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Trauriges Jubiläumsjahr 2017?

Hamelner Hochzeitshaus noch immer ohne Perspektive

HAMELN.Zehn Jahre ist es im Oktober 2017 her, dass die grandios gescheiterte Erlebniswelt Renaissance ihre Türen schloss. Der Großteil des Postkartenmotivs Hochzeitshaus beherbergt seitdem im Wesentlichen: gar nichts. Wird sich daran im Jubiläumsjahr etwas ändern?

veröffentlicht am 30.10.2016 um 15:33 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 11:32 Uhr

Für das Hochzeitshaus gibt es nach wie vor keine konkreten Pläne für die Nachnutzung. Foto: Dana
Frank Henke

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Frank Henke Redaktionsleiter zur Autorenseite

Diese Zahl macht etwas her: Zum 400. Mal jährt es sich im kommenden Jahr, dass das Hamelner Hochzeitshaus fertiggestellt und seinem Zweck übergeben wurde. Oder eigentlich: seinen Zwecken. Festsaal, Waffenkammer, Apotheke, Weinschenke, Stadtwaage – alles unter einem Dach. Seit zehn Jahren gibt es für Hamelns prägnantes Gebäude kein Nachnutzungskonzept. Den großen Wurf erwartet – zumindest in absehbarer Zeit – wohl niemand. Dabei wurde doch vom Rat der Stadt ganz offiziell und bei nur einer Enthaltung beschlossen, was man sich im Hochzeitshaus so wünscht: Das Standesamt solle bleiben, Erdgeschoss und falls erforderlich auch die erste Etage Gastronomie beherbergen. Die oberen Etagen sollen öffentlich genutzt werden – vielleicht als Bürgersaal, für den sich der Bürgerverein Hochzeitshaus seit Jahren einsetzt. Für die Gastronomie im unteren Bereich wurde ein Architektenwettbewerb beschlossen – aber nie durchgeführt. Der Beschluss ist – noch eine imposante Jahreszahl rund ums Hochzeitshaus – inzwischen drei Jahre alt.

Gültig sei der Ratsbeschluss aber sehr wohl noch, heißt es aus der Stadtverwaltung dieser Tage. Auch mache sich diese „weiterhin Gedanken“ über die Nutzung des Renaissance-Bauwerks – was immer das konkret bedeuten mag. Doch letztlich krankt es an Zeit und Geld. Sporthalle Nord, Schulzentrum Nord, Britengelände, Rathaus – an Immobilien-Themen besteht in Hameln eben kein Mangel. Vereinzelt habe es in den vergangenen Jahren Interessenten am Hochzeitshaus gegeben, deren Pläne hätten sich jedoch „nicht weiter konkretisiert“, teilt eine Rathaus-Sprecherin mit. Alles Weitere sei Entscheidung des neuen Rates, der am 16 November zum ersten Mal zusammenkommt. Im Wahlkampf war das Haus kein größeres Thema.

Werden nun also im Jubiläumsjahr 2017 entscheidende Weichen für das Hochzeitshaus gestellt? Daran zu glauben, fällt schwer. Denn ohne Millionen-Investitionen lässt sich ein Projekt wie der vom Bürgerverein angestrebte repräsentative Bürgersaal nicht realisieren. Allein schon die für die Erlebniswelt errichtete dreistöckige Innenkonstruktion – das „Haus im Haus“ – zu entfernen, wird eine finanzielle Herausforderung.

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Doch wenn es schon nicht der große Wurf zum Jubiläum sein kann, dann vielleicht ja ein kleiner – oder viele kleine: Was ließe sich also im jetzigen Rahmen anfangen?

In diesem Monat spielten Wingenfelder ein ausverkauftes Konzert vor gut 100 Zuschauern, veranstaltet im Rahmen der Reihe „Schlägermusik“. „Warum gibt’s das nicht häufiger?“, fragte mancher Gast. Der Kirchenkreis lud zuvor zur Ausstellung „Religramme – Gesichter der Religionen“ samt Rahmenprogramm ins Hochzeitshaus.

Ausstellungen wurden im Erdgeschoss ohnehin schon so einige gezeigt: von Hundertwasser über Marilyn Monroe bis Uli Stein. Von Anbietern eingekauft und genau deshalb auch wieder eingestellt – sie kosteten mehr, als sie einbrachten. Doch grundsätzlich: Konzerte, Ausstellungen – geht in dieser Richtung nicht noch mehr?

„Wir haben das Thema Hochzeithaus nicht aus den Augen verloren und können uns auch für das Jubiläumsjahr vorstellen, verschiedene Aktionen zu planen“, versichert eine Rathaus-Sprecherin. Auch Oliver Meinecke, als Hallenmanager bei der Hameln Marketing und Tourismus GmbH für das Haus zuständig, spricht davon, dass „Ideen entwickelt“ werden.

Immerhin: Zum diesjährigen Weihnachtsmarkt wird die Lila Bühne im Hochzeitshaus Puppentheater spielen. Ein weiteres Projekt zum Weihnachtsmarkt sei in Planung, heißt es.

Für das Jubiläumsjahr stehen drei Konzerte im Kalender: Marwan Abado, palästinensischer Poet und Lautenspieler, gastiert am 21. Januar, Apparatschik spielen am 17. Februar ukrainische Technomusik – unter anderem auf Balalaikas – und Uussikuu präsentieren am 17. März finnischen Tango. Drei Abende also, an denen 2017 schon mal keine Tristesse in den 400 Jahre alten Mauern herrscht.

Information

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Die Dewezet wird in den kommenden Wochen Ideen für das Hochzeitshaus beleuchten. Haben Sie auch einen Vorschlag? Dann diskutieren Sie mit auf dewezet.de, unserer Facebook-Seite oder schreiben Sie uns an. Dewezet-Redaktion, Osterstraße 15-19, 31785 Hameln.

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