weather-image
10°

Hameln lässt sich Theater und Stadtbücherei viel Geld kosten

Hameln (ni). Eine Stadt muss Bebauungspläne aufstellen und Personalausweise ausgeben; sie muss Geburten beurkunden, Paare trauen und ihre Straßen zumindest soweit in Ordnung halten, dass sie gefahrlos zu benutzen sind. Sie muss für Kindergärten sorgen, denn die Eltern haben ein Recht auf die Betreuung ihres Nachwuchses in eigens dafür vorgesehenen Einrichtungen. Und die Stadt muss Schulen bauen, denn es besteht Schulpflicht. Angebote wie Theater und Bücherei dagegen rangieren im Kanon städtischer Aktivitäten unter der Rubrik „freiwillig“. Sie können, sie sollen, aber sie müssen nicht sein. Hameln hat beides – und lässt sich diese Horte kulturellen Lebens eine Menge Geld kosten.

veröffentlicht am 08.01.2014 um 17:50 Uhr
aktualisiert am 03.03.2016 um 10:28 Uhr

bucgh

Hameln (ni). Eine Stadt muss Bebauungspläne aufstellen und Personalausweise ausgeben; sie muss Geburten beurkunden, Paare trauen und ihre Straßen zumindest soweit in Ordnung halten, dass sie gefahrlos zu benutzen sind. Sie muss für Kindergärten sorgen, denn die Eltern haben ein Recht auf die Betreuung ihres Nachwuchses in eigens dafür vorgesehenen Einrichtungen. Und die Stadt muss Schulen bauen, denn es besteht Schulpflicht. Angebote wie Theater und Bücherei dagegen rangieren im Kanon städtischer Aktivitäten unter der Rubrik „freiwillig“. Sie können, sie sollen, aber sie müssen nicht sein. Hameln hat beides – und lässt sich diese Horte kulturellen Lebens eine Menge Geld kosten.
 Ohne einen kräftigen Zuschuss aus dem Stadtsäckel käme ein Theaterabend im Haus am Rathausplatz die Besucher teuer zu stehen. Für einen Platz im „Orchestersessel“ müssten sie 54,29 statt 26 Euro bezahlen; und für den „Sperrsitz Reihe 3 bis 5“ statt bescheidener zehn stolze 38,29 Euro hinblättern. Dass es nicht so ist, weil jede Eintrittskarte im Durchschnitt mit 28,29 Euro aus Steuergeldern subventioniert wird, bedeutet für den Etat der Stadt eine jährliche Belastung von rund 1,3 Millionen Euro. Denn mit seinen Einnahmen aus dem Verkauf von Eintrittskarten kann das Theater zur Deckung seiner Gesamtkosten in Höhe von 1,8 Millionen Euro lediglich 490 000 Euro beitragen. Beigesteuert haben diese Summe die knapp 42 000 Besucher bei den insgesamt 132 Vorstellungen der Spielzeit 2008/2009. Eine weitere Einnahme: 55 000 Euro aus der Vermietung des Hauses, von Sponsoren und aus diversen Förderprogrammen.
 Das Teuerste am Theater ist das Personal. Fast 800 000 Euro sind im Jahr fällig für die acht Bühnentechniker und fünf Reinigungskräfte, für die neun Mitarbeiter in der Verwaltung, zwei Azubis und zwölf 400-Euro-Kräfte. Damit sich nicht nur hinter den Kulissen, sondern auch auf der Bühne etwas tut, muss das Theater 635 000 Euro auf den Tisch legen – für den Einkauf von Aufführungen und Konzerten inklusive Nebenkosten für Hotel und Catering. Dritter dicker Brocken: 313 600 Euro für „Büro, Energie, Werbung usw.“ Im Vergleich dazu fällt das Budget für Bauunterhaltung und Instandsetzung mit knapp 70 000 Euro niedrig aus.
 Für die Stadtbücherei in der Pfortmühle macht die Stadt 833 589 Euro locker. Auch hier fallen die Personalkosten für 18 Mitarbeiter auf 14 Planstellen am meisten ins Gewicht. Mit rund 690 000 Euro verschlingen sie den Löwenanteil des Etats. Für die Anschaffung neuer Bücher, und CDs bleiben noch 75 300 Euro übrig. Zur Deckung der Kosten können die Einnahmen aus den knapp 390 000 Entleihungen mit 64 000 Euro nur wenig beitragen,
 Erfreulich in der Bilanz der Bibliothek: Kinderbücher sind von Jahr zu Jahr mehr gefragt, wie sich an der Zahl der Entleihungen ablesen lässt. Sie hat von 61 368 im Jahr 2004 auf 73  850 in 2009 zugelegt. Dass der Lese-Nachwuchs offenbar wieder Gefallen an spannenden Geschichten findet, die auf Papier gedruckt sind, führt Bernhard Greten nicht zuletzt auf die Bemühungen seines Teams zurück: Die Leseförderung in Form von „bestimmt 70 Veranstaltungen im Jahr“, mit denen sich die Bücherei gezielt an die Jüngsten richtet, „trägt Früchte“, ist der Büchereileiter überzeugt.
 Bei den Erwachsenen lässt sich eine solche Tendenz nicht feststellen. Die Entleih-Zahlen für Romane, so Greten, seien immer Schwankungen unterworfen. Komme ein Buch auf den Markt, von dem alle Welt spricht, steigen sie; in einem Jahr ohne einen solchen Renner gehen sie zurück. Mit 390 000 ausgeliehenen Büchern, Zeitschriften und CDs im vergangenen Jahr habe die Bücherei jedoch ihr bisher bestes Ergebnis erreicht – und das, obwohl die Zahl der Stammkunden mit Büchereiausweis von 8444 (in 2004) auf 5600 zurückgegangen ist.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare