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Landschaftsschutzgebiet soll erheblich verkleinert werden

1:0 für die Windkraft

Hameln. Ablehnend. So lässt sich die Haltung der 50 Bürger beschreiben, die zur Vorstellung der Planung zur Aufstellung von Windrädern im Hamelner Stadtgebiet gekommen waren. Das war im März 2009, und die Argumente sind bei der Stadt wie bei den Gegnern von Windrädern heute dieselben wie vor fünfeinhalb Jahren: Man müsse Flächen für die Windenergienutzung ausweisen, um den gesetzlichen Vorschriften zu entsprechen, sagen die einen; man sei durch lärmende Bundesstraßen und unschöne Industriebauten bereits geplagt genug, die Landschaft werde zerschnitten und Vögel, Fledermäuse und Fische verlören ihren Lebensraum, halten die anderen dagegen.

veröffentlicht am 18.09.2014 um 21:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 08:54 Uhr

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Wiebke Kanz

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Wiebke Kanz Reporterin (in Elternzeit) zur Autorenseite
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Ungünstig, wenn die bevorzugte Fläche für die Aufstellung von Windrädern dann auch noch mitten in ein Landschaftsschutzgebiet fällt. Im Falle der rund 90 Hektar großen Fläche „D/E“ nordwestlich von Hilligsfeld am Liethberg tut dies der Ausweisung als Vorranggebiet für Windenergieanlagen – aller Gegenstimmen zum Trotz – nun offenbar aber keinen Abbruch: Der Ausschuss für Umwelt, Nachhaltigkeit und Klimaschutz empfahl dem Rat der Stadt Hameln, der am 1. Oktober tagt, nun, westlich der Bundesstraße 217 zwischen Hilligsfeld und Hasperde ein solches einzurichten – mit nur geringem Widerstand aus den Reihen der FDP und von Afferdes langjähriger ehemaliger Ortsbürgermeisterin Waltraud Mehring, die im Kampf gegen Windräder im eigenen Ortsteil erfahren ist.

Für die Ausweisung als Vorranggebiet muss die Fläche allerdings zunächst aus dem Landschaftsschutzgebiet „Hamelner-Fischbecker Wälder und Randbereiche“ herausgenommen werden, denn „bauliche Anlagen aller Art zu errichten oder wesentlich äußerlich zu verändern“ ist nach der gültigen Landschaftsschutzgebietsverordnung verboten. Der Bereich sei ohnehin „aktuell beeinträchtigt und somit von geringer Bedeutung für Naturschutz und Landschaftspflege“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Infolge der weiträumigen Ackerflur werde das Landschaftsbild als gering eingestuft, zudem durchziehe ohnehin bereits eine Elektrofreileitung die Landschaft. Einige Anlieger, Behörden und Naturschutzvereinigungen sehen das allerdings anders – und legten Einspruch ein:

Der Herksbach, der das geplante Vorranggebiet durchzieht, diene als wichtiges Rückzugs- und Laichgewässer für die Fischfauna, merkte die Fischereigemeinschaft der Hamel an. Ein Aufhebungsverfahren für das Landschaftsschutzgebiet allein stelle noch keine Beeinträchtigung für den Lebensraum dar, antwortete das Rathaus – und auch spätere Baumaßnahmen würden nicht in das Gewässer als Lebensraum der Arten eingreifen. Zudem werde beidseitig des Herksbachs ein 100 Meter breiter Streifen freigehalten.

Auch die Nabu-Ortsgruppe Hessisch Oldendorf lehnt die Aufhebung als „hochproblematisch“ ab, da künftig auch andere Bauprojekte in diesem Bereich nicht mehr ausgeschlossen werden könnten. Diese Gefahr sei zu vernachlässigen, so die Stadt, da „jegliche zusätzliche Baumaßnahmen zu genehmigen wären und ferner der Bau der Windenergieanlagen Vorrang vor jeglicher sonstigen baulichen Nutzung hätte“.

Für das 90 Hektar große Gebiet, das aus dem Schutzgebiet herausgelöst werden soll, plant die Stadt Kompensationsflächen: im Bereich der Herksbachniederung südlich von Unsen (1,6 Hektar), am Südhang des Wacholderberges (13 Hektar) sowie nördlich des Ravelin Camps (19 Hektar). Dass etwas mehr als 33 Hektar nicht ausreichend zur Kompensation beitragen, findet nicht nur die Stadt Bad Münder, die eine Stellungnahme verfasste. „Es sei zwar richtig, dass durch das vorliegende Verfahren quantitativ lediglich eine Kompensation im Verhältnis 3:1 erfolgt“, antwortete die Stadtverwaltung – die neu hinzuzunehmenden Flächen seien aus naturschutzfachlicher Sicht jedoch „sehr viel wertvoller, mit hoher bis sehr hoher Bedeutung für Arten und Biotope“.

Da sich somit durch die eingereichten Stellungnahmen „nach Abwägung durch die Untere Naturschutzbehörde keine Veränderungen im laufenden Teilaufhebungsverfahren ergeben“ hätten, entscheidet nun der Rat, ob in diesem Fall der Klima- den Landschafts- und Naturschutz schlägt. Dass dieser anders entscheiden wird als der Ausschuss, ist unwahrscheinlich.

1:0 für die Windkraft

Landschaftsschutzgebiet soll erheblich verkleinert werden

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