weather-image
Leer stehende Wohnungen sollen als Reserve dienen / Beckord: „Ein Glücksgriff für Bad Pyrmont“

Stadt will weiter Flüchtlinge aufnehmen

Bad Pyrmont. 100 Wohnungen hat die Stadt Bad Pyrmont für Flüchtlinge angemietet. Doch deren Zahl nimmt ab, die ersten Wohnungen stehen leer. Die Verwaltung will den Bestand dennoch vorerst nicht verringern.

veröffentlicht am 08.04.2016 um 14:38 Uhr
aktualisiert am 25.04.2016 um 15:14 Uhr

270_008_7856423_pn105_0904.jpg

Autor:

VON HANS-ULRICH KILIAN

Immer wieder hatte die Stadt Bad Pyrmont in den zurückliegenden Monaten darum gebeten, ihr Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtlingen anzubieten. Angesichts der ständig steigenden Zuweisungen war das ein drängendes Problem. Sabine Jösten und ihr Team arbeiteten erfolgreich und kreativ. Doch seit die Balkanroute für Schutzsuchende dicht ist und bislang elf Familien aus sicheren Drittländern freiwillig zurückgereist sind, hat sich die Situation geändert. „Überspitzt gesagt: Wir haben Wohnraum und keine Flüchtlinge“, sagte Jösten jetzt im Sozialausschuss des Rates.

Ganz so ist es natürlich nicht. Zurzeit leben 346 Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, in der Kurstadt. 100 Wohnungen verwaltet die Stadt für den Landkreis, der auch die Miete bezahlt. Davon sind sechs Wohnungen und ein Haus unbelegt. „Wir möchten weiter Flüchtlinge aufnehmen, denn die Wohnungen sollen nicht leerstehen“, betonte Jösten. Allerdings werde man vorerst keine weiteren Wohnungen anmieten. Den jetzigen Bestand an Wohnungen will die Stadt als Reserve behalten, denn die weitere Entwicklung der Flüchtlingszahlen sei zurzeit schwer abschätzbar, so die Sozialamtsleiterin. Und außerdem würden weitere Flüchtlinge auf eine spätere Quote angerechnet werden.

Udo Nacke (CDU) warnte davor, mehr Flüchtlinge aufzunehmen, als es die Quote vorsehe. „Dadurch entsteht Druck auf die Kindertagesstätten und die Schulen. Und die Integration ist der wesentlich schwierigere Schritt – auch, was Arbeit angeht –, als Wohnraum zu finden.“ Michael Rausch (CDU) wies darauf hin, dass die Stadt diese Wohnungen mit einer Frist von drei Monaten schließlich auch kündigen könnte.

Doch damit stieß er auf wenig Verständnis. „Wir wollen ein verlässlicher Partner für die Vermieter sein und bleiben“, sagte Jösten, „Wohnraum kündigt man nur einmal, und bevor man nicht weiß, wo der Zug hinfährt, wäre vorschnelles Handeln nicht geboten“, ergänzte der Erste Stadtrat Eberhard Weber und nach Meinung der CDU-Fraktionsvorsitzende Ursula Körtner wären Kündigungen „fatal.“ „Wir müssen gewappnet sein.“ Frühestens im Herbst werde man wissen, wie es weitergehe. Dass die Stadt die Pestalozzischule in Holzhausen kaufen wolle, um sie für Kindergarten- und Schulzwecke zu nutzen, nannte sie einen „Glücksgriff“. Den Kauf preis in Höhe von 700 000 Euro muss die Stadt laut Weber allerdings selber über Kredite finanzieren.

Zusätzlichen Bedarf dafür wird es auf jeden Fall geben. „Die meisten Flüchtlinge sind zwischen jünger als 18 und Mitte 20. Darunter sind viele junge Familien mit kleinen Kindern und Schwangeren“, berichtete Jösten. Auch einige Geburten habe es schon gegeben. Menschen über 50 Jahren seien fast kaum unter den Schutzsuchenden.

„Die Flüchtlinge sind für uns ein Glücksgriff“, meinte Heike Beckord. Es sei noch nicht so lange her, dass man sich Gedanken gemacht habe, ob man Schulen schließen müsse oder wie es mit den Kindergärten weitergehe, rief die SPD-Fraktionsvorsitzende in Erinnerung. „Endlich haben wir wieder mehr junge Menschen.“

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare