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20-Jährige organisiert am Samstag Schweigemarsch in Hessisch Oldendorf

Zeichen gegen Krieg und Mord in Syrien

Hessisch Oldendorf. „Es ist unglaublich, was sich da bei euch tut, wie kann sich die Welt nur so schnell verändern?!“, fragt eine Hessisch Oldendorferin, die seit einem halben Jahr durch Mittelamerika reist. In einer Mail spielt die 22-Jährige auf die Flüchtlingsthematik an, die Welle der Hilfsbereitschaft ebenso wie die fremdenfeindlichen Übergriffe. In der Ferne hat sie sehr schnell die Erfahrung gemacht, wie wichtig Gastfreundschaft ist.

veröffentlicht am 02.09.2015 um 15:48 Uhr

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Autor:

von Annette hensel

Als Fremde kam eine andere junge Frau, Rana, die in Syrien aufgewachsen ist, vor genau einem Jahr nach Hessisch Oldendorf. Bevor sie mit ihren Eltern und ihrem Bruder über Ägypten und Italien nach Deutschland flüchtete, studierte sie in Damaskus Ökonomie. „Wir sind dankbar, hier leben zu dürfen und möchten bleiben, denn hier geht es uns gut, die Menschen sind nett zu uns“, sagt Rana, die nach dem Besuch von Sprachkursen bereits gut Deutsch spricht. Heute ist ihr erster Schultag an der Handelslehranstalt, auf der sie ihr Abitur wiederholen und auf diesem Weg noch besser Deutsch lernen möchte.

Das Schicksal der

Menschen in Syrien lässt Rana keine Ruhe

Doch die 20-Jährige denkt nicht nur an ihr eigenes Weiterkommen, daran, dass sie später wieder ihr Studium aufnehmen will – sie vergisst auch die Menschen in Syrien nicht. Wie wohl alle Migranten verfolgt sie gebannt mit ihrer Familie die Nachrichten aus ihrer Heimat im Fernsehen. „Wir sind traurig, weil es unseren Angehörigen so schlecht geht“, erklärt sie und fährt fort: „Unser Volk erlebt Folter, Gewalt, Raketenbeschuss und Giftgasanschläge, viele Leute, auch Kinder, verlieren tagtäglich ihr Leben.“ Rana lässt das Schicksal dieser Menschen keine Ruhe, sie möchte unbedingt etwas für sie tun. So kommt sie auf die Idee, in ihrer neuen Heimat einen Schweigemarsch zu organisieren. „Damit möchte ich ein Zeichen für den Frieden und gegen Krieg und Mord in Syrien setzen“, betont sie. Bei verschiedenen Institutionen bittet sie um Unterstützung und kommt mit ihrem offenen, freundlichen Wesen der Realisierung ihres Vorhabens, das es so noch nicht in der Stadt gegeben hat, schnell nahe.

Auf einem Flyer lädt sie auf Deutsch und Arabisch zum Schweigemarsch ein, der am Samstag, 5. September, um 12 Uhr von der Marienkirche aus startet und durch die Hessisch Oldendorfer Innenstadt führt. Damit die Geschäftsleute sehen, wer hinter dieser Aktion steht, hat Rana in den Läden der Langen Straße persönlich Flyer vorbeigebracht. „Die Leute waren sehr nett zu mir“, sagt sie.

Auch in Mittelamerika sind Nachrichten aus der Heimat, dem Weserbergland, kostbar, und werden, wenn sie außergewöhnlich sind, sofort kommentiert. „Wie schrecklich – so dicht vor der Haustür“, lautet der Beitrag zum Brandanschlag in Salzhemmendorf – und der Zusatz: „Toll, Ranas Idee mit dem Schweigemarsch, genau so etwas braucht der Landkreis jetzt, ein gutes Zeichen zum richtigen Zeitpunkt.“

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