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Ahmed Abuhusaini hat schnell Deutsch gelernt – jetzt will er helfen

Syrer bietet Hilfe als Dolmetscher an

Aerzen. Ahmed Abuhusaini ist einer von Hunderttausenden Menschen, die vor Krieg und Zerstörung aus ihrer Heimat geflohen sind und in Deutschland Zuflucht gesucht haben. Nun möchte der Syrer etwas zurückgeben von der Hilfsbereitschaft, die ihm von Menschen vor allem in Aerzen entgegengebracht wurde.

veröffentlicht am 25.10.2015 um 13:40 Uhr
aktualisiert am 26.10.2015 um 12:46 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhan

Beim vergangenen „Runden Tisch Asyl“ in Aerzen hat er darum seine aktive Hilfe angeboten. Er möchte zwischen den Aerzener Neubürgern aus dem arabisch sprechenden Raum und den Behörden sowie den ehrenamtlichen Helfern vermitteln, denn er spricht neben seiner arabischen Muttersprache und Englisch bereits gut Deutsch. Und das, obwohl sein offizieller Sprachkurs bei der Deutschen Angestellten-Akademie (DAA) in Hameln, bei dem neben Deutsch und Landeskunde auch ein Bewerbungstraining auf dem Stundenplan steht, erst im September begonnen hat.

Seine guten Vorkenntnisse verdankt der 26-Jährige dem ehrenamtlichen Engagement des pensionierten Lehrerehepaars Walter und Helge Harms aus Aerzen. Für ihre Hilfsbereitschaft ist er ihnen überaus dankbar, wie er betont. Sie wollten eigentlich im vergangenen Jahr in der Vorweihnachtszeit seinen Mitbewohner Basha in der Unterkunft am Tannenweg besuchen und haben bei dieser Gelegenheit auch gleich Ahmed kennengelernt. Seit dieser ersten Begegnung hat der ehemalige Lehrer für Mathematik und Sport den beiden Männern aus Syrien regelmäßig dreimal in der Woche im evangelischen Pfarrhaus Deutschunterricht erteilt.

Der Lernerfolg blieb nicht aus. „In den ersten Wochen war die deutsche Sprache sehr schwer, aber nach zwei bis drei Monaten ging es immer besser“, berichtet Ahmed. „Er lernt gut“, sagt Harms, und wer den ehemaligen Pädagogen in seiner eigenen Schullaufbahn kennenlernen durfte, weiß, welches große Kompliment er da gerade seinem Schüler ausgesprochen hat.

Ahmed stammt aus Daraa, einer fast 100 000 Einwohner zählenden Stadt, etwa 100 Kilometer südlich von Damaskus und fünf Kilometer nördlich der jordanischen Grenze gelegen. Nach Protesten begann dort 2011 der Bürgerkrieg in Syrien. Nachdem sein Vater im Jahr darauf starb, flüchtete Ahmed gemeinsam mit seiner Mutter und seinen zwei Brüdern aus seiner mittlerweile von Bomben zerstörten Heimatstadt nach Libyen, wo seine Schwester lebt. Dort konnte der junge Syrer wieder in seinem Beruf arbeiten. Achmed ist IT-Programmierer, daher resultieren auch seine guten Englischkenntnisse.

Doch der Bürgerkrieg holte die Familie Abuhasaini auch in dem nordafrikanischen Land ein. Wieder verlor Ahmed seine Arbeit und damit jegliche Zukunftsperspektive. Anfang August 2014 fasste er den Entschluss, Mutter und Geschwister in Libyen zurückzulassen und allein die Flucht nach Deutschland anzutreten. „Deutschland, das war für mich immer die Fußball-Bundesliga mit Bayern München und Michael Schumacher“, erzählt Ahmed. Seine Flucht in das Land seiner Sport-Idole begann mit der viertägigen Mittelmeer-Überquerung in einem kleinen Boot gemeinsam mit 500 anderen Flüchtlingen an Bord, wie er erzählt. „Ich hatte große Angst, aber keine andere Wahl“, beschreibt er seine Gefühle, wenn er an die gefährliche Überfahrt denkt. Von Italien aus ging es nach Deutschland ins Aufnahmelager Friedland und von dort am 28. September letzten Jahres nach Aerzen. „Ich liebe Aerzen“, sagt der Syrer, dessen Asylantrag mittlerweile anerkannt wurde, mit Überzeugung. Er ist stets auf die Menschen, die er getroffen hat, offen zugegangen, hat gegrüßt und seine Nachbarn gefragt, wie es ihnen geht. Und er hat schnell versucht, so gut es geht, die deutsche Sprache und Umgangsformen zu lernen und sich zu integrieren. „Das ist ganz wichtig, um wirklich anzukommen“, sagt er.

Und wie unterscheidet sich sein neues Leben in Deutschland von seinem alten? „Es ist alles anders. Ich war völlig überrascht, dass hier der Bus pünktlich kommt“, berichtet der Syrer. Und auch das frühe Aufstehen morgens um 6 Uhr, um pünktlich zu Kursbeginn in Hameln zu sein, fällt ihm nicht leicht. Auch das Essen in Deutschland ist anders als zu Hause bei seiner Mutter, gesteht er offen ein.

 

Seine Hoffnung:

Ein Wiedersehen mit der Familie

Außer seinem geliebten karierten Hemd, seiner Brille und einem Ring, den ihm eine Freundin von der Universität schenkte, blieb Ahmed nichts aus seinem alten Leben. Selbst sein Handy, mit dem er täglich Kontakt zu seiner Mutter hält, ging kaputt, als es auf einem Bahnhof unglücklich zu Boden fiel. Diesen Verlust konnte er mittlerweile ersetzen und mithilfe des neuen Handys kann er nun auch seine Hausaufgaben für den halbjährlichen Deutschkurs erledigen, als Computerersatz.

Nach seinen Wünschen gefragt, sagt Ahmed, dass er nach dem Abschluss seines Sprachkurses eine Arbeitsstelle in der Umgebung und eine kleine Wohnung in Aerzen sucht und sich freuen würde, wenn ihm jemand seinen nicht mehr benötigten Computer überlassen würde. Und mit Wehmut in der Stimme fügt er an, dass er sich von ganzen Herzen ein Wiedersehen mit seiner Familie wünscht.

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