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Neuer Vorschlag für die künftige Nutzung

Hochzeitshaus als „Haus der Künste“

HAMELN. Ideen für das Hochzeitshaus gab es schon so manche. Das Problem: Jede dieser neuen Nutzungsideen würde viel Geld kosten. Nun bringt Ute Fehn, Geschäftsführerin des Landschaftsverbandes Hameln-Pyrmont, einen neuen Vorschlag auf den Tisch. Sie sähe gerne das Hochzeitshaus als „Haus der Künste“ mit Leben gefüllt. Allerdings: ohne größeren Umbau.

veröffentlicht am 01.11.2016 um 14:49 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 19:21 Uhr

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Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite

Gastronomie, ein Museum oder ein Bürgersaal, vielleicht dazu im Erdgeschoss das Bürgeramt? Zeit, Ideen für das Hochzeitshaus zu entwickeln, war reichlich: Seit gut neun Jahren steht das 399 Jahre alte Renaissance-Bauwerk größtenteils leer. Daran hat sich vor allem darum nichts geändert, weil jede dieser neuen Nutzungsideen Geld kosten würde – viel Geld, das Investoren oder die öffentliche Hand berappen müssten. Wie viel allein die Entfernung der für die Erlebniswelt Renaissance errichteten Innenkonstruktion – das „Haus im Haus“ – und ein neuer Innenausbau kosten würden, weiß noch niemand zu sagen.

Ute Fehn, Geschäftsführerin des Landschaftsverbandes Hameln-Pyrmont, bringt nun einen neuen Vorschlag auf den Tisch. Sie sähe gerne das Hochzeitshaus als „Haus der Künste“ mit Leben gefüllt. Allerdings: ohne größeren Umbau. Sie plädiert – sei es mittel- oder langfristig – dafür, das ungeliebte „Haus im Haus“ weiterzunutzen. So wäre das Hochzeitshaus nach Fehns Vorstellung belegt:


Erdgeschoss: Hier wäre Platz für Gastronomie. Obgleich sich die Landschaftsverbandschefin der Einschränkungen bewusst ist. „Die vorgesehene Küche ist klein und reicht eigentlich nur für Convenience-Produkte“, für vorgefertigtes Essen also. Es sei schon viel darüber geredet worden, welche Art Gastronomie nicht gewollt sei, sagt Fehn, Frage sei aber letztlich wohl: „Welcher Gastronom will denn so was?“ In Kneipe oder Restaurant könnte dann vielleicht auch noch Raum für kleinere Konzerte sein. Das hatte erst kürzlich beim Auftritt von Wingenfelder – organisiert vom Landschaftsverband – bestens funktioniert.


1. Obergeschoss: Hier könnten nach Fehns Vorstellung wechselnde Kunstausstellungen stattfinden – etwa in Kooperation mit dem Hamelner Kunstkreis. Den könnte Ausstellungsfläche mitten im touristischen Herzen der Stadt vermutlich reizen. Klaus Arnold, Vorsitzender des Kunstkreises wie des Museumsvereins, bleibt vorsichtig, kann sich Wechselausstellungen und Vorträge im Hochzeitshaus grundsätzlich aber gut vorstellen. Verbunden mit einem simplen gastronomischen Angebot: „Ein Glas Wein, Wasser oder Kaffee.“

2. Obergeschoss: Hier wird nach Fehns Idee eine Dauerausstellung präsentiert. Gezeigt werden könnten Querschnitte aus den Nachlässen heimischer Künstler. Immer wieder wollten Künstler ihre Werke dem Landkreis vermachen – dem das jedoch nicht unbedingt Freude bereitet. Denn Gemälde lassen sich nicht in den Aktenkeller stapeln: Spezielle Schränke müssen her, dass Raumklima muss stimmen. Warum also nicht zeigen, was man hat, statt es lediglich kostspielig einzumotten? Werke von Josef Apportin und Kollegen könnten hier zu sehen sein.


3. Obergeschoss: In der obersten Etage schwebt der Chefin des Landschaftsverbandes ein offenes Atelier vor. Über die Kulturstiftung Hameln oder den Landschaftsverband könnte ein Stipendium für Künstler ausgelobt werden, die dann unter dem Dach des Hochzeitshauses arbeiten. Vielleicht sei aber auch eine Kooperation mit der Jugendkunstschule möglich, sagt Fehn.

So weit der Vorschlag. Frage ist nun, ob er sich umsetzen ließe. Klaus Arnold verweist auf Probleme mit Brandschutzauflagen. Ein erstaunliches Phänomen angesichts eines gerade mal vor elf Jahren abgeschlossenen Umbaus. Zudem sei wohl bei der Beseitigung der Erlebniswelt-Installationen nicht gerade zimperlich vorgegangen worden, wovon unschöne Reste und Beschädigungen zeugen.

Neue Fußböden und „ein paar Eimer Farbe“ sieht Fehn vor allem als fällige Investitionen, um das Hochzeitshaus im Sinne eines „Hauses der Künste“ umzugestalten – jedenfalls ginge das Ganze wohl „ohne größere Umbaumaßnahmen“ vonstatten. Geld könnten Gastronomie oder auch Eintrittsgelder bringen. Es würde wohl „keine Goldgrube“, sagt Fehn, könnte aber genug einbringen, um die Heizkosten zu decken. Landrat Tjark Bartels (SPD) und Oberbürgermeister Claudio Griese (CDU) hat sie ihre Idee bereits vorgestellt.

Fehns Konzept liege vor, bestätigt die Hamelner Verwaltung, grundsätzlich seien Umbaumaßnahmen aber „stark davon abhängig, welches Konzept zukünftig verfolgt werden soll“. Falls etwa jedes der vier Geschosse einzeln genutzt werden solle, müssten unter anderem Sanitär-, Elektro-, Lüftungs- und Heizungsanlagen getrennt und erneuert werden – doch so eine getrennte Nutzung sieht Fehns Vorschlag nicht vor.

Weiterhin müsse, so die Hamelner Verwaltung weiter, ein komplett neues Brandschutzkonzept erarbeitet werden. Die Notstromversorgung müsse ebenfalls sichergestellt werden. Genauere Fragen könnten aber „ohne ein konkret vorliegendes Konzept, welches Zustimmung von Verwaltung und Politik erhält, nicht allgemeingültig beantwortet werden“, heißt es. Gleichwohl: Nach schwindelerregenden Millioneninvestitionen klingt Fehns Idee nicht.

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