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Schulen bilden Netzwerk, um erhöhten Bedarf zu organisieren

Starke Nachfrage nach Sprachlernklassen

Hameln. Erst zum Stichtag 15. September wird die Stadt genau wissen, wie viele Kinder in den städtischen Schulen die spezielle Förderung einer Sprachlernklasse benötigen. Denn erst zu diesem Termin werden die Schulen der Verwaltung mitteilen, wie viele Schüler sie aufgenommen haben und wie viele Flüchtlingskinder darunter sind, die einen sprachlichen Förderbedarf haben. Die Stadt erstellt aus den Mitteilungen dann wiederum eine amtliche Statistik. Wenn Schulen einen Bedarf melden, werden wiederum von der Niedersächsischen Landesschulbehörde Sprachlernklassen eingerichtet.

veröffentlicht am 08.09.2015 um 13:17 Uhr
aktualisiert am 09.09.2015 um 17:57 Uhr

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Autor:

Svenja-A. Möller

Was nach ordentlicher deutscher Bürokratie und Verwaltungsarbeit klingt, scheint jedoch einen Haken zu haben: der Weg, der am Ende zur Einrichtung von Sprachlernklassen führen soll, nimmt viel Zeit in Anspruch. Zeit, in der die Flüchtlingskinder schon gefördert werden könnten, in der sie bereits an ihrem sprachlichen Defizit arbeiten könnten, um möglichst schnell mit ihren Mitschülern gleichzuziehen.

Um den Weg zum Ziel ein wenig zu verkürzen und der Sache neuen Antrieb zu verleihen, wollen sich mehrere städtische Schulen nun zusammenschließen, um einen Arbeitskreis zu bilden. „Es soll ein Netzwerk entstehen, in dem Schulen, Verwaltung und andere hilfreiche Stellen zusammenarbeiten können“, erklärt Andreas Jungnitz, Schulleiter des Schiller-Gymnasiums. Dass der derzeitige Weg der zur Einrichtung der Sprachlernklassen führt, nicht der Richtige ist, bestätigt Jungnitz so nicht. „Das läuft keinesfalls falsch, wir wollen es nur so strukturieren, dass es noch besser läuft“, erklärt der Schulleiter des Gymnasiums.

Die Einladung, sich an der Bildung des Arbeitskreises zu beteiligen, ging laut Jungnitz an alle Schulen, die bereits eine Sprachlernklasse haben. Gemeinsam wolle man die Einrichtung und auch die Organisation der Lernklassen „gezielter kanalisieren“ und damit eine „bessere Unterstützung“ liefern. Sprachlernklassen verschiedener Formen gibt es derzeit an der Grundschule Rohrsen, der Klütschule, der Wilhelm-Raabe-Schule, der Theodor-Heuss-Realschule und dem Schiller-Gymnasium. Ziel ist es, dass sich im Arbeitskreis Vertreter der einzelnen Schulen – und der Verwaltung der Stadt – zusammentun und besprechen, wie der Unterstützungsbedarf strukturiert werden kann, an welchen Schulen noch Kapazitäten frei sind und wo vielleicht Verbesserungsbedarf besteht. „Das Ziel muss sein, dass die Kinder schnell hier ankommen“, sagt Jungnitz. Und: „Die Sprachlernklassen sind dafür ein gutes Konzept.“

Das Einrichten von Sprachlernklassen und des Arbeitskreises begrüßt auch Werner Schmidt, Schulleiter der Wilhelm-Raabe-Schule. Die erste Idee, einen Zusammenschluss aller Schulen mit Sprachlernklassen zu bilden, entstammt seiner Erfahrung. „Es ist nun mal auch so, dass wir als Südstadtschule, die höchste Zahl von diesen Anmeldungen haben, weil viele Flüchtlingsfamilien in unserem Einzugsgebiet wohnen“, erklärt Schmidt. Es ginge darum, den vorhandenen Regelungsbedarf untereinander zu verteilen, die Ressourcen gerecht zu nutzen. „Daher haben wir die Sache angepackt, das Gespräch aufgenommen, um alle Schulen ins Boot zu holen“, erklärt Schmidt. Die Idee, nun einen runden Tisch zu bilden, stamme zwar nicht von ihm, grundsätzlich würde er diese Zusammenkunft aber begrüßen. „Ich bin gespannt, wie das funktionieren wird. Die Sache als solche ist aber natürlich notwendig“, sagt Schmidt. Eine Gefahr sieht er jedoch darin, dass man vor lauter „netzwerken“ nicht mehr zum wirklichen Handeln käme.

An der Wilhelm-Raabe-Schule gibt es derzeit zwei Sprachlernklassen mit jeweils 16 Schülern. Am Schiller-Gymnasium eine Klasse mit etwa 12 Schülern. Dass das jedoch nicht ausreicht und in Zukunft nicht ausreichen wird, bestätigen beide Schulleiter. „Grundsätzlich haben wir immer zu wenig Kapazitäten. Vor allem im Primarbereich haben wir erheblichen Bedarf“, sagt Schmidt. Die Organisation rund um die Sprachlernklassen soll durch den Arbeitskreis optimiert werden. „Besonders vor dem Hintergrund dass am Wochenende neue Familien angekommen sind“, sagt Jungnitz. Denn auch wenn von den derzeit 287 Flüchtlingen, die in der Linsingen-Kaserne untergebracht sind (Stand: 8. September), wahrscheinlich nicht alle bleiben werden: Schulpflichtige Kinder werden unter den Neuankömmlingen immer dabei sein. Diese Kinder zeitnah in einer Sprachlernklasse unterzubringen, ist das Ziel. Dauert das Einrichten von Sprachlernklassen durch die Landesschulbehörde jedoch sechs Wochen – wie zuletzt nach den Osterferien am Schiller-Gymnasium – werdem sich alle Schulen schon wieder in den Herbstferien befinden.

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