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Neue Jobs in der Verwaltung: Wie die Kommunen auf die Ankunft der Flüchtlinge reagieren

Verstärkung gesucht

3000 Flüchtlinge in den Gemeinden des Landkreises Hameln-Pyrmont bis Ende 2016 – so die grobe Schätzung der Verwaltung. Ohne Ehrenamtliche ginge es zurzeit gar nicht, doch das allein reicht nicht. Überstunden sind in fast allen Verwaltungen an der Tagesordnung. Wir haben in den Kommunen nachgefragt, wie den neuen Herausforderungen begegnet wird.

veröffentlicht am 17.12.2015 um 20:48 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:46 Uhr

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Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite

Es geht um Elementares: Vor allem die Beschaffung und das Herrichten von ausreichend Wohnraum und die Betreuung der Flüchtlinge gerade in der Anfangszeit nach der Ankunft bilden nach Angaben der Kommunen das größte Aufgabenfeld und auch die größte Herausforderung. Dazu wird Verstärkung engagiert.

Landkreis

11 neue Mitarbeiter wurden zunächst befristet eingestellt: Neun Verwaltungskräfte, die im Auftrag des Landes tätig sind, und sieben als Flüchtlingssozialarbeiter (davon drei im Auftrag des Landes und vier für Aufgaben des Landkreises). Intern wurden vier Mitarbeiter „umgesetzt“, um die Flüchtlingsaufgaben bewältigen zu können. Inwieweit die vermehrte Flüchtlingsarbeit sich auf andere Bereiche der Verwaltung auswirkt, werde zurzeit untersucht. Voraussichtlich werden weiterer Verwaltungsfachkräfte beziehungsweise Sozialarbeiter erforderlich sein, so die Prognose. Problematisch: Der Landkreis bekommt für die Flüchtlinge Geld vom Land Niedersachsen und vom Bund. Grundlage für die Berechnung der Zahlungen sind jedoch die Flüchtlingszahlen aus dem Vorjahr. Der Landkreis muss also „erheblich in Vorleistung gehen“ und bekommt die „endgültige Erstattung erst in zwei Jahren“. Von welcher Größenordnung auszugehen ist, wird derzeit ermittelt.

Aerzen

Der Flecken Aerzen hat für die Aufgaben der Flüchtlingsbetreuung eine Erzieherin mit einer halben Stelle befristet eingestellt. Darüber hinaus werden laut Bürgermeister Berhard Wagner gegebenenfalls Menschen benötigt, die die Arbeit der Ehrenamtlichen koordinieren, Hilfestellung geben und die sozialpädagogische Betreuung der Flüchtlinge sicherstellen.

Bad Münder

In der Stadt am Deister ist eine Teilzeitstelle mit 20 Stunden „kurzfristig besetzt worden“, erklärt Bürgermeister Hartmut Büttner. Diese ist zunächst auf zwei Jahre begrenzt. Noch nicht absehbar sei, inwieweit besondere Weiterbildungen auch für das vorhandene Personal notwendig werden. Die Aufnahme der Kinder in Kindertagesstätten und Schulen, das Entwickeln von Freizeitangeboten – hiermit befassen sich auch die Vereine und die Arbeitsgemeinschaft der Sportvereine – sowie die Integration in den Arbeitsmarkt sind besondere Schwerpunkte der Arbeit.

Bad Pyrmont

Die Kurstadt hatte mit Start zum 1. Juli eine Vollzeitstelle für eine Asylsachbearbeiterin geschaffen, die zunächst auf ein Jahr befristet ist. Fortbildungen zum Thema Asylbewerberleistungsgesetz und zur Kommunikation mit verschiedenen Kulturen wurden angeboten. Wünschenswert und hilfreich wären laut Stadt „professionelle Dolmetscher und Sozialarbeiter vor Ort“.

Coppenbrügge

Eine halbe Stelle für eine Sozialpädagogin wurde neu geschaffen – für zwei Jahre, durch Landkreismittel finanziert. Diese Stelle teilt sich der Flecken Coppenbrügge mit dem Flecken Salzhemmendorf. „Ein Mehrbedarf an Personal ist derzeit erkennbar, da die Aufgaben des Bürgeramtes in Teilbereichen nicht mehr zeitnah erledigt werden können“, sagt Bürgermeister Hans-Ulrich Peschka.

Emmerthal

In Emmerthal wurde zunächst eine halbe Stelle für die „Organisation Flüchtlingsbetreuung“ inklusive der Unterstützung von Ehrenamtlichen geschaffen. Die Stelle ist zunächst auf ein Jahr befristet, eingestellt wurde eine Ethnologin, was jedoch laut Bürgermeister Andreas Grossmann „Zufall war“. Kurzfristig wurde die aus der halben für drei Monate eine volle Stelle gemacht. In der Gemeinde werden außerdem Dolmetscher und Sprachmittler gesucht.

Hameln

Hameln hat in zwei Abteilungen aufgestockt: Zuwanderung und Wohngeld und in der Abteilung Kultur, Jugend- und Seniorenarbeit. In der „Zuwanderung“ sind vier Stellen neu eingerichtet worden, die mit Verwaltungsfachangestellten besetzt wurden. In der Jugend- und Seniorenarbeit wurden zwei Sozialarbeiter-Stellen eingerichtet, eine davon mit dem Schwerpunkt Integration von Kinder- und Jugendlichen, die andere im Rahmen des Konzepts „Integrationsarbeit in der Stadt Hameln“. Die Stellen wurden ohne Befristung geschaffen.

Hessisch Oldendorf

Die Gemeinde Hessisch Oldendorf stand vor der Herausforderung, dass das Sozialamt aufgelöst worden war und die Flüchtlingszahlen sehr gering waren. Die personellen Strukturen seien daher auf Null zurückgebaut worden und „mussten 2014 wiederaufgebaut werden“. Zunächst standen zehn Stunden für Flüchtlingsaufnahme und Wohnungssuche zur Verfügung, mittlerweile wurde eine volle Stelle geschaffen, die mit Verwaltungsmitarbeiterinnen besetzt wurde. Eine weitere Stelle mit 19,5 Stunden für Flüchtlingssozialarbeit „konnte mangels geeigneter Bewerber bisher nicht besetzt werden“. Gesucht wurden Sozialarbeiter(innen) oder Erzieher(innen). Geplant ist zudem, eine Koordinierungsstelle einzurichten für Ehrenamt und Integration. Die soll aus Drittmitteln kofinanziert werden.

Salzhemmendorf

Eine neue Stelle fürs „Flüchtlingsbüro“ wurde geschaffen, für die eine Sozialpädagogin mit zehn Stunden pro Woche für zunächst zwei Jahre eingestellt wurde. Zusätzlich ist die Freiwilligenagentur in diesem Bereich eingebunden. Für die Unterbringung wurde bislang auf die vorhandenen Strukturen (Fachdienst Ordnung und Unterstützung durch den Bauhof) zurückgegriffen. „Naturgegeben geht der besonders hohe Arbeitsanfall aktuell zulasten anderer Tätigkeiten“, schildert Bürgermeister Clemens Pommerening die Situation. „Speziell auf dem Bauhof (Einrichten der Wohnungen) werden wir zukünftig personell aufstocken müssen.“

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