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So plant Hamelns Oberbürgermeister

Gute Vorsätze fürs neue Jahr

HAMELN. Wohin steuert die Stadt in diesem Jahr? Was sind die großen „Baustellen“, die sie sich für die kommenden Monate ankündigen? Welche Planungen für die Stadtentwicklung dauern länger als bisher vermutet? Für die Weserstadt stehen etliche Großprojekte im Jahr 2017 auf der Agenda. Zum Jahreswechsel haben wir mit Oberbürgermeister Claudio Griese (CDU) über zentrale Vorhaben und seine Einschätzungen gesprochen.

veröffentlicht am 01.01.2017 um 18:15 Uhr
aktualisiert am 13.06.2017 um 11:58 Uhr

Die Weser soll in diesem Jahr im Mittelpunkt stehen. Fotos: Dana/Wal
Lars Lindhorst

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Lars Lindhorst Reporter zur Autorenseite


Stadt am Fluss: Da ist in Hameln noch viel Luft nach oben. Seit vielen Jahren wird über eine bessere Anbindung an die Weser, eine bessere Nutzung des Flusses nachgedacht, diskutiert und gestritten. Konkret umgesetzt ist bislang eher wenig. Für Claudio Griese ist die die Nutzung der Weser ein zentrales Thema für 2017, eine Angelegenheit, die ihm „persönlich sehr am Herzen“ liegt, wie er sagt. Seiner Ansicht nach biete das gesamte rechtsseitige Ufer vom Upnor-Gelände, dem ehemaligen Truppenübungsplatz an der Fischbecker Straße, bis zum Hamelner Hafen durchgängig großes Potenzial für die Stadtentwicklung. Die durchgängige Gestaltung des Weserufers sei die „Zielmarke“, die sich aber sicher über Jahre hinweg entwickeln werde. „Das geht nur in einzelnen Abschnitten“, meint Griese. Nicht ohne Grund hat der Oberbürgermeister alle Hamelner zum Neujahrsempfang für Donnerstag, 5. Januar, um 18 Uhr auf den Weserdampfer „Karlshafen“ eingeladen. Damit wolle er ein Zeichen setzen: Die Weser steht 2017 im Mittelpunkt der städtischen Planungen.
„Hameln 2030“ ist ein Projekt, dass von Griese initiiert worden ist. Bislang haben sich nach Angaben der Stadt viele Menschen mit über 2200 Beiträgen zu Hamelns Zukunft beteiligt. Daraus seien 105 konkrete Projektideen entstanden. Der Oberbürgermeister hofft weiterhin auf eine breite Beteiligung der Hamelner Bürger bei der Entwicklung von Zukunftsvisionen. Eine sogenannte Dialogwerkstatt soll am 20. und 21. Januar im Weserberglandzentrum stattfinden.


Offen ist die Nachnutzung der ehemaligen Militärgelände der britischen Rheinarmee – in Teilen zumindest. Während für die Linsingen-Kaserne die gemeinsame Errichtung eines Bildungscampus durch Stadt und Landkreis beschlossene Sache ist, steht der Zeitpunkt der Kasernen-Übernahme noch völlig infrage. Eigentümer des Geländes ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Wie berichtet, gestalten sich die Verhandlungen zwischen Bima, Stadt und Landkreis sehr schwierig. Bislang konnte noch keine Einigung über den Kaufpreis erzielt werden. Griese rechnet nicht damit, dass sich in der ersten Jahreshälfte auf dem Linsingen-Gelände noch etwas tun wird. „Ich hoffe, die Kaufverträge mit der Bima sind bis zum Sommer durch.“

Davon betroffen ist auch der Bailey Park am Reimerdeskamp. Die Stadt plant hier Wohnungsbau, zu einem erheblichen Teil sollen hier auch Sozialwohnungen entstehen.

Steht erneut im Fokus: die Linsingen-Kaserne.
  • Steht erneut im Fokus: die Linsingen-Kaserne.
Die ehemalige Hamelnerin Inken Mende sieht in einer Markthalle im Hochzeitshaus eine Möglichkeit zur Steigerung der Attraktivität der Stadt. Foto: Dana
  • Die ehemalige Hamelnerin Inken Mende sieht in einer Markthalle im Hochzeitshaus eine Möglichkeit zur Steigerung der Attraktivität der Stadt. Foto: Dana

„Gerne mit dem Rat diskutieren“ will Griese über das gegenüberliegende Ravelin-Gelände. Dort sollten eigentlich Photovoltaikanlagen aufgestellt werden, es gibt einen gültigen Bebauungsplan. Doch Photovoltaikparks sind wirtschaftlich nicht mehr so interessant, wie sie es vor Jahren einmal waren. Griese will diese Nutzung deshalb noch einmal überdenken. „Ein vordringliches Thema ist das aber erst einmal nicht“, so der Oberbürgermeister.


Relativ zügig Fahrt aufnehmen könnte die Entwicklung des Hamelner Hochzeitshauses, das 2017 400 Jahre alte wird. Hierbei will sich Griese aber nicht allzu tief in die Karten schauen lassen. Es gebe viele Interessenten, die sich als potenzielle Nachfolger der gescheiterten Erlebniswelt Renaissance bei der Stadt melden würden. Wenige Vorschläge davon sind aus Grieses Sicht aber akzeptabel. Der Oberbürgermeister hält sich in dieser Frage bedeckt und verweist auf einen Ratsbeschluss aus dem Jahr 2013. Damals habe die Politik bereits über die Nachnutzung des Hochzeitshauses befunden: Gastronomie im Erdgeschoss, einen Bürgersaal im zweiten Stock. Offen wäre die Nutzung der dritten Etage im Hochzeitshaus.


Fest steht immerhin: Das Rathaus ist in die Jahre gekommen, sanierungsbedürftig, inzwischen zu klein und in weiten Teilen auch nicht barrierefrei. Kernsanierung oder Neubau? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Spannend bleibt, wie sich der Hamelner Rat, der nun mit wechselnden Mehrheiten operiert, entscheiden wird. Das wird aller Voraussicht nach erst im Frühling etwas werden. Denn zunächst läuft noch ein Bürgerbegehren, das die Wählergemeinschaft Frischer Wind initiiert hat. Die Frist läuft Ende Februar ab. Erst dann entscheidet sich, ob es zur Rathausfrage nicht doch noch einen Bürgerentscheid geben wird. Was die Entscheidung im Rat betrifft, glaubt Griese, dass es „eine Konsenslösung, mit der die unterschiedlichen politischen Lager leben können“ geben kann. Der Oberbürgermeister selbst zieht eine Kernsanierung in Verbindung mit einem Neubau, der „weder im Bürgergarten noch auf dem 164er-Ring“ errichtet würde, in Betracht. „Lediglich eine Kernsanierung des Gebäudes greift zu kurz“, sagt Griese.

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