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Eine kurze Chronik der Ereignisse

Vor 100 Tagen kamen die ersten Flüchtlinge in Hameln an

Die Entscheidung fiel am 4. September 2015: Die leerstehende Hamelner Linsingen-Kaserne wird zur Flüchtlingsunterkunft. Wenige Tage später erreichten die ersten Flüchtlinge Hameln. Kommenden Montag ist das 100 Tage her. Die bisherigen Entwicklungen hat die Dewezet in einem umfangreichen Dossier festgehalten. Nun ist es Zeit für eine kurze Chronik der Ereignisse. 

veröffentlicht am 14.12.2015 um 19:32 Uhr
aktualisiert am 15.12.2015 um 13:08 Uhr

Die wartenden Kinder der Bewohnerfamilien treffen auf die Teilnehmer des Laternenumzuges.

 

  • Am 4. September 2015 geben Vertreter vom DRK, dem THW, der Feuerwehr, der Polizei, der Stadt Hameln, des Innenministeriums sowie der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) unter Leitung von Landrat Tjark Bartels im Hamelner Kreishaus der Startschuss: Die leerstehenden Wohnhäuser auf dem Gelände der Linsingen-Kaserne werden sehr kurzfristig als Flüchtlingsunterkunft genutzt.

  • 4.- 6. September: Mit dem Landkreis Hameln-Pyrmont als Betreiber lässt das Niedersächsische Innenministerium vom Deutschen Roten Kreuz eine Übergangsunterkunft auf dem Gelände der ehemaligen britischen Kaserne einrichten. Innerhalb von 24 Stunden rüsten mehr als 100 freiwillige Helfer des Deutschen Roten Kreuzes, Feuerwehr, des THWs, Reinigungs- und Haustechnikunternehmen die seit rund einem Jahr leer stehende Unterkunft her.

    Helfer des Deutschen Roten Kreuzes am Sonntagnachmittag bei den Vorbereitungen zur Flüchtlingsankunft. Foto: Symann
    • Helfer des Deutschen Roten Kreuzes am Sonntagnachmittag bei den Vorbereitungen zur Flüchtlingsankunft. Foto: Symann
    Der organisatorische Leiter, Wilfried Binder, erklärt den Helfern den Aufbau der Stapelbetten.
    • Der organisatorische Leiter, Wilfried Binder, erklärt den Helfern den Aufbau der Stapelbetten. Foto: Symann
    Endlich wieder einfach nur spielen: die Kinderbetreuung für die Ein- bis Sechsjährigen in der Erstaufnahmeeinrichtung. Foto: Symann
    • Endlich wieder einfach nur spielen: die Kinderbetreuung für die Ein- bis Sechsjährigen in der Erstaufnahmeeinrichtung. Foto: Symann
    Die Flüchtlinge zeigen ihre Solidarität mit den Opfern und deren Angehörigen der Terroranschläge von Paris.
    • Die Flüchtlinge zeigen ihre Solidarität mit den Opfern und deren Angehörigen der Terroranschläge von Paris. Foto: Voss
    Die kleine Aisha im Arm ihrer Mutter.
    • Die kleine Aisha im Arm ihrer Mutter. Foto: Symann
    Die Einweihung der neuen Fahrzeuge.
    • Die Einweihung der neuen Fahrzeuge. Foto: Symann
    Die Tee-Aktion der Bewohner fand positiven Anklang.
    • Die Tee-Aktion der Bewohner fand positiven Anklang. Foto: Symann
    Begeistert stürzen sich Bewohner und Helfer auf die Arbeit.
    • Begeistert stürzen sich Bewohner und Helfer auf die Arbeit in der Fahrradwerkstatt. Foto: Symann
    Sozialarbeiterin Pia Bender demonstriert „Deutsch im Koffer“. Zwei der Flüchtlinge vor dem ersten installierten Fernseher in einem der Gemeinschaftsräume.
    • Sozialarbeiterin Pia Bender demonstriert „Deutsch im Koffer“. Zwei der Flüchtlinge vor dem ersten installierten Fernseher in einem der Gemeinschaftsräume. Foto: Symann
    Helfer des Deutschen Roten Kreuzes am Sonntagnachmittag bei den Vorbereitungen zur Flüchtlingsankunft. Foto: Symann
    Der organisatorische Leiter, Wilfried Binder, erklärt den Helfern den Aufbau der Stapelbetten.
    Endlich wieder einfach nur spielen: die Kinderbetreuung für die Ein- bis Sechsjährigen in der Erstaufnahmeeinrichtung. Foto: Symann
    Die Flüchtlinge zeigen ihre Solidarität mit den Opfern und deren Angehörigen der Terroranschläge von Paris.
    Die kleine Aisha im Arm ihrer Mutter.
    Die Einweihung der neuen Fahrzeuge.
    Die Tee-Aktion der Bewohner fand positiven Anklang.
    Begeistert stürzen sich Bewohner und Helfer auf die Arbeit.
    Sozialarbeiterin Pia Bender demonstriert „Deutsch im Koffer“. Zwei der Flüchtlinge vor dem ersten installierten Fernseher in einem der Gemeinschaftsräume.
  • Die ersten 93 Flüchtlinge kommen am frühen Abend des 6. Septembers an. Mit einem großen Schild am Eingangstor „Willkommen in Hameln“ werden die Ankömmlinge begrüßt. Die ehrenamtlichen Helfer führen eine Erstregistrierung, eine medizinische Grundversorgung und eine Unterbringung in die vorbereiteten Zimmer ein.

  • 7. September: Schon kurz nach der Ankunft der ersten Neuankömmlinge rollt die Welle der Hilfsbereitschaft an. Immer mehr Menschen fragen: Wie können wir helfen? Sie bieten Geldspenden, Hilfsmitteln und sogar Arbeitskraft an.

  • 28. September: Das schon zu Beginn eingerichtete Medical Center wird langsam aber sicher von hauptamtlichen Mitarbeitern übernommen. Provisorien werden umstrukturiert und Abläufe an die mittlerweile geordneteren Bedingungen angepasst.

  • 7. Oktober – 7. November:  Rund drei Wochen nach dem Eintreffen der ersten Flüchtlinge wird das Ehrenamt von hauptamtlichen Mitarbeitern des DRK-Kreisverbandes Weserbergland abgelöst. Mittlerweile macht sich Landrat Bartels stark für die Einrichtung einer Familienunterkunft. Hierfür müssen neue Strukturen geschaffen werden. Insgesamt entstehen rund 200 neue Stellen: Dazu gehören Mitarbeiter für die Küche, Verwaltung, Hausmeister, Sicherheitsdienst, Sprachmittler, Pädagogen, Sozialpädagogen und Erzieher. Damit eine Integration der Bewohner stattfinden kann, werden Workshops mit Themen wie „Verhalten in der Gesellschaft“ angeboten. Es werden Sportangebote geschaffen und eine Kinderbetreuung für Ein- bis Sechsjährige eingerichtet. Mittlerweile werden 20 offene Deutschkurse von ehrenamtlichen Helfern angeboten. In jedem der Häuser sind mittlerweile Sozialarbeiterbüros eingerichtet, um näher an den Bewohnern zu sein.

  • 7. November: Die kleine Aisha wird geboren. Sie ist das erste Baby einer Familie, die Zuflucht in der Hamelner Einrichtung gefunden hat. Im Sana-Klinikum erblickt sie das Licht der Welt.

  • 9. November: Ein großer Wunsch der Flüchtlinge wird erfüllt: In den Gemeinschaftsräumen werden Fernseher aufgehängt, um so besser Deutsch lernen zu können.

  • 12. November: Es ist eine logistische Herausforderung: Insgesamt werden 1000 Feldbetten gegen neue Stapelbetten mit Matratzen ausgetauscht. Alle packen mit an: Bewohner, Sicherheitsdienst, Sprachmittler und Leiter.

  • 13. November: Es war ein wirklich magischer und bewegender Moment, als über 400 Teilnehmer des traditionellen Laternenumzugs des Kinderspielhauses und der Dewezet in diesem Jahr auf dem Einrichtungsgelände ankommen und auf die wartenden Kinder und Eltern in der Erstaufnahmeeinrichtung treffen. Es wird geklatscht und gejubelt. Die eine Seite stimmt Laternenlieder an und die andere Seite antwortete mit „Bruder Jakob“, da dies das einzige Lied ist, das schon bekannt ist. Es fließt sogar die ein oder andere Träne der Rührung.

  • 16. November: Einige Bewohner der Hamelner Erstaufnahmeeinrichtung versammeln sich vor der Kaserne und zünden in stillem Gedenken an die Opfer und deren Angehörige der Terroranschläge von Paris Kerzen an und verteilen Rosen.

  • 19. November: Danke Hameln! Mit einer Tee-Aktion vor dem FIZ (Familie im Zentrum) in Hamelns Altstadt bedanken sich Bewohner der Hamelner Erstaufnahmeeinrichtung bei der Bevölkerung.

  • 23. November: Für Kinder und Jugendliche entsteht ein Verkehrsgarten. Im Winter in der Halle, im Sommer im Freien sollen die Kleinen spielerisch die deutschen Verkehrsregeln kennenlernen. Dazu spendet der Treser Club Hameln die ersten Fahrzeuge.

  • 26. November: Mit der Einweihung einer Fahrradwerkstatt wird eine weitere Möglichkeit der Integration geschaffen. Ehrenamtliche Helfer und Bewohner arbeiten hier Hand in Hand und reparieren gespendete Fahrräder. Die Firma Fun Corner sowie die Eugen-Reintjes-Schule aus Hameln spenden Werkzeuge, technisches Gerät und vieles mehr.

  • 6. Dezember: Pünktlich zum Nikolaustag am zweiten Advent gibt es eine Backaktion in der Erstaufnahmeeinrichtung. Initiiert vom Ortsjugendausschuss der IG Metall Verwaltungsstelle Alfeld-Hameln-Hildesheim sowie des Innungsobermeisters des Bäckerhandwerks im Landkreis  werden an diesem Tag mit den Bewohnern Kekse gebacken.

 

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