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Flüchtlinge in Hameln: Ankündigungen vom Freitag zum Teil schon überholt

Wie viel Platz ist in der Kaserne?

Über 300 Kriegsflüchtlingen sollen in der Linsingen-Kaserne untergebracht werden, zeitlich begrenzt auf ein Jahr. So hieß es noch am Freitagabend. Danach überstürzten sich die Ereignisse. In Ungarn, in Deutschland, in Hameln. Eine Zwischenbilanz.

veröffentlicht am 08.09.2015 um 17:18 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:16 Uhr

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Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite

Wie viele Flüchtlinge wohnen zurzeit in der Linsingen-Kaserne an der Süntelstraße? 335 Flüchtlinge aus mehr als zehn Nationen leben derzeit in der zur Not- und Übergangsunterkunft umfunktionierten ehemaligen Kaserne. Diese Zahl gab gestern die Landkreis-Behörde auf Anfrage bekannt. Am späten Montagabend waren 242 Frauen, Männer und Kinder mit vier Bussen von München nach Hameln gebracht worden. Am Sonntag hatten hier bereits 93 Zuflucht gefunden.

Wie viele kommen noch? Gerüchte sind im Umlauf, wonach 1000 Flüchtlinge in der Linsingen-Kaserne untergebracht werden. Landrat Tjark Bartels geht davon aus, dass es etwa 800 werden.

Wie viel Platz ist in der Kaserne? Zu Spitzenzeiten waren 850 Soldaten des 28. Pionier-Regiments der britischen Armee in Hameln stationiert. Wie viele davon einst in der Kaserne übernachtet haben, ist jedoch unbekannt.

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  • Die Stationen eines Asylverfahrens im Überblick.

Aus welchen Ländern kommen sie? Nach Angaben des Integrationsbeauftragten Feyzullah Gökdemir stammen die Hilfesuchenden überwiegend aus Syrien. Die Menschen sind aber auch aus Afghanistan, dem Iran, dem Irak, aus Bangladesch, aus Südafrika, Pakistan, Albanien, dem Kosovo und dem Sudan nach Deutschland gekommen. Es gibt noch Flüchtlinge aus anderen Ländern. Offenbar stammen nicht alle Hilfesuchende aus Kriegsgebieten.

Wie lange wird die Kaserne als Unterkunft benötigt? Das weiß wohl derzeit niemand so genau. Hamelns Oberbürgermeister Claudio Griese hat von einer „Zwischennutzung“ gesprochen und gesagt, die Unterbringung der Flüchtlinge in der Kaserne sei auf ein Jahr begrenzt. Man treibe auf dem Gelände die geplanten städtebaulichen Projekte voran. Gerade erst habe die Stadt den Förderbescheid erhalten. Landrat Bartels versicherte, es werde zu keinen Verzögerungen kommen, ohnehin könne erst in anderthalb bis zwei Jahren mit Umbaumaßnahmen begonnen werden. Niemand kann angesichts der sich dramatisch zuspitzenden Situation sagen, wie sich die Situation in einem Jahr darstellen wird.

Wie geht es nach der Ankunft in Hameln für die Flüchtlinge weiter? Sie werden zunächst willkommen geheißen, registriert, von medizinischen Teams untersucht und verpflegt. Ehrenamtliche Feuerwehrleute bringen sie danach zu ihren Zimmern. Der Ärztliche Leiter des Rettungsdienstes, Dr. Jörg Meckelburg, sagt, viele Flüchtlinge seien „extrem ausgemergelt, sehr geschwächt und sehr hungrig“. Unklar ist, wie es weitergeht. „Mit der Ersterfassung beginnt das Asylverfahren“, sagt Landkreissprecherin Sandra Lummitsch. Die Ersterfassung werde aber nur vom Bundesamt für Flüchtlinge durchgeführt. Nach Angaben von Alexander Götz vom Innenministerium in Hannover, handelt es sich bei der Linsingen-Kaserne um eine Not- und Übergangsunterkunft. Nicht um eine Landeserstaufnahmestelle. Dort arbeiten in der Regel Mitarbeiter des Bundesamtes – in Hameln nicht. Möglich, dass die Flüchtlinge von Hameln zu einer Erstaufnahmestelle gefahren werden, damit dort ihr Verfahren in Gang gesetzt wird. Möglich auch, dass Mitarbeiter des Bundesamtes in Hameln eine Außenstelle besetzen. Zum Ablauf eines Asylverfahrens: siehe Grafik.

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