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Verfahren kann sich hinziehen – manchmal hakt es schon an ein paar Buchstaben

Steiniger Weg zur Vormundschaft

Hameln. Rund 70 unbegleitete jugendliche Flüchtlinge sind im Familienerstaufnahmelager in der Linsingen-Kaserne registriert worden. Für jeden Minderjährigen von ihnen muss ein Vormund berufen werden.Doch bis es so weit ist, müssen einige Hürden der Behörden genommen werden.

veröffentlicht am 22.04.2016 um 14:52 Uhr
aktualisiert am 25.04.2016 um 15:21 Uhr

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Autor:

Wolfhard F. Truchseß

Für jeden einzelnen der minderjährigen Jugendlichen aber muss ein Vormund bestellt werden. Auch dann, wenn sie zwar zusammen mit Verwandten leben, diese aber etwa gar kein oder kaum deutsch sprechen. Denn die Vormünder sollen im Asylverfahren wie bei der Integration helfen.

Für einen Teil der Jugendlichen hat das Jugendamt die Vormundschaft übernommen, doch konnte der Landkreis auch 31 ehrenamtliche Vormünder gewinnen, von denen nach Angaben von Landkreissprecherin Sandra Lummitsch mittlerweile 22 vom Amtsgericht Hameln als Vormünder bestellt wurden. Die neun verbliebenen Bewerber befinden sich nach diesen Angaben noch im gerichtlichen Bestellungsverfahren.

Nachname nicht korrekt aufgenommen

Dass sie die juristische Verantwortung für ihre künftigen Mündel noch nicht übernehmen konnten, erklärt Sandra Lummitsch damit, dass die räumlichen, örtlichen oder persönlichen Verhältnisse nicht passend gewesen seien. Einige Kontaktanbahnungen seien etwa daran gescheitert, dass die jungen Menschen noch während der Antragsstellung mit ihren Familienangehörigen eine Zuweisung in andere Landkreise oder sogar andere Bundesländer erhalten hätten.

In einem Fall musste ein Hamelner, der die Vormundschaft für drei Geschwister übernehmen wollte, erleben, dass noch während der ersten gemeinsamen Kontaktaufnahme mit der Sachbearbeiterin des Jugendamtes und einem Sprachmittler die Aufforderung erfolgte, sich unverzüglich auf einen Transport in einen anderen Landkreis zu begeben. Seither wartet dieser Bewerber vergeblich auf seine Bestellung als Vormund, obwohl er schon seit Wochen einen anderen 14-jährigen Jugendlichen aus dem Nordirak betreut und mittlerweile auch dafür gesorgt hat, dass der junge Mann ein kostenloses Busticket besitzt, um von seinem Wohnort in Hameln zum Sprachunterricht ans Vikilu fahren zu können. Auch den Kontakt zu einem Fußballverein hat er hergestellt, für Fußballschuhe, Schienbeinschoner und gemeinsam mit dem Verein für Sportkleidung gesorgt.

Der Hamelner, der seinen Namen hier nicht genannt sehen will, hat sich im Detail Informationen über das noch immer hängende Verfahren besorgt. Die Verzögerung seiner Bestellung liegt offenbar daran, dass der Nachname des jezidischen Jugendlichen bei seiner ersten Registrierung in Friedland falsch aufgenommen worden war. In der Linsingen-Kaserne wurde der Nachname zwar korrigiert, die Korrektur aber offenbar nicht an das Jugendamt des Landkreises Göttingen weitergegeben, das die Vormundschaft für den 14-Jährigen qua Amt übernommen hatte. Zuständig für die Einleitung des Bestellungsverfahrens ist im Landkreis Hameln-Pyrmont das Jugendamt, das den Antrag auf Bestellung des Vormundes auch an die Rechtspflege des Familiengerichts weiterleitete. Dort aber blieb das Verfahren hängen, weil nach Darstellung von Petra Jensen, der beim Jugendamt des Landkreises Göttingen zuständigen Sachgebietsleiterin, das Amtsgericht Hameln sich geweigert habe, seine Bereitschaft zu einer Übernahme des Verfahrens zu erklären. Die Ursache: die für den Fall in Hameln zuständige Rechtspflegerin Vanessa Klein war sich nach eigenen Angaben nicht sicher, ob es sich bei dem ihr vom Jugendamt gemeldeten Jugendlichen um dieselbe Person handele wie bei dem in Göttingen registrierten 14-jährigen. Dass das vom Jugendamt eingeleitete Verfahren zudem bei der zweiten Rechtspflegerin des Familiengerichts gelandet war, weil sie für den Anfangsbuchstaben des korrigierten Nachnamens zuständig war, erschwerte das Verfahren nach Angaben des Hamelners zusätzlich.

Erst seine persönliche Intervention habe dazu geführt, dass die „Hin- und Herschreiberei“, wie er sich ausdrückt, zwischen den beiden Rechtspflegestellen in Göttingen und Hameln habe beendet werden können – die Identität des Jungen sei jetzt geklärt. Der sich persönlich offenbar stark engagierende Hamelner wartet nun darauf, dass er als Vormund bestellt wird und er die erforderlichen rechtlichen Schritte einleiten kann, die zur Anerkennung seines Schützlings als politisch Verfolgtem und damit Asylberechtigtem führen sollen.

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