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Politik in der Gemeinde Salzhemmendorf zieht an einem Strang und ruft zu Zivilcourage auf

„Wir stehen an der Seite der Flüchtlinge – jetzt erst recht“

Salzhemmendorf. Nach dem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft zeigt die heimische Politik Flagge, zieht an einem Strang. Gemeinsam haben alle Fraktionen und Gruppen sowie sämtliche Ortsräte der Gemeinde Salzhemmendorf eine Erklärung mit klarer Botschaft verfasst: „Wir wollen, dass der Flecken Salzhemmendorf bunt bleibt und wir stehen an der Seite der Flüchtlinge – jetzt erst recht!“

veröffentlicht am 11.09.2015 um 12:17 Uhr
aktualisiert am 15.09.2015 um 16:38 Uhr

Auszüge der Erklärung im Wortlaut: „Die Mitglieder des Gemeinderates und der Ortsräte sind stolz auf die Menschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Solidarität, mit der die Bürger des Fleckens, Vereine, Verbände und Verwaltung seit Monaten Flüchtlinge und Asylsuchende auch in nicht erwarteter Zahl bislang empfangen und in ihrer Mitte aufgenommen haben und dies auch weiterhin tun. (…) Umso mehr hat uns der rücksichtslose, menschenverachtende und feige Brandanschlag in der Nacht zum 28. August – verübt von Mitbürgern aus unseren Ortsteilen – erschüttert und zugleich beschämt. Diese Tat hat uns gleichzeitig gelehrt, dass die Hassparolen aus dem rechten politischen Spektrum leider auch in unserem Umfeld vereinzelt auf Widerhall stoßen.

Die Menschen in unserer Gemeinde und in der ganzen Region haben mit der Demonstration am Tage des Anschlags eine beeindruckende Antwort auf das schreckliche Geschehen gegeben und damit nachdrücklich bewiesen, dass Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt bei uns keinen Platz haben. Die Welle der Hilfs- und Spendenbereitschaft, die im Kleinen und in der großen Kundgebung gezeigte Solidarität und Menschlichkeit ist ein deutliches Signal an alle: Hass, Gewalt und dumpfe Parolen werden wir nicht dulden. (…) Wir bitten alle Bürger im Flecken Salzhemmendorf um Mithilfe und appellieren an Sie: Lassen Sie nicht nach in Ihrer Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber den Menschen, die aufgrund von Krieg, Verfolgung und tiefer Not zu uns kommen. Gehen Sie als Nachbar, als Verein oder Sportmannschaft, als Kirchengemeinde, als Mitschüler, Lehrkraft oder Erzieher weiter wie bisher offen auf unsere Flüchtlinge und Asylbewerber zu und laden sie sie aktiv in unsere Mitte ein. Die letzten Monate haben gezeigt, dass dieser Salzhemmendorfer Weg ein Gebot der Nächstenliebe und der einzig richtige ist, auf dem Integration zu unser aller Vorteil und Bereicherung gelingen wird. Sie und uns rufen wir zu noch mehr Wachsamkeit und Zivilcourage auf! Treten Sie radikalen Parolen überall, auch in den sozialen Medien, mit Ihrer demokratischen und menschlichen Meinung entgegen. Radikale Hetze, Drohungen und die Aufforderung zu Gewalt gegen Minderheiten und Schwächere sind keine politische Meinungsäußerung, sondern unmenschliche kriminelle Straftaten. Rassistisch motivierte Gewalt und verfassungsfeindliches Handeln können und müssen wirksam polizeilich verfolgt werden. Darum unterstützen Sie die Sicherheitsbehörden bei ihrer Arbeit und schauen Sie nicht weg, sondern melden Sie sich, wenn Sie diesbezüglich Kenntnisse erlangt haben!“red

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