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Wehrmann: „Mehrheit für einen Neubau“ – Schröder: „Werde nicht zustimmen“

Neues Rathaus? Grüne sind uneins

Hameln. Die Zukunft des Rathauses steht weiter in den Sternen. Bevor ein möglicher Neubau in die Realität umgesetzt wird, sollen sich die Bürger an mehreren Tagen der offenen Tür selbst ein Bild von dem Zustand des Gebäudes und den Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter machen. Die Mehrheit der Grünen befürwortet eine Sanierung.

veröffentlicht am 20.05.2016 um 16:50 Uhr
aktualisiert am 23.05.2016 um 10:20 Uhr

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Autor:

von andrea tiedemann

Wenn man das Rathaus von außen betrachtet, dürften viele Hamelner denken: Sieht doch noch ganz gut aus! Warum dann ein neues bauen? Doch wer tiefer eindringt in die Bausubstanz, versteht vielleicht, warum die Situation für die städtischen Mitarbeiter so jedenfalls nicht bleiben kann, wie sie ist. Um Bürgern das Problem näher zu bringen, will Ursula Wehrmann, Fraktionsvorsitzende der Grünen und stellvertretende Sprecherin der schwarz-grünen Mehrheitsgruppe, Bürger ins Rathaus einladen. Bei einer derart millionenschweren Investition setze man sich sonst leicht dem Vorwurf der Hamelner aus, sich ein eigenes Denkmal auf Steuerkosten gebaut zu haben, warnt sie.

Wehrmann will bei Bürgern Verständnis wecken

Um „Fehler der Vergangenheit“ – zum Beispiel bei der Fußgängerzonensanierung – nicht zu wiederholen, „sollten wir im Falle des Rathauses diesmal auf eine rechtzeitige Beteiligung und Information der Hamelner Bürger achten“, schrieb Wehrmann nun in einem Brief an Oberbürgermeister Claudio Griese (CDU). An mehreren „Tagen der offenen Tür“ sollten sich Hamelner „vor Ort ein umfassendes Bild von dem Zustand des Gebäudes und den Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter machen können“. Bei dieser Gelegenheit könnten den Bürgern dann auch die Wirtschaftslichkeitsuntersuchung der Firma Sikma GmbH, die eine Sanierung im Bestand und einen Neubau verglichen hat, vorgestellt werden. Der erhoffte Effekt: „Die Bürger können Verständnis entwickeln und vielleicht eigene Ideen einbringen.“

Sie persönlich hält einen Neubau, wie von der Verwaltung vorgeschlagen, für richtig, sagt Wehrmann „Im Moment ist die Mehrheit in der Fraktion dafür“, sagt sie, „es gibt aber auch Gegenstimmen.“ Eine solche ist Thomas Schröder. Neben den Sozialdemokraten, die einen Neubau nicht unterstützen wollen (wir berichteten), kündigt auch der grüne Ratsherr an, dem Vorschlag der Verwaltung nicht zustimmen zu können. Er hat gleich eine eigene Wirtschaftlichkeitsanalyse gemacht – und kritisiert die bestehende Untersuchung.

Unter anderem weist er darauf hin, dass die Investitionskosten für die Fälle Sanierung und Neubau an anderer Stelle ähnlich hoch seien. Betriebswirtschaftlich sei der Vorteil eines Neubaus gegenüber der Sanierung eher gering. Zudem sei der Studie ein „Raumbedarf nach dem gegenwärtigen Stand in der Version XXL“ zugrunde gelegt – nämlich eine Erweiterung der Fläche um ein Viertel bei gleicher Beschäftigtenzahl. „Verwaltungsreform, Digitalisierung, demographische Entwicklung“ spiegelten sich im Raumbedarf nicht wieder. Für Aktenräume seien derzeit 500 Quadratmeter Nutzfläche vorgesehen – das werde mit der elektronischen Akte „in spätestens 15 Jahren anderes sein“.

Der Grundriss eines neuen Rathauses müsse – aufgrund der bevorstehenden Änderungen – eine flexible Nutzung zulassen. Falle der zusätzliche Raumbedarf weg oder könne man ihn kostengünstiger auslagern, würde der Preisvorteil eines Neubaus gegenüber einer Sanierung weniger stark ins Gewicht fallen, argumentiert Schröder. Zudem seien die diskutierten Standorte entweder „hoch problematisch“, wie etwa der Bürgergarten, oder „deutlich weniger innenstadtnah“ wie in der Linsingen-Kaserne.

Die Fraktionschefin Wehrmann hingengen hält das Kostenrisiko bei der Sanierung des Altgebäudes für zu hoch – wie sich das entwickeln könne, habe man beim Schulzentrum Nord gesehen. Was die Größe angeht, sollte man „nicht über Bedarf planen“. Sich bei den Büroräumen an gesetzlichen Mindestvorgaben zu orientieren, hält sie für sinnvoll.

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