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Landkreis Holzminden plant Notunterkunft in Sporthallen am Schulzentrum für 200 Flüchtlinge

Wohin? Nach Bodenwerder!

Bodenwerder (as). Die Mitteilung kam am späten Donnerstagnachmittag: Die Turnhallen am Schulzentrum Bodenwerder werden für die Aufnahme von Flüchtlingen als Notunterkunft hergerichtet. 200 weitere Flüchtlinge muss der Kreis Holzminden unterbringen, am Samstag werden die ersten 100 in Bodenwerder erwartet.

veröffentlicht am 15.10.2015 um 18:44 Uhr
aktualisiert am 16.10.2015 um 19:08 Uhr

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Hintergrund ist der Hilferuf des Landesinnenministeriums an die Kommunen. Niedersachsen stößt nach Angaben von Innenminister Boris Pistorius (SPD) durch den ungebremsten Zustrom an Flüchtlingen an die Grenzen seiner Aufnahmekapazitäten. Jetzt sollen die Kommunen Amtshilfe leisten – auch der Landkreis Holzminden.

Damit steht der Landkreis vor dem Problem, ganz schnell zusätzliche Notunterkünfte für die Neuankömmlinge einrichten zu müssen. Seit gestern Morgen laufen deshalb die Drähte in der Kreisverwaltung heiß. „Wo gibt es genügend Räume, die wir so kurzfristig bereitstellen können?“, erklärte Sprecherin Marie-Luise Niegel das Dilemma. Am liebsten wäre der Verwaltung ein leeres, ungenutztes Hotel, das sofort bezugsbereit wäre. „Wir klappern alles ab.“ Wünschenswert wäre, dass in dem Notquartier eine Küche existiert, um die Flüchtlinge mit Essen versorgen zu können. Ungenutzte gewerbliche Immobilien, zum Beispiel ein verwaister Baumarkt, würden erst als „dritte Wahl“ in Betracht gezogen. Denn dort müsste noch eine komplette Infrastruktur aufgebaut werden. „Auch unsere Turnhallen kommen in Frage“, sagte die Kreissprecherin noch gestern Vormittag. Am späteren Nachmittag wurde sie dann konkreter: Für die am Samstag erwarteten Flüchtlinge werden die große und die kleine Turnhalle am Schulzentrum Bodenwerder hergerichtet. Vorteil der kreiseigenen Immobilie: „Darüber können wir ganz schnell entscheiden.“ Und in Turnhallen gäbe es immerhin die nötigen sanitären Einrichtungen mit Duschen und Toiletten.

Allerdings sollen die bevorstehenden Herbstferien dazu genutzt werden, andere Unterkünfte zu finden, damit die beiden Turnhallen möglichst bald wieder den Schülern und den Vereinen zur Verfügung stehen können. Kurzfristig heißt das aber auch: Veranstaltungen wie beispielsweise die Handballpartie des TV Bodenwerder am Samstag gegen HSG Lügde-Bad Pyrmont müssen verlegt werden.

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  • Die große Sporthalle – hier werden bald Feldbetten stehen.
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  • Die Sporthallen am Schulzentrum in Bodenwerder werden kurzfristig als Notunterkunft für Flüchtlinge eingerichtet. Die Entscheidung fiel Donnerstagnachmittag. wfx (3)

Die geplante Notunterkunft in den beiden Bodenwerderaner Sporthallen gilt dann als Erstaufnahmequartier. Dafür gelten andere Standards als zum Beispiel für eine Unterbringung im Zentrum für Migration in Eschershausen, das mit seinen 90 verfügbaren Plätzen derzeit fast vollständig belegt ist. Wer als Flüchtling in das Eschershäuser Migrationszentrum kommt, der hat in der Regel das zentrale Erstaufnahme-Verfahren in Braunschweig bereits durchlaufen, kann an Sprachkursen und anderen Angeboten teilnehmen und soll bald eine reguläre Wohnung zugewiesen bekommen. Rund 50 Menschen pro Woche kommen dort an, das wird auch weiterhin so sein.

Bei den jetzt angekündigten zusätzlichen Flüchtlingen ist das anders. Sie kommen direkt aus München oder anderen bundesweiten Auffanglagern, sind noch gar nicht registriert. „Wir wollen beides auch nicht vermischen, um den Überblick nicht zu verlieren“, betont Marie-Luise Niegel. Sobald die neuen Flüchtlinge am Sonnabend in Bodenwerder untergebracht und versorgt sind, sollen sie ab Montag formell erfasst werden.

Ob das Landkreis-Mitarbeiter übernehmen oder dazu Bedienstete aus Braunschweig anreisen, ist noch offen. Fest steht bisher nur, so die Landkreis-Sprecherin: „Was jetzt auf uns zukommt, ist eine neue Herausforderung.“

Zunächst gehe es darum, den Flüchtlingen ein Dach über dem Kopf zu bieten, sie mit Essen zu versorgen und ein Bett zur Verfügung zu stellen. Doch da fangen laut Niegel die Probleme schon an: „Feldbetten stehen kaum noch zur Verfügung, selbst Matratzen sind bereits Mangelware.“ Dennoch dürfte heute mit Hochdruck daran gearbeitet werden, die Sporthallen als Notunterkunft einzurichten.

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