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Gebäude an der Deisterstraße steht seit Jahren leer

Wann kehrt wieder Leben ins frühere „Scala“-Kino ein?

Bauprojekte werden vor allem an der Optik bemessen – wie der Entwurf für das „Haus der Wirtschaft“. Aber was ist schön? Und was ist hässlich? Wir wollen mehr über Architektur und Zeitgeschmack herausfinden und zeigen einige Gebäude, die das Stadtbild Hamelns prägen. Heute: Das frühere „Scala-Kino“ an der Deisterstraße.

veröffentlicht am 03.06.2016 um 17:01 Uhr
aktualisiert am 07.06.2016 um 10:18 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus

HAMELN.An der weiß getünchten Fassade, die von der ursprünglich verglasten Front kaum noch etwas erahnen lässt, haben wechselnde Mieter ihre Spuren hinterlassen. So warb einst das „Hähnchenhaus“ mit dem Slogan „Einmal essen – nie vergessen“ um Kunden. Links vom verrammelten Haupteingang hat sich der griechische Imbiss „Dionisos“ verewigt – „überbackene Gerichten, Suflaki, Bifteki“ gibt es hier aber schon lange nicht mehr. Auch das Vogelnest neben der Tür zum Imbiss ist verlassen. An der Front blättert schwarze Folie ab, rechts hängen zerfledderte Plakate und kündigen Veranstaltungen an, die längst über die Bühne gegangen sind.

Im Moment macht das Gebäude einen heruntergekommenen Eindruck und sorgt immer wieder für Ärger, weil sich vor dem Eingang allerlei Unrat und Dreck ansammelt, für den sich niemand wirklich zuständig fühlt. Viele Hamelner fragen sich schon lange: Wann kehrt wieder Leben in die „Scala“ ein? Seit vielen Jahren herrscht Leerstand im ehemaligen Kino, in dem einige Zeit eine Diskothek beheimatet war und das zuletzt nur noch gelegentlich für Partys genutzt wurde. Seit kurzem werden wieder auf verschiedenen Immobilienportalen zwei Gewerbeeinheiten in dem 1952 eröffneten Bauwerk zur Miete angeboten.

Es ist nicht der erste Versuch, das „Scala“ zu vermieten. Ins Internet gestellt wurden die Anzeigen von der Capera Immobilien Service GmbH, die ihren Hauptsitz in Neu-Isenburg hat. Die zuständige Verwalterin, Stefanie Blaeß, teilt auf Anfrage mit, dass die Vermittlung der Immobilie „nicht gerade einfach“ sei. „Das Gebäude ist sehr groß. Die Vermarktung gestaltet sich schwierig. Die Nachfrage ist gering“, sagt sie. Hameln sei nun mal keine Großstadt und deshalb nicht besonders attraktiv für Mieter einer solchen Immobilie. Aber schreckt nicht auch der verwahrloste Eindruck mögliche Interessenten ab? „Wir verwalten das Gebäude für die Eigentümer. Sie sind bereit, in das Objekt zu investieren – aber nur, wenn sich zuvor neue Mieter finden“, erklärt Blaeß.

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  • Ein Blick in das frühere Foyer im Obergeschoss des Gebäudes. Foto: Renate Loges
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  • Die Front des früheren „Scala“-Kinos hat ihren Charme verloren. Das Gebäude verfällt. Foto: Dana
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  • Das „Scala“-Kino kurz nach der Eröffnung im Jahr 1952. Bei der ersten Aufführung wurde der Film „Grün ist die Heide“ gezeigt. Foto: Archiv

Eigentümer des Gebäudes ist die Wallace Properties Sàrl. Bei dem Unternehmen aus Luxemburg handelt es sich laut Handelsregister um eine Beteiligungsgesellschaft, die im Immobiliensektor investiert. Wallace Properties hatte die „Scala“ vor einigen Jahren von den Erben des Schlachtermeisters Fritz Mensing gekauft. Der ehemalige Ratsherr und zwischen 1949 und 1961 Abgeordnete des Bundestags ließ das Kino für 450 Zuschauer vom Hamelner Architekten Wilhelm Vollmer bauen.

Die „Scala“-Immobilie ist in drei Einheiten aufgeteilt, von denen momentan zwei zur Vermietung angeboten werden. Für eine 116 Quadratmeter große Verkaufsfläche im Erdgeschoss ruft die Capera eine Warmmiete in Höhe von 688 Euro pro Monat auf. „Vom Grundriss und der Ausstattung her eignet sich diese Gewerbefläche ideal als Pizzeria oder Imbiss-Stube“, heißt es in der Annonce. Aus den beigefügten Bildern, die schon älteren Datums zu sein scheinen, wird ersichtlich, dass es sich um die früheren Räumlichkeiten des Imbisses handelt. Laufkundschaft sei in der „attraktiven Gewerbefläche an einer Hauptverkehrsstraße“ garantiert, verspricht die Verwaltungsgesellschaft. Der Zustand des Objekts wird als „teil- oder vollrenovierungsbedürftig“ beschrieben.

Ein 203 Quadratmeter großer Raum, in dem nach den Bildern zu urteilen ehemals die Diskothek ansässig war, soll monatlich 1215 Euro warm kosten. „Seien Sie kreativ und gestalten Sie Ihr neues Gewerbe“, werden potenzielle Kunden aufgefordert. Das Objekt eigne sich laut Anzeige zur Nutzung als Gaststätte, die Fläche sei einladend und biete durch den guten Schnitt viel Platz zur „Umsetzung Ihrer individuellen Vorstellungen“.

Bei beiden Gewerbeflächen kümmert sich nach Angaben von Capera ein Hausmeister um die Betreuung. Regelmäßig werde bei der Immobilie nach dem Rechten gesehen, erklärt Blaeß. Erst vor zwei Wochen sei sie selbst vor Ort gewesen. Aber warum liegt dann immer so viel Müll im Eingangsbereich? „Wir werden den Hausmeister noch einmal darauf ansprechen“, sagt die Verwalterin. Die Hamelner Stefan Barkow von der Eventagentur „Events, Promotion & More UG“ und Andreas Zänker, bekannt als DJ Andi Z., hatten schon einmal versucht, dem alten Gebäude wieder Leben einzuhauchen. Sie veranstalteten in den Wintermonaten 2013 und 2014 mehrere Partys mit unterschiedlichen Mottos in der „Scala“. Doch nach anfänglicher Euphorie ebbte das Interesse an den Feiern schnell wieder ab.

„Das Objekt ist einfach tot“, bilanziert Barkow resigniert. Als Gründe nennt er die fehlenden Parkplätze, das schlechte Image, das die Örtlichkeit auch viele Jahre nach der Schließung noch habe, sowie das mangelhafte Besucherpotenzial im Hamelner Nachtleben. „Die Leute gehen einfach nicht mehr aus“, meint Barkow. Selbst Diskotheken wie die Nachtschicht in Klein Berkel hätten deshalb Schwierigkeiten. „In jedem kleinen Dorf würden die Leute solchen Einrichtungen die Bude einrennen, nur nicht in Hameln“, sagt Barkow.

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