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Julia Niemeyer und Ulrich Behmann bloggen über die Situation im griechischen Flüchtlingscamp

Was Leser über Idomeni wissen wollen

Drei Tagen waren Dewezet-Chefredakteuerin Julia Niemeyer und Chefreporter Ulrich Behmann im nordgriechischen Idomeni. Um sich selbst ein Bild von den Zuständen, dem Leben in der Flüchtlingszeltstadt zu machen. Im ihrem Blog und in den sozialen Netzwerken haben sie über ihre Erfahrungen berichtet und Leserfragen beantwortet:

veröffentlicht am 11.04.2016 um 16:39 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:50 Uhr

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Tomas Krause

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Tomas Krause Onlineredakteur zur Autorenseite

Warum ist die Dewezet in Idimone? Aus dem Blog von Julia Niemeyer:

Manche Fragen, die (auch) vor Ort beschäftigen, sind zu groß, um sie aus der Ferne oder nur anhand ihrer Auswirkung im lokalen Umfeld erschöpfend zu beantworten. Sie verdienen mehr unmittelbare Nähe und mehr persönliche Aufmerksamkeit. Es reicht nicht, ihnen allein durch Nachdenken zu begegnen.

Wie ist es, zu fliehen? Schaffen wir das? Müssen wir das überhaupt schaffen? Was geht uns diese Krise an? Was ist der richtige Weg, damit umzugehen? Alle Antworten, die ich bis jetzt gefunden habe, sind gedachte. Sie entstehen im Kopf – und treffen den Kern der Sache nicht. Das Leid der anderen, das jetzt zu unserer Herausforderung geworden ist, muss nicht nur durchdacht werden, sondern schmerzen, wenn man nach angemessenen Antworten sucht.Ich bin froh, wenigstens auf eine Frage schon jetzt eine Antwort gefunden zu haben, die mich zufriedenstellt.

Warum Idomeni? Weil es sein muss.

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  • Ein Stück Normalität: Junge Männer tanzen. Foto: juni
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  • 15000 Menschen leben in der improvisierten Zeltstadt. Etwa 30 Prozent davon sind Kinder. Foto: ube

Haben die Menschen noch Hoffnung? Auf der Facebook-Seite von Julia Niemeyer:

Die, mit denen ich gesprochen habe, haben noch Hoffnung. Aber keine Vorstellung davon, was sie wirklich erwartet. Es herrscht, soweit ich das mitbekomme, Informationschaos. Also wird abgewartet. Und gehofft. (@Julia Niemeyer)

Aus dem Blog von Julia Niemeyer:

„We hope“, sind die Wörter, die wir in den Gesprächen am häufigsten hören. Die Grenze werde sich öffnen. Schon morgen soll es soweit sein. „Wir warten“. „Müssen Geduld haben“. Ob sie nicht wissen, dass alles viel komplizierter ist? Sie nicken und zucken mit den Schultern. Wir fragen eine Ärztin, die für das griechische Gesundheitsministerium in Idomeni im Einsatz ist, wie die offizielle Informationen verbreitet werden. Sie weiß es nicht. Sie weiß nur, dass niemand den Offiziellen glaubt. Glauben tun die Menschen hier anderen, die „Jemand“ heißen. Jemand hat gesagt, die Grenze werde geöffnet. Es ist leicht zu glauben, was man hofft, und tröstlich, sich diese Hoffnung gegenseitig zu bestätigen. Hoffnung und Geduld sind die einzigen Dinge, die die Menschen in Idomeni im Überfluss haben.

Inhumane Zustände im Camp? Auf der Dewezet-Facebook-Seite:

Inhuman ist das, was wir dort gestern und heute gesehen haben, nicht. Ich kann mir trotzdem nicht einmal vorstellen, so zu leben. (@Julia Niemeyer)

Die Zustände scheinen (im Augenblick, ohne Regen, bei mäßigen Temperaturen und von außen betrachtet) nicht so schlimm zu sein, wie man erwarten könnte. Nach den Aussagen mehrerer Bewohner funktioniert die Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln. Es gibt keine Schlangen vor Toiletten und Duschcontainern. Ärzte und Polizei werden uns gegenüber als freundlich beschrieben. Die Stimmung ist ruhig und die Leute gehen ihren Beschäftigungen nach. (@Julia Niemeyer)

Aus dem Blog von Ulrich Behmann:

Es gibt Dixi-Klos und Duschcontainer. Nur hier und da riecht es streng nach Urin und Schweiß. Obwohl es regnet, versinken wir nicht im Schlamm. Der Boden ist mittlerweile festgetrampelt. Wir hatten Schlimmeres erwartet. Die griechische Ärztin nickt. „Ich auch“, sagt die junge Frau. Sie sei angenehm überrascht.

Wie viele Menschen leben im Camp? Aus dem Blog von Ulrich Behmann:

Neue Schutzsuchende kommen so gut wie gar nicht mehr nach Idomeni. [...] 12000 bis 15000 Menschen sollen sich in der Zeltstadt aufhalten. 30 Prozent seien wohl Kinder. „Gefühlt ist jede zehnte Frau schwanger“, meint Martin (A.d.R Felix Martin ist Anästhesist aus Bremen). Exakte Zahlen gibt es nicht. Es sind nur Schätzungen.

Dürfen sich Journalisten frei bewegen? Auf der Facebook-Seite von Julia Niemeyer:

Hier gibt es ein paar Polizisten, außerdem haben wir gestern einen Frontex-Container gesehen. Angesprochen hat uns bisher niemand, auch nicht, als wir mit einem Taxi einen einsamen Polizeiposten passiert haben. (@Julia Niemeyer)

Wir können uns hier freier bewegen als in der Hamelner Linsingen-Kaserne, um es mal auf den Punkt zu bringen. (@Julia Niemeyer)

Wo wohnt ihr? Auf der Dewezet-Facebook-Seite:

Die Aufnahmen sind direkt aus dem Hauptlager in Idomeni. Jetzt sind wir gerade ca. 7 km entfernt in einem Dorf, dessen Namen ich nicht einmal kenne. Morgen geht es wieder nach Hause. Wir hatten Glück, haben eine kleine Pension 6 km vom Lager entfernt zum Übernachten gefunden. (@Julie Niemeyer)

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