weather-image
Wie das Projekt am Stockhof realisiert werden soll – ein paar Meter entfernt von der Weser

Eine Strandbar ohne Strand

Hameln. Eine Strandbar an der Weser – das Thema beschäftigt Hameln schon länger. Jetzt hat die Stadt geäußert, wie sie sich das Projekt vorstellt. Überraschend: Am Ufer des Stockhofs ist die Strandbar nicht realisierbar. Der Stadt schwebt deshalb die Rasenfläche wenige Meter dahinter als Standort vor.

veröffentlicht am 11.04.2016 um 18:46 Uhr
aktualisiert am 12.04.2016 um 16:23 Uhr

270_008_7857443_hm108_Strandbar_Dana_1204.jpg

Autor:

Andreas Timphaus

Stellen Sie sich das einmal vor: Zwischen den Zehen knirscht der Pudersand, es weht eine leichte Brise. In der Hand halten Sie einen Cocktail – stilecht mit Schirmchen – und ihr Blick schweift über das in der Sonne glitzernde Wasser. Die Idee einer Strandbar an der Weser regt einfach zum Träumen an. Die Stadt verspricht sich von dem Projekt eine Initialzündung zur Belebung der Weserpromenade und hatte deshalb zu Jahresbeginn einen Ideenwettbewerb ausgerufen. Momentan wertet die Verwaltung die eingereichten Konzepte aus. Wie viele Bewerber sich gemeldet haben, will die Stadt nicht preisgeben. Ein Sprecher verrät nur soviel: „Wir rechnen mit einem guten Ergebnis.“

Entstehen soll die Strandbar am Stockhof. Auf das Areal zwischen Hotel Stadt Hameln und dem Fähranleger hatte sich die Stadtverwaltung schon länger festgelegt. Unabhängig davon fragen sich jedoch viele Hamelner, ob eine Strandbar dort überhaupt realisierbar ist. Über moosbewachsene Treppenstufen und umgeben von wucherndem Grün geht es an dieser Stelle steil zum Wasser hinab – für viele Beobachter augenscheinlich zu steil. Um ein seicht abfallendes Ufer entstehen zu lassen, müsste der potenzielle Investor einige Lkw-Ladungen Sand auffahren – und wohl viel Geld in die Hand nehmen. Außerdem könnte bei einem solchen Szenario der Hochwasserschutz in die Quere kommen.

Und dann ist da noch die Frage, wie Strandbar und Weserradweg miteinander vereinbar sind. Die Stadt hatte bei der Ausschreibung des Ideenwettbewerbs nur eine Einschränkung genannt: Der Radweg, der direkt über den Stockhof führt, dürfe nicht beeinträchtigt werden. Angesichts der Enge am Ufer ein wohl kaum durchführbares Unterfangen.

270_008_7857225_hm203_Strandbar_wfx_1204.jpg
  • Am Ufer nicht möglich: Die Strandbar zwischen Hotel Stadt Hameln und Fähranleger könnte auf den Rasenflächen des Stockhofs entstehen. Foto: wfx

Auf Nachfrage bringt die Stadtverwaltung Licht ins Dunkel aus Mutmaßungen, Einwänden und Bedenken. „Aufgrund der Lage und des Gefälles am Stockhof ist es gar nicht möglich, dort Sand aufzuschütten. Der Sand würde sich sonst spätestens nach einem Hochwasser in Rinteln wiederfinden. Für die Strandbar würden wir auf die Rasenflächen am Stockhof zurückgreifen. Alles andere wäre utopisch“, sagt der Stadtsprecher. Das heißt aber auch: Im Liegestuhl sitzen und die Füße in die Weser halten, wird nach den Überlegungen der Stadt nicht möglich sein.

Eine Strandbar ohne direkte Verbindung zum Wasser – ist das überhaupt noch eine Strandbar? Für die Stadt ist das offenbar kein Problem. „Der Strand kann auch ein paar Meter entfernt von der Weser beginnen. Es geht doch vielmehr um die Atmosphäre, die eine solche Bar ausstrahlt. Wenn man das Wort Strand nicht nutzen möchte, könnte man auch sagen: ‚Wir wollen ein weiteres gastronomisches Angebot an der Weser etablieren‘“, sagt der Verwaltungssprecher.

Für die Stadt könnte sich die Szenerie wie folgt darstellen: Erst kommt das Weserufer, dann der Weserradweg und dahinter dann die neue Strandbar. Für den Stockhof spreche, dass er zentral gelegen sei. Der Stadtsprecher warnt davor, das Projekt durch etwaige Bedenken bereits im Vorfeld kaputtzumachen und bittet: „Wir sollten jetzt erst einmal die Vorstellung der Pläne abwarten.“

Der Traum von einer Strandbar – er lebt weiter, auch wenn sie wohl ein paar Meter vom Weserufer entfernt realisiert werden könnte.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare