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„Sprachhilfepool“ vermittelt Menschen, die bei Sprachproblemen und Alltagsfragen helfen

Zwischen zwei Sprachen – zwischen zwei Welten?

Hameln. Es geht nicht ums reine Übersetzen, nein, es geht auch darum, Abläufe im Alltag zu erklären – wenn Margot Wilke-Umbach und Konstanze Schnetzer ehrenamtliche Sprachmittler anfragen, geht es oft auch um Integrationsfragen. „Stillarbeit in der Schule – das ist kulturell bedingt nicht immer sofort verständlich“, sagt Wilke-Umbach. Auch nicht, was ein Elternabend ist. Seit November arbeitet sie daran, einen „Sprachhilfepool“ aufzubauen, um Flüchtlinge zu unterstützten. Doch es geht auch darum, Institutionen und Kontaktpersonen zu entlasten, die sprachlich an ihre Grenzen kommen.

veröffentlicht am 28.03.2016 um 14:08 Uhr
aktualisiert am 29.03.2016 um 16:15 Uhr

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Autor:

von Andrea Tiedemann

„Bislang sind etwa 30 ehrenamtlich engagierte Personen mit mehr als zehn Sprachen bei uns abrufbar“, sagt Schnetzer. neben gängigen europäischen Sprachen sind auch Türkisch, Kurdisch, Arabisch, Ukrainisch, Albanisch, Russisch, Syrisch-Arabisch und palästinensisches Arabisch im Programm. Kommt eine Anfrage, versuchen die beiden Frauen, eine Person zu vermitteln, die zu dem bestimmten Termin Zeit hat. 20-mal seien sie bisher angefragt worden – das Angebot müsse sich wohl erst noch herumsprechen, vermuten sie. Meist seien es allerdings nicht Flüchtlinge selber, die um Hilfe bitten, sondern Einrichtungen. Im letzten Fall war es eine Anlaufstelle für Jugendpsychiatrie, die dringend Unterstützung brauchte. Da das Projekt noch in den Anfängen ist, werden auch noch Sprachmittler gesucht – vor allem mit Kenntnissen in Farsi (persische Sprache), Tigrinya( Amtssprache in Eritrea) und Urdu (Amtssprache in Pakistan). Doch auch in den anderen Sprachen ist jede Hilfe willkommen.

„Bei manchen braucht es ein bisschen Mut, die Sprachkenntnisse auch einzusetzen“, sagt Wilke-Umbach. Große Hilfsbereitschaft gebe es gerade bei den Menschen mit Migrationshintergrund, die selber früher Hilfe in Anspruch genommen haben, berichtet Schnetzer. „Die Bereitschaft, selber zu vermitteln, ist in der Kaserne groß“, beobachtet auch Wilke-Umbach.

Das Angebot, so wird betont, sei „keine Konkurrenz zum Landkreis“. Denn der Begriff des Sprachmittlers sei nicht mit diplomierten Dolmetschern oder freien Übersetzern vergleichbar. Zum einen arbeiten alle ohne Bezahlung, zum anderen gehe es nicht um die reine Übersetzung der Worte, sondern auch darum, Verständnis für die hiesige Kultur zu vermitteln.

Der Rotary Club unterstützt das Projekt mit einer Anschubfinanzierung bis Ende April – ob es darüber hinaus gefördert wird, ist noch offen. „Das entscheidet der neue Präsident“, erklärt Heinrich Fockenbrock, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit.

Sprachmittler-Sprechstunden: Zweimal wöchentlich ist das Sprachmittler-Team im Einsatz: Dienstags zwischen 12 und 17 Uhr oder donnerstags zwischen 10 und 14 Uhr sind die beiden im FiZ, Osterstraße 46, zu finden. Telefonisch sind sie unter 05151/2023462, per Mail unter kontakt@sprachhilfepool.de zu erreichen. Weitere Informationen zu dem Projekt gibt es auch auf www.sprachhilfepool.de

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