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Aber was soll die Sumpfe eigentlich sein?

„Wir sind kein Club“

Hameln. Für ihre Kritiker ist die Sumpfblume entweder ein in die Jahre gekommener Club, in dem längst nichts mehr los ist, oder schlichtweg ein Betrieb, der trotz Fördermitteln nicht zu wirtschaften versteht. Geschäftsführerin Linda Meier sieht die Sumpfblume jedoch gut aufgestellt.

veröffentlicht am 30.03.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:04 Uhr

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Philipp Killmann

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Philipp Killmann Reporter zur Autorenseite

Im Café der Sumpfblume klingelt das Telefon. Es meldet sich ein Mann. Er würde gerne etwas bestellen – er sitze bereits seit 20 Minuten draußen auf der Terrasse. Ein Gast mit Humor. Den beweist auch die Geschäftsführerin der Sumpfblume, Linda Meier, als sie von unserer Zeitung mit dieser amüsanten Anekdote konfrontiert wird: „Das war Theater, extra für Sie inszeniert“, sagt die Kulturwissenschaftlerin mit einem Lächeln, schließlich sei die Sumpfblume ein soziokulturelles Zentrum, schiebt aber hinterher: „Nein, so was sollte natürlich nicht vorkommen.“

Trotzdem deckt die Gastronomie der Sumpfblume immerhin über die Hälfte der Gesamtkosten des Kulturzentrums, wie Meier im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. Aber die Sumpfblume trägt sich nicht selbst. Sie ist auf Fördermittel angewiesen. Inwiefern diese Gelder von Stadt und Landkreis gerechtfertigt sind, wird immer wieder infrage gestellt. Zuletzt in der Facebook-Gruppe „Hameln redet mit“. Vermisst werden dort auch die gut besuchten Discoabende und Partys von einst. Aber will die Sumpfblume das überhaupt noch? Ein Blick auf das Selbstverständnis der Sumpfblume.

Zwei Gastronomien in derselben Top-Lage. Mit einem Unterschied: Während die Melounge nahezu durchgehend gut besucht ist, herrscht in der Sumpfblume nebenan auch mal Totentanz. Wie kann das sein? Zunächst wären da vielleicht die Öffnungszeiten. Während die Melounge ab 9 Uhr früh durchgehend geöffnet hat, Küche inklusive, öffnet das Café der Sumpfblume erst um 16 Uhr seine Pforten, die Küche öffnet sogar erst um 18 Uhr.

Wird mit diesen Öffnungszeiten das Feld nicht kampflos der benachbarten Konkurrenz überlassen? „Wir sehen uns nicht als Konkurrenz, da wir sehr verschieden sind und auch unterschiedliches Zielpublikum haben“, sagt Meier und verweist auf Kulturangebote wie Bingo oder kostenlose Sonntagskonzerte, die es so nur im Café der Sumpfblume gibt.

Dennoch räumt Meier durchaus ein: „Im Café ist noch Luft nach oben.“ Bei den gegenwärtigen Öffnungszeiten etwa handele es sich noch um die Winteröffnungszeiten. Die Zeiten für die Sommermonate stünden noch nicht fest. Möglich also, dass das Café bald wieder früher öffne.

Und mehr Leute zu erreichen, das sei „immer das Ziel“, sagt Meier. Potenzial gebe es überall, sowohl in der Kultur als auch in der Gastronomie. „Dafür schlägt das Herz aller Mitarbeiter“, sagt die Geschäftsführerin. Bei den Mitarbeitern handelt es sich derzeit um elf Festangestellte und 21 Minijobber.

Dass es heutzutage schwieriger geworden ist, Publikum anzulocken, führt Meier zum einen auf die Digitalisierung des Alltags zurück. Die Menschen müssten nicht mehr das Haus verlassen, um sich mit anderen auszutauschen. Zum anderen mache der demografische Wandel auch der Sumpfblume zu schaffen. „Die jungen Leute wollen nach dem Abi weg aus Hameln“, sagt Meier mit Blick auf die städtische Veranstaltungsreihe „Hameln 2030 – Stadt mit Zukunft“. Die meisten Gäste der Sumpfblume sind älter als 40.

Aber es ist nicht nur das Café, das tagsüber kaum noch geöffnet hat. Auch die Disco-Abende sind seltener, die Motto-Partys weniger geworden. Rappelvoll wird der Saal nur noch bei prominenten Künstlern, beim Rudelsingen oder zu Weihnachten, wenn die Gäste von einst ihre Heimatstadt besuchen und alte Freunde in der Sumpfblume treffen. Wöchentliche Anlaufstelle am Samstagabend zum Tanzen und Leutetreffen ist die Sumpfblume schon lange nicht mehr.

Geschichten, die Linda Meier nur vom Hörensagen kennt. „Ich bin erst ein Jahr hier, deshalb habe ich keinen direkten Vergleich“, sagt Meier. Sie kennt die Sumpfblume erst, seit sie im März 2015 Geschäftsführerin wurde. Und Party und Disco haben bei ihr nicht höchste Priorität. „Wir haben eine gute Partylocation – aber wir sind auch kein Club“, betont Meier. „Ich finde es schade, wenn die Sumpfblume nur als Partytempel gesehen wird.“ Klar brächten funktionierende Partys Geld ein. „Und Party ist auch Austausch und Kultur“, befindet Meier. Deshalb gebe es ja auch ein-, zweimal im Monat entsprechende Angebote.

Ohne Fördermittel wäre das Plus Pflicht

Aber die Sumpfblume, führt Meier aus, sei zuallererst ein soziokulturelles Zentrum. Vielleicht sei dieses Ideal von der Soziokultur, das die Sumpfblume verfolgt, in der öffentlichen Wahrnehmung etwas in den Hintergrund geraten, mutmaßt Meier.

Soziokultur, das bedeute: „Kultur von allen für alle – niemand wird ausgeschlossen.“ Ein soziokulturelles Zentrum sei eben kein reines Veranstaltungszentrum, sondern habe auch „niedrigschwellige Angebote“, „ohne den Laden vollmachen zu müssen“. Und eben deshalb sei die Sumpfblume auf Fördergelder angewiesen.

„Ohne Fördermittel wäre es kein soziokulturelles Zentrum mehr, weil die Angebote nicht mehr zu leisten wären“, sagt Meier. „Es würde bedeuten, dass wir nur noch Künstler mit Rang und Namen holen könnten und so kalkulieren müssten, dass immer ein Plus erwirtschaftet wird. Dann aber hätte die Sumpfblume „kein buntes, innovatives und alternatives Programm mehr“. Schließlich sei bei so einem Programm davon auszugehen, dass bestimmte Veranstaltungen nicht ausverkauft sein werden „und vielleicht auch mal nur 30 Leute kommen“. Aber die hätten „eine gute Zeit, lernen vielleicht neue Leute kennen, führen interessante Diskussionen und gründen vielleicht sogar ein neues Künstlerkollektiv“. Und die nächste Veranstaltung falle dann eben wieder größer aus.

Linda Meier sieht die Sumpfblume gut aufgestellt. „Wir wollen auf die Bedürfnisse der Bürger eingehen und nehmen die Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels an“, sagt sie.

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