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Moderner Werbeauftritt, verändertes Partykonzept: Sumpfblume kämpft um jüngeres Publikum

In die Jahre gekommen

Hameln. Alarmstimmung in der Sumpfblume: Das Durchschnittsalter des 1979 gegründeten Kulturzentrums an der Weser hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht und liegt bei über 50 Jahren. Nun kämpft die Sumpfe um ein jüngeres Publikum – und ein wenig auch um ihre Zukunft. Anfang dieser Woche ist das Projekt „Sumpfe 2.0“ gestartet. „Das freut uns sehr, dass es geklappt hat“, sagt Geschäftsführerin Linda Meier. Mit einem modernen Online-Auftritt, Kommunikation über die sozialen Netzwerke sowie neuen Werbeartikeln will sie den Altersdurchschnitt senken. Die Werbeoffensive kostet 16 250 Euro und wird zu 75 Prozent durch die Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur finanziert. Die Volksbank Hameln unterstützt das Projekt ebenfalls. Einen kleinen Eigenanteil steuert die Sumpfe bei.

veröffentlicht am 07.10.2015 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 07.03.2016 um 08:32 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus

Ein Umbruch scheint bitter nötig, glaubt man den Kommentaren auf Facebook zur Sumpfblume. Einem Nutzer drängt sich angesichts des Besucherrückgangs der Verdacht auf, dass nicht wirtschaftlich und vor allem engagiert genug gearbeitet werde. „Eine professionelle Außendarstellung war noch nie die Stärke der Sumpblume“, schreibt er. Nun soll sich vieles ändern.

Eine Veränderung betrifft die konzeptionelle Ausrichtung. 2016 wollen Meier und ihre zehn Angestellten und 20 Servicekräfte das Partyprogramm neu aufstellen. Das ist wohl angebracht. So schreibt Mini Kracht: „Wenn man alle geilen Partys abschafft, darf man sich nicht wundern, dass der Laden nicht läuft.“ Florian Riedel moniert den musikalischen Wandel der vergangenen Jahre, wodurch eine falsche Klientel angezogen worden sei. Auch im Kulturausschuss, in dem Meier ihre Pläne kürzlich vorstellte, regte sich Kritik an der Musik. „Das Programm soll generationsübergreifend gestaltet werden“, verspricht Meier. Doch es gibt auch Besucher, die zufrieden sind. Mareike Radloff bittet die Verantwortlichen: „Opfert eure Originalität und euren Charme nicht der Ökonomie.“

Es ist ein Balanceakt, den Meier leisten muss. Denn die Sumpfe gilt in Hameln als Alternative abseits des kulturellen Mainstreams. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit sieht die Geschäftsführerin in der Soziokultur. „Das ist Vielfalt pur“, sagt Meier und fügt hinzu: „Wir wollen zeigen, was Kultur alles sein kann.“ Ein erster Schritt ist das Projekt „Level 1-5. Junge Kunst im Sumpf“, mit dem sie ab Februar 2016 Künstler wie das Berliner Kollektiv „machina eX“, Autoren wie Franka Schröers oder die Hamburger „Kassettenkinder“ nach Hameln holen möchte. Zudem will Meier, die seit März in der Sumpfblume tätig ist, ein Kulturticket einführen, um durch den Verkauf von Restkarten sozial schwächer gestellte Menschen zu unterstützen. Man führe bereits erste Gespräche. Mehr Studenten der Hochschule Weserbergland (HSW) will sie durch spezielle Fußball- und Spiele-Nächte anlocken, die in Kürze starten.

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  • Linda Meier

Doch alle Bemühungen bringen nichts, wenn die Sumpfblume nicht auch Geld verdient. Das Café ist die Haupteinnahmequelle. Aber eine Umstrukturierung ist schwierig. „Es ist immer einfacher, etwas Neues aufzubauen“, sagt Gastronomieleiterin Claudia Renner. Ein erster Schritt sei mit der Vereinheitlichung der Öffnungszeiten auf 16 Uhr gemacht. Bislang hätten viele nicht gewusst, wann die Sumpfblume eigentlich geöffnet habe. Der Außenbereich wurde durch neue Möbel und Lichterketten attraktiver gestaltet, berichtet Meier. Zudem wollen die Verantwortlichen eine engere Verbindung von Kultur und Essen erreichen. Dazu soll die Speisekarte auf regionale Produkte umgestellt werden – was aber auch mehr kostet.

Ob das Publikum bereit ist, für bessere Qualität mehr zu bezahlen, soll ein Fragebogen beantworten, der derzeit in der Sumpfblume ausliegt.

Junge Menschen in der Sumpfblume – wie hier 2012 bei einem Konzert von Jennifer Rostock – sind inzwischen eine Seltenheit. Das soll sich künftig ändern.fn

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