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In Hameln wird jede Eintrittskarte mit 28 Euro subventioniert

Was darf Theater kosten?

Hameln. Der Bund der Steuerzahler schlägt Alarm: Die „hohe Dauersubventionierung der Theaterlandschaft“ halte ungebrochen an. 156,6 Millionen Euro seien in der Spielzeit 2013/2014 in Niedersachsen geflossen. Doch die Theaterfinanzierung dürfe den Steuerzahler „nicht unzumutbar belasten darf“, betont Bernhard Zentgraf, Landesvorsitzender des Steuerzahlerbundes. Auch in Hameln ist der Zuschuss für das Theater ein Dauerthema.

veröffentlicht am 28.09.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 03.03.2016 um 09:12 Uhr

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Autor:

Frank Henke und Andreas Timphaus

Die deutlichen Worte der Steuerschützer werden im Theater Hameln dennoch relativ gelassen vernommen. Der Grund: In der Auflistung von neun niedersächsischen Häusern taucht Hameln gar nicht auf. Verglichen wurden nur Theater mit eigenen Ensembles, Hameln jedoch hat ein reines „Bespieltheater“. Wer hier auf der Bühne steht, ist nur zu Gast, feste Personalkosten fallen für die Künstler nicht an.

Gleichwohl lässt sich auch in Hameln über Zahlen sprechen – über rote zumeist: Etwa 510 000 Euro nimmt die hiesige Bühne im Jahr durch den Ticketverkauf ein. Doch dem stehen Kosten gegenüber: 1,08 Millionen Euro jährlich kostet das Theater allein betrachtet. Hinzu kommen aber noch Personalkosten in fast gleicher Höhe – 1,09 Millionen Euro. Diese gelten jedoch für den gesamten städtischen Veranstaltungsverbund, also auch für Rattenfänger-Halle und Weserbergland-Zentrum. Mitarbeiter sind – zumindest teilweise – in allen drei Veranstaltungshäusern im Einsatz. Im vergangenen Jahr lag der Gesamtzuschussbedarf für den Veranstaltungsverbund bei 1,67 Millionen Euro. Der Zuschuss allein für das Theater wurde zuletzt mit rund 1,2 Millionen Euro angegeben.

Bei jedem einzelnen Theaterticket legt die Steuerkasse drauf. In Hameln sind es durchschnittlich 28 Euro pro Besucher. Ein moderater Wert, verglichen etwa mit dem Staatstheater in Hannover. Dort sind es 135 Euro pro Ticket. Natürlich schlagen dort die Kosten für die Ensembles zu Buche. Zugleich kann die Bühne in der Landeshauptstadt dafür auch mit mehr als 400 000 Besuchern pro Spielzeit aufwarten – aus Hamelner Sicht eine andere Hausnummer: An der Weser besuchen im Schnitt 50 500 Kulturfreunde das Theater.

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Aufmuntern mag Hamelner vielleicht der Blick nach Celle. Das traditionsreiche Schlosstheater leistet sich dort ein eigenes Ensemble. Jedes Theaterticket wird etwa doppelt so hoch subventioniert wie in Hameln – mit 55 Euro. Bei den Besucherzahlen indes hält sich Hameln fast auf Augenhöhe: Knapp 15 000 Besucher mehr kommen ins Celler Schlosstheater.

Doch ein Theater ist kein Karussell auf dem Jahrmarkt. Sprich: Es geht nicht nur um den Profit. „Das Theater Hameln ist der größte Kulturanbieter der Region“, betont die Theaterleitung, „es gehört zur kulturellen Identität der Stadt.“ Es habe „einen Bildungsauftrag, der sich in der Spielplangestaltung und in theaterpädagogischen Beiprogrammen niederschlägt“. Zudem sei es „als Standortfaktor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“.

Patentrezepte, wie Theater mit weniger staatlichen Zuschüssen auskommen könnten, werden gesucht. „Höhere Entgelte, Kooperationen oder Zusammenschlüsse“, empfiehlt der Steuerzahlerbund pauschal. In Hameln wird bereits seit einem Jahrzehnt immer mal wieder über die Rechtsform des Theaters diskutiert. Oberbürgermeister Claudio Griese (CDU) schließt eine Änderung nicht aus. Ähnlich wie die Kreisabfallwirtschaft könnte das Theater ein Eigenbetrieb werden, nicht mehr – wie bisher – eine klassische Abteilung der Stadt. Klären soll dies eine Untersuchung der Hamelner Verwaltungsstruktur. Vom Rat beauftragte Gutachter brachten schon vor zwei Jahren noch eine andere Variante ins Gespräch: Das Theater könne – nach langem Vorlauf – zu einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft werden: Bürger, Unternehmen und Vereine könnten Anteile am Theater übernehmen. So könnten die Hamelner im Grunde selbst entscheiden, was ihnen ihr Theater wert ist.

*Das Theater Hameln ist das einzige Haus in der Liste ohne eigenes Ensemble.

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