weather-image
Syrer lobt in Gästebuch an „Wandermanns Eiche“ Aerzen und seine Bewohner

Versteckte Botschaft

Aerzen. „Hallo, mein Name ist Nour und ich komme aus Syrien.“ So beginnt der Eintrag eines Flüchtlings ins Gästebuch an Wandermanns Eiche. Dass Wanderer sich dort verewigen, ihre Eindrücke und Gedanken hinterlassen – genau dafür ist das Buch gedacht. Dass sich dort ein Flüchtling verewigt, ist allerdings neu und zuvor nie da gewesen.

veröffentlicht am 04.01.2016 um 13:57 Uhr
aktualisiert am 18.01.2016 um 13:10 Uhr

270_008_7816512_lkae_0501_Wandermanns_Eiche2.jpg

Autor:

Svenja-A. Möller und Christian Branahl

„Ich kam mit meiner Familie nach Deutschland, da in Syrien Krieg ist. Es ist unser erster Monat in Deutschland. Ich bin sehr froh, in Deutschland zu leben. Die Leute hier sind sehr hilfsbereit und freundlich“, schreibt Nour und entschuldigt sich im nächsten Satz bereits dafür, dass es nicht auf der Landessprache schreibt: „Entschuldigen Sie, dass ich in Englisch schreibe. Ich versuche, die deutsche Sprache zu lernen. Ich liebe Aerzen, es ist ein sehr schöner Ort. Ich hoffe, dass der Krieg in Syrien endet. Bitte beten Sie für mein Land.“

An Wandermanns Eiche erinnern die Aerzener an die Einwohner, die selbst einmal in alle Welt ausgewandert sind und in anderen Ländern eine Heimat gefunden haben. Die Wandermanns Eiche gibt es seit 2001 und geht zurück auf eine Idee von Erich Schütte, der 1958 mit 21 Jahren nach Australien auswanderte. „Als ich 1975 zum ersten Besuch nach Aerzen zurückkam, schnitzte ich meinen Namen in diese Eiche und versteckte unter einem Steinhaufen in der Nähe des Baumes einige australische Münzen“, so Schütte in einer Erklärung, die auch an der Eiche aushängt. Bei einem weiteren Besuch 2001 beschloss Schütte, den Baum „Wandermanns Eiche“ zu nennen und dort an alle ausgewanderten Aerzener zu erinnern. Später wurden auch zwei Bänke und 2005 eine kleine Schutzhütte errichtet. „An den Banklehnen sind und werden Namensschilder der Ausgewanderten angebracht. Es werden aber nur Ausgewanderte dort verewigt, mit denen wir Kontakt hatten und die damit einverstanden sind“, so die Erklärung an der Wandermannseiche. In der Schutzhütte ist das Gästebuch untergebracht.

Mittlerweile gibt es an der Eiche schon das zweite Gästebuch. Nach rund 15 Jahren war das erste Buch so reich gefüllt, dass ein neues ausgelegt werden musste. In das Buch kann sich jeder Wanderer eintragen. „Wir haben viele verschiedene Einträge. Auch aus ganz Deutschland, aus Heidelberg zum Beispiel“, erklärt Frank Schiffling, Vorsitzender des Heimatvereins Aerzen. Er vermutet, dass ortsfremde Wanderer, die sich im Vorfeld über ihren Urlaubsort im Internet informieren, auf die Wandermannseiche stoßen und daraufhin beschließen, sich in das Buch einzutragen.

270_008_7816511_lkae_0501_Wandermanns_Eiche1.jpg
  • Der Syrer Nour lobt in seinem Eintrag die deutsche Gastfreundschaft. cb

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare