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Stadt reagiert nicht auf Hilfsangebot für Flüchtlinge – und muss sich nach Anfrage entschuldigen

Wohnungsofferte verschwindet im Ordner

Hameln. Die Stadt Hameln sucht Wohnraum für Flüchtlinge, Marco Kallwitz hat eine Drei-Zimmer-Wohnung im Angebot. Das meldet er bereits im Oktober, doch bis heute steht die Wohnung leer. Die Stadt hat sein Angebot „überblättert“. An die Zeitung gewandt, kommt nun doch noch Bewegung in die Sache.

veröffentlicht am 13.12.2015 um 14:35 Uhr
aktualisiert am 14.12.2015 um 21:23 Uhr

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Autor:

Andreas Timphaus

In der aktuellen Flüchtlingskrise stoßen alle Beteiligten mitunter an Grenzen – Politiker wie Bürger, ehrenamtliche Helfer und auch die Zuwanderer selbst. Für die Städte und Gemeinden ist die Unterbringung der Flüchtlinge – möglichst dezentral in Wohnungen und nicht in Massenunterkünften – ein Kraftakt, der zumeist unter hohem Zeitdruck bewältigt werden muss. Bislang ist der Stadt Hameln diese Aufgabe gelungen.

Doch nicht immer klappt alles reibungslos und ohne Komplikationen. Anfang Oktober startete die Stadt zum wiederholten Male einen Aufruf an die Bürger, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Wenig später meldete sich Marco Kallwitz bei der Stadt. Er wolle helfen, sagte er, nahm mit der verantwortlichen Mitarbeiterin der Verwaltung Kontakt auf und bot eine 66 Quadratmeter große Drei-Zimmer-Wohnung in der Nordstadt an.

An die Zeitung gewandt

– schon kommt Bewegung in die Sache

Doch danach herrschte zwei Monate lang Funkstille. „Bis heute erfolgte keine Rückinfo seitens der Stadt“, wunderte sich Kallwitz, der in Sehnde wohnt, als er sich zu Beginn der vergangenen Woche an diese Zeitung wandte. Er schilderte uns in einer Mail seinen Fall und merkte ironisch an, dass Berichte über Flüchtlinge in Turnhallen und Zelten eingestellt werden müssten, weil sie offenbar nicht der Realität entsprächen.

Doch was ist mit dem Wohnungsangebot von Kallwitz passiert? Gibt es doch noch genügend Wohnraum? Aber warum dann die Aufrufe? Auf Nachfrage bei der Stadt kommt endlich Bewegung in die Sache. Es sei richtig, dass Kallwitz eine Wohnung angeboten habe, die sich als Flüchtlingsunterkunft eigne. „Wir können dort eine dreiköpfige Familie unterbringen“, heißt es aus dem Rathaus.

Und warum hat sich die Stadt dann nicht zurückgemeldet? Der Rathaussprecher antwortet: „Uns ist im Fall von Herrn Kallwitz tatsächlich ein bedauerlicher Fehler unterlaufen.“ Er erklärt: „Wir haben die Wohnung von Herrn Kallwitz bei uns in einen Ordner mit Wohnungsangeboten einsortiert. Leider wurde diese Wohnung dann aber überblättert – um die Wohnungsunterbringung und Wohnungsausstattung kümmert sich bei uns nur ein einziger Mitarbeiter, der momentan aufgrund des Ansturms von Flüchtlingen natürlich sehr viel zu tun hat.“ Ein solcher Fehler dürfe nicht passieren, allerdings könne man so etwas nie hundertprozentig verhindern, sagt der Sprecher.

Im Rathaus freue man sich, dass Marco Kallwitz sich wieder in Erinnerung gerufen habe. Inzwischen habe man Kontakt mit ihm aufgenommen und sich bei ihm entschuldigt. „Wir sind weiter sehr daran interessiert, Flüchtlinge bei ihm unterzubringen“, sagt der Rathaussprecher. Allgemein seien die Aufrufe, Wohnraum zur Verfügung zu stellen, bei der Bevölkerung auf „sehr große Resonanz“ gestoßen, was positiv sei, wie der Sprecher mitteilt.

Angesichts der weiterhin in die Weserstadt kommenden Zuwanderer sucht die Verwaltung noch weiter nach Wohnungen unterschiedlicher Größe – von der Ein-Zimmer-Wohnung für Einzelpersonen bis hin zu großen Wohnungen für Familien. Die Stadt will nach Möglichkeit daran festhalten, die dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge zu gewährleisten.

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