planung aber hinfällig. In Anbetracht der Stellungnahme durch die Bundeswehr, die auch der Verwaltung in Bad Münder vorliegt, sagt John: „Da wird sich die Windkraft wahrscheinlich nicht durchsetzen.“ Politisch werde das zwar erst im ersten Quartal 2017 entschieden, große Chance für ein Vorranggebiet räumt John dem Süden Flegessens aber jetzt schon nicht mehr ein.

Investor Landwind will im Frühjahr 2017 mit dem Bau der Anlagen am Liethberg beginnen, Ende des Jahres die Windräder in Betrieb nehmen. Ob es bei der derzeit geplanten Anzahl bleibt, ist offen; für Landwind-Geschäftsführer Alexander Heidebroek aber kein Grund für Zweifel an der Realisation des Windparks. „Wir wollen hier Windräder bauen“, sagt er. Ob er das am Ende möglicherweise nur mit drei übrig gebliebenen Anlagen tun wird, wollte er nicht näher kommentieren.

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